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Das Appeasement ist gescheitert

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ORCAS
MarkMalleson via Getty Images
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Im besten Fall war die Zuchtstopp-Entscheidung in SeaWorld, die Orcas in eine nicht artgemäße Haltung zwingt, eine Form des Appeasements: man wollte die Tierrechtler beschwichtigen und dachte mit diesem Zugeständnis, Boden zurück zu gewinnen.

Ein Jahr nach dieser Entscheidung, die definitiv nicht das Wohl der Tiere als oberste Priorität hatte, kann man sagen: Versuch gescheitert.

HSUS wird immer heftiger kritisiert

Vor dem Super Bowl lief ein Spot, der die Humane Society of the United States (HSUS), mit der sich SeaWorld verpartnert hatte, vor Millionen von Fernsehzuschauern enttarnte:

Das Video stammt von einer Plattform, die, auf Basis von nachvollziehbaren und nachprüfbaren Fakten, immer wieder neue Skandale über den Umgang mit Spenden bei dieser Organisation, die demzufolge als unseriös beschrieben werden könnte, aufdeckt. Die HSUS hat schon länger ihre Gemeinnützigkeits-Einstufung verloren.

Die HSUS ist als „PETA in Nadelstreifen" verrufen und hat eine zunehmend agressive vegane Agenda, weswegen sich SeaWorld durch die Kooperation mit ihr eher einen immer weiter faulenden Apfel in den Obstkorb gelegt hat.

An der Börse ist die Performance der Firma noch immer schwach und bleibt sogar unter den Werten, die ohne diese Kooperation erzielt wurden.

Tierrechtler hetzen weiter

Es war irrational zu glauben, nach Zugeständnis eines unnötigen und gewiss tierschutzwidrigen Zuchtstopps bei den Schwertwalen, würde deren ideologisch motivierte unsachliche Kritik aufhören.

Und es war auch falsch zu glauben, dass die Kooperation mit der HSUS andere Tierrechtler befrieden würde; PETA hetzt weiter - und sogar noch mehr. Jetzt soll sogar die Erhaltungszucht von Eisbären verhindert werden.

Dabei sind die Zucht und die Haltung von Eisbären wichtig; in Rostock ist nun die Bahn frei für ein Polarium, das die artgemäße Haltung der Tiere und das Aufklären über deren Bedrohungen in der Wildbahn verknüpfen will.

Der Naturfotograf Norbert Rosing, der auch Eisbären in der Natur beobachtet und dokumentiert, befand jüngst in einem Interview: „Die Zootiere machen einen richtig guten Job", denn sie interessieren Menschen erst für die Bedrohungen ihres Lebensraumes.

Eisbären sind wichtige Botschafter ihrer Art und ihres bedrohten Habitats - das Live-Erlebnis dieser Tiere bietet die Möglichkeit, Menschen für den Schutz der Art und ihrer natürlichen Lebensräume zu inspirieren.

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Während Zoos wie SeaWorld sich also intensiv darum bemühen, dass diese Tiere nicht aussterben, sondern Erhaltungszucht durchführen, fiel PETA mit einer Fake-News-Kampagne rund um den Film „Bailey - Ein Freund fürs Leben" auf, die jüngst von der American Humane Association als solche aufgedeckt wurde.

Solche Kampagnen generieren natürlich Aufmerksamkeit und mit Aufmerksamkeit kommen Spenden - leider unabhängig von der Richtigkeit solcher Meldungen, weil sich kaum jemand mehr Zeit nimmt, einen Fakten-Check abzuwarten.

Dem Artenschutz im Weg

Bei Tierrechtsorganisationen geht es nicht primär um Tier-, Arten- oder Naturschutz: PETA gibt 90% des Geldes für Ideologietransfer und damit verbundene Kosten aus. In erster Linie sind die großen Tierrechtsorganisationen Werbeagenturen für das eigene Spendenkonto.

Jede öffentliche Aktion zielt auf populistische und unlautere Weise darauf ab, auf sich aufmerksam zu machen, damit gutgläubige Tierfreunde spenden und so das Vorantreiben der weltfremden Ideologie zu unterstützen. Diese Ideologie hat mit Artenschutz und übrigens auch mit Tierschutz nichts zu tun.

Dass Eisbären in Zoos nicht nur der Erhaltungszucht der Art und der Naturschutzsensibilisierung dienen, sondern auch für Forschungen über diese Tiere wichtig sind, was letztendlich beides der Wildpopulation zu Gute kommen soll, interessiert PETA nicht wirklich. Jede Tierhaltung möchte PETA beenden - da gibt es keine Kompromisse.

