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Delfinhaltung beenden? - Geht nicht!

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DELFINE
© Philipp J. Kroiß
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Die Fazination für Delfinarien ist ungebrochen. Auch, wenn Delfinariengegner das Gegenteil behaupten, besuchen jeden Tag viele Menschen die deutschen Delfinarien.

Oft werden Strategien vorgestellt, die einen Ausstieg aus der Delfinhaltung weisen sollten. Obgleich es keinen Grund gibt, eine tiergerechte Haltung zu verbieten, wird es trotzdem diskutiert. Schauen wir mal auf unterschiedliche Strategien.

Zuchtverbot

Es gibt bisher keine Möglichkeit, ein Zuchtverbot tiergerecht beziehungsweise im Rahmen von Tierschutzvorschriften und -prämissen umzusetzen. Nun soll erklärt werden, weshalb die Maßnahmen folgerichtig nicht möglich sind.

Dauerhafte Separierung nach Geschlechtern

Damit die Delfine nicht züchten können, dürften sich Männchen und Weibchen nie begegnen, um völlige Sicherheit zu haben, dass es nicht doch zu erfolgreicher Paarung kommt. Das ist nicht tiergerecht, da kein Delfin in seiner Biographie nicht mal auf das andere Geschlecht trifft.So eine Haltung würde, anders als die bisherige Haltungsform in wissenschaftlich geführten Delfinarien, dem Sozialleben der Tiere widersprechen. Eine solche Haltung würde also nicht nur die Haltungssituation verschlechtern, sondern auch nicht tiergerecht sein.

Empfängnisverhütende Medikation oder chemische Kastration

Hier machen es die Nebenwirkungen der Medikamente, wenn sie dauerhaft gegeben werden, nicht vertretbar: eine lange und dauerhafte Medikation verursacht zum Beispiel Tumore und andere ernsthafte Erkrankungen.

Bei kurzweiliger Medikation ist es noch vertretbar, aber Delfine werden in Menschenobhut recht alt und das würde bedeuten, dass man über viele Jahrzehnte durch Medikamente eingreifen müsste und bei einer so langen Zeit kann man fast sicher sein, dass bedrohliche Erkrankungen entstehen würden.

Sowas könnte man als Veterinärmediziner weder mit dem eigenen Gewissen, noch mit dem Tierschutzgesetz vereinbahren: man darf keine Medikamente geben, die einem Tier schaden, wenn dies nicht zu einer Verbesserung seines Zustandes beiträgt.

Eine dauerhafte empfängnisverhütende Medikation wird das Tier in eine schwere Krankheit treiben und liefert ihm selbst keinen Vorteil - das kann man nicht verantworten.

Kastration/Gonadektomie

Oft wird gefordert, die Tiere doch entsprechend zu operieren, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen können. Bei Delfinen sind solche OPs hochgradig gefährlich und es ist nicht unwahrscheinlich, dass viele Tiere dabei auf dem Tisch bleiben würden.

Allein schon deshalb ist diese Möglichkeit schon keine Rolle. Ein Tier zu operieren und ihm dabei Lebensgefahr auszusetzen ohne, dass es ein Vorteil für das Tier oder die Population geben würde, kann man nicht verantworten.

Man muss sich klar machen, dass es für einen Delfin nicht gut ist, ihm durch solch einen Eingriff seinem Sozialleben zu berauben. Es widerspricht ihrer Natur und auch seiner sozialen Lebensweise. Delfine sind recht sexuell und leben das gerne aus - der Fortpflanzungserfolg hat auch Bedeutung in ihrem Sozialleben in der Gruppe.

Importverbot

Eine weitere Strategie ist es, die Delfinarien voneinander durch Grenzen abzuschneiden. Bei der Schweiz war das leider möglich, bei EU-Ländern wird dies kaum möglich sein. Da es keinen wissenschaftlich haltbaren Beweis dafür gibt, dass der Delfintransport, um den es dabei geht, generell nicht tiergerecht möglich wäre, fehlt einem solchen Gesetz die Grundlage.

Gesetze aufgrund von persönlichen Meinungen zu schreiben wäre Willkür und dies kann sich eine EU nicht erlauben.

Zudem gibt es in vielen Ländern genügend Genmaterial, um die Zucht noch lange fortzuführen.
Die Genetik hat es uns Menschen ermöglicht, Populationen auf eine geringe Zahl von Gründertieren zu gründen - und zwar völlig ohne Qualzucht.