Ob diese Haltung nun tierquälerisch ist oder nicht: es ist egal. PETA möchte Tierhaltungen beenden - ob Blindenhund, Reitpferd oder Zoo-Eisbär. Die Reihenfolge richtet sich dann nach den Profilierungsmöglichkeiten und der Popularität.

Wer denkt, er sei sicher, weil er seine Tiere artgemäß hält oder Artenschutz betreibt, irrt - das ist nicht relevant in der Marketing-Maschinerie der populistischen Tierrechts-Organisationen, die sich ihren Ideologietransfer zweistellige Millionenbeträge Jahr für Jahr kosten lässt. Die HSUS ist da nicht anders: eben „PETA in Nadelstreifen".

Mit viel Geld lässt sich auch viel Aufmerksamkeit generieren, ob im Internet oder Print: Wer genug Geld hat, kann sich Relevanz erstmal kaufen. Doch nicht nur, dass PETA aktiv dem Artenschutz entgegenarbeitet, indem man wichtige Akteure wie den modernen Zoo schwächt - ein Kollateralschaden, den man gerne in Kauf nimmt - nein, durch die Aufmerksamkeit, die man generiert, lenkt man auch ab: und zwar von den wirklich wichtigen Problemen.

Mit ein paar Wochen Abstand zu dem berühmten SeaWorld-Orca Tilikum starb ein Mitglied der bedrohten Southern Residents Killer Whale Population.

Jeder kann sich nun fragen, oder im Fall von PETA sogar noch aktiv auf den einschlägigen Kanälen nachvollziehen, wer denn mehr Aufmerksamkeit bekam: Der Orca, der in verhältnismäßig hohem Alter mit 36 Jahren an einer natürlichen Ursache, einer altersbegünstigten Lungenentzündung, starb, oder der Orca, der aus der bedrohten Wildpopulation der Soutern Residents, die ihrer Ausrottung entgegenschaut, stammt? Von ersterem werden Sie sogar den Namen kennen, weil er überall präsent war: Tilikum.

Die Bezeichnung des zweiten Orcas werden viele nun zum ersten Mal lesen: J34. Nur hatte dieser Orca eben das Problem, dass sein qualvoller, sehr wahrscheinlich durch eine Kollision mit einem Schiff verursachter Tod nicht so gut ins Marketing-Konzept radikaler Tierrechtsaktivisten passte:

Ein Konzept, das aktive Artenschützer als zu Monstern stilisiert und die Natur im Sinne einer weltfremdem Bambi-Mentalität als heile Welt, nach der sich jedes Tier angeblich so sehr sehnt, darstellt. Deshalb war J34, der, offensichtlich aufgrund des zunehmenden Schiffsverkehrs verunglückte, und der mit 18 jahren nur halb so alt wurde wie Tilikum, nicht Teil von Pressemitteilungen, Facebook-Live-Events und ähnlichen Marketingoptionen.

Was nun?

Es bringt nichts mit Strömungen zu koalieren, die destruktiv agieren. Tierrechtler haben kein primäres Interesse an konstruktiver Zookritik oder progressivem Artenschutz. Seriöse Organisationen bekennen sich zu Zoos, begleiten sie erforderlichenfalls konstruktiv kritisch, und arbeiten mit ihnen zusammen. Nur leider werden diese seriösen Organisationen weniger gehört, weil bzw. obwohl sie ihr Geld lieber für Tiere als für Marketing ausgeben.

Das ist ein wesentliches Problem des NGO-Systems: Oftmals ist durch die Kommerzialisierung des Spendengeschäfts nicht die NGO am erfolgreichsten mit ihrer Spendengeld-Akquirierung, die gute Arbeit macht, sondern die, die am Lautesten plärrt. Diese Schwäche des Systems machen sich unseriöse Organisationen skrupellos zu Nutze.

Es wird Zeit, dass diese Organisationen, die aktiv Arten-, Natur- und Umweltschutz durch ihre Arbeit in Misskredit bringen und behindern, auch entsprechend behandelt werden. Hier müssen die seriösen Organisationen zusammenstehen und das Appeasement aufgeben, das man leider nur allzu oft den ideologisch verklärten Extremisten entgegenbringt.

Solche Organisationen sind keine seriösen Kooperationspartner - sie sind nicht mal Dialogpartner, weil sich beides nicht lohnt und genau betrachtet nur zum Schaden von seriösen Organisationen und ihrer so wichtigen Ziele im Natur-, Arten- und Tierschutz verläuft, die wir heute mehr brauchen denn je.

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