Zudem wäre es vor Inkrafttreten des Importverbotes noch möglich, Tiere auszutauschen und so in jedem Land, selbst tragfähige Zuchtpopulationen zu gründen und so die Haltung noch über Jahre fortzuführen.

Des Weiteren gibt es genug Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung mit Genmaterial, das verschickt wird. Das ist bei der Zucht anderer Tiere auch möglich und um dies zu unterbinden, müsste man das verschickten von solchem Material komplett und für alle Arten verbieten. Das ginge nur mit einem Beweis, dass der Transport des Genmaterials nicht ordentlich möglich wäre, den es nicht gibt.

Durch AI (Artificial Insemination) hat man heute Möglichkeiten sehr effektiv zu züchten und solches Zuchtmanagement wird nie verboten werden können. Man bräuchte wissenschaftliche Belege, um Handel ganz spezifisch einzuschränken, die es gar nicht gibt. Es ist auch nicht zu erwarten, dass es sie jemals geben wird.

Jede Zusicherung von Parteien für ein solches Import- oder Transportverbot, sich für ein solches Verbot einzusetzen, ist nur ein Lippenbekenntnis und Politiker wissen genau, dass sie dieses Versprechen niemals halten können - aber der wertlose Versuch wird vielleicht Wählerstimmen akquirieren und deshalb gibt es solche Zusicherungen immer wieder geben. Das ändert nichts daran, dass sie nicht durchsetzbar sind.

Delfinhaltungsverbot

Ein Verbot, eine Tierart zu halten ist in einem demokratischen Rechtsstaat nahezu unmöglich. Augenwischend wird hin und wieder das Gegenteil behauptet, aber auch das ist ein sinnfreies Versprechen. Man müsste für die Delfinhaltung spezifisch nachweisen, dass Tiere nicht tiergerecht gehalten werden können.

Ein solcher Beweis muss wissenschaftlich hinreichend sein und einen solchen gibt es schlicht nicht und es ist auch nicht zu erwarten, dass es diesen Beweis jemals geben wird, weil die Haltung eben sehr wohl tiergerecht möglich ist.

Es gab im Bundestag und im Landtag NRW Anträge, die alle vollumfänglich abgelehnt wurden, weil es eben keinen hinreichenden Beweis gab, der so eine Gesetzesänderung legitimiert hätte - da reicht nämlich persönliche Meinung nicht aus. Nach persönlicher Meinung, Gesetze zu schreiben, ist Willkür und dagegen ließe sich natürlich auch erfolgreich klagen.

Verbot von Tierhaltung

Die letzte Möglichkeit wäre, Tierhaltung komplett zu verbieten. Wenn man eine objektiv tiergerechte Haltung verbieten würde, müsste man logischerweise auch alle anderen tiergerechten Haltungen verbieten.

Um das besonders klar zu machen: Das betrifft auch die Haustierhaltung. Ein Tierhalter kann sein jeweiliges Tier nicht besser halten als tiergerecht - egal, welches Tier erhält. Man kann nicht besser als das Maximum sein.

Wird eine tiergerechte Haltung verboten, müssten konsequent alle tiergerechten Haltungen verboten werden. Dafür wird sich kaum eine Mehrheit. Das ist auch richtig so, weil tiergerechte Haltungen ja möglich sind.

2015-11-12-1447349436-4228437-ZVolleDelfinlaguneLoroParque.JPGAuch im europäischen Ausland ist die Fazination für Delfinarien ungebrochen. Hier ein Beispiel aus dem Loro Parque - © Philipp J. Kroiß

Was bleibt?

Nichts, denn letztendlich sind damit alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die man bisher bemühte, die Delfinhaltung zu beenden. Da man die Delfinhaltung nicht tiergerecht beenden kann, kann man sie gar nicht beenden.

Das ist auch gut so, denn die Maxime von Tierhaltung muss es immer sein, mit Tieren tiergerecht umzugehen. Ob eine Haltung tiergerecht ist, lässt sich objektiv bestimmen. Eine tiergerechte Haltung muss man nicht beenden.

Video:Fischen mit Feuerwerk: Schwede zündet Feuerwerksrakete unter zugefrorenem See



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