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Ric O'Barry - Delfinschützer?

14/02/2016 11:18 CET | Aktualisiert 14/02/2017 11:12 CET
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Wenn es um Delfinarien geht, kommt ein Name immer wieder ins Gespräch: Ric O'Barry.

Der Mann, der als Richard Barry O'Feldman geboren wurde, gilt als "ein US-amerikanischer Delfinschützer, Tierbefreiungsaktivist und ehemaliger Delfindompteur", wenn man der deutschen Wikipedia (Stand: 13.02.2016, 11:00 Uhr) glauben darf.

Die Bezeichnung "Delfindompteur" mag zutreffen, weil er weder Delfinpfleger, noch Delfintrainer ist, weil er die dazu notwendige Ausbildung nicht absolvierte.

"Flipper" und seine Folgen

Bekanntheit erlangte er durch die Fernsehserie "Flipper". Doch als die Delfine Susie und Kathy nach den Dreharbeiten wieder in den Haltungsalltag des Miami Seaquariums zurückkehren sollten, zeigten sie sich in schlechtem Trainingszustand.

Gerade für Susie gab es deshalb keine Perspektive, weshalb man sie verkaufte. Sie verstarb. O'Barry, der sie während der Flipperzeit verhätschelt hatte, zog sich zurück - erst in sein Zimmer in Coconut Grove, dann nach Indien.

Nach seiner Rückkehr wurde er ins Miami Seaquarium gerufen: Kathy lag im Sterben. Sie litt an einer Lungenentzündung. Dabei kommt es gerade im Endstadium vor, dass die Trainer entkräftete Tiere stützen müssen, indem sie sie im Arm halten, damit sie nicht für immer Absinken. Kathy schaffte es leider nicht und starb an der Lungenentzündung.

Das Märchen vom Selbstmord

Später erzählt O'Barry die Geschichte, Kathy hätte, quasi aus eigener Entscheidung heraus, aufgehört zu atmen. Das ist Delfinen nicht möglich. Sie können zwar lange das Atmem temporär einstellen, aber - ähnlich wie andere Luftatmer - sich nicht entscheiden gar nicht mehr zu atmen, weil sie den Überlebenstrieb nicht abschalten können.

Kathy stellte das Atmen ein, weil sie eine Lungenentzüdung hatte und aus keinem anderen Grund. Dass Delfine Selbstmord begehen, ist nichts als ein modernes Märchen.

2016-02-13-1455360726-1836903-DelfinPortrait.JPG Delfine: selbstmordgefährdet? Nein. © Philipp J. Kroiß

Die "Delfinbefreiungen" O'Barrys

"Als Nächstes kann ich mich nur daran erinnern, dass ich ein paar Tage später auf den Bahamas im Gefängnis saß, weil ich versucht hatte, dort Delfine zu befreien. Ich bin total durchgedreht." - Ric O'Barry

Wahrscheinlich ist eher dieser Gefängnisaufenthalt der Grund, weshalb er im Bereich der professionellen Delfinhaltung keinen Job mehr bekommen.

Kein wissenschaftlich geführtes Delfinarium kann es sich leisten, einen Ungelernten zu beschäftigen, der darüberhinaus in einem Land im Gefängnis saß, weil der Delfine dort nicht ordentlich behandelte.

So wandte er sich also der Delfinariengegnerbranche zu. Später beschrieb er diese Geschichte als eine Art Gesinungswandel, letztendlich geschah es wohl eher aus mangelden Alternativen oder Perspektiven. Heute behauptet er mehrere Delfine bereits in dieser Zeit "befreit" zu haben. Keine einzige Befreieung ist von unabhängiger Seite je überprüft oder wissenschaftlich verfolgt worden.

Die Wahrheit über die "Delfinbefreiungen"

"1996, Cleaning up Ric O'Barry and The Dolphin Project's mess. He tried to "free" (translation = kill) Buck by dumping him overboard off of Key West on a holiday weekend. 3 weeks later, emaciated and wounded, DRC rescued him. He followed our boat 7 miles to DRC, and Theresa swam outside of the lagoons and brought him back home with her! This is the fate extremists want for the animals you love, dolphins and whales alike. We have to fight for the lives of our friends - and we will! Post your photos of the LOVE you give and receive every day. The truth is out there. O'Barry is a criminal who was fined by Federal courts for abusing and almost killing Buck and Luther. That is the truth!" - Linda Erb, leitende Tierpflegerin am Dolphin Research Center

Übersetzung der Seite Delfinarien-Info: "1996, wir räumen gerade das Chaos auf, das Ric O'Barry and sein Dolphin Project hinterlassen haben. Er hatte versucht, den Delfin Buck "auszuwildern" (umzubringen wäre das passendere Wort), indem er ihn vor Key West an einem langen Feiertagswochenende einfach über Bord seines Bootes warf. 3 Wochen später war er schwer verwundet und ausgemergelt und Dolphin Research Center (DRC) musste ihn retten. Er folgte unserem Boot 7 Meilen zurück bis zum DRC, wo unser Delfinweibchen Theresa nach draußen schwamm und ihn in Empfang nahm und nach Hause brachte.Das ist das Schicksal das Extremisten den Tieren antun wollen, die wir lieben, allen in unserer Obhut lebenden Delfine und Wale. Wir müssen für das Leben unserer Freunde kämpfen - und das werden wir! Zeigt Fotos von der Zuneigung, die ihr tagtäglich gebt und erfahrt. Die Wahrheit ist da draußen. O'Barry ist ein Verbrecher der von Bundesrichtern bestraft wurde für den Missbrauch und den nur knapp verhinderten Mord an Buck und Luther. Das ist die Wahrheit!"

Das ist die faktische und tatsächliche Wahrheit hinter den angeblich ach so heroischen Delfinbefreiungen mit denen sich O'Barry schmückt. Wie Linda Erb schon schrieb, gab es eine Verurteilung in diesem Fall:

"In 1999, civil penalties in the amount of $59,500 were assessed for the release of two dolphins from captivity. The dolphins were not prepared to survive in the wild and sustained life-threatening injuries as a result of their release. An administrative law judge found that the release of two dolphins without providing them with the necessary skills for survival resulted in harassment and injury to them, and therefore, constituted a violation of the MMPA." - 1999 NOAA LEXIS 1

Lebendfangzahlen nach "The Cove" in Taiji gestiegen

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Wie diese Graphik anhand der offiziellen Fangzahlen zeigt, hat der Film an dem O'Barry partizipierte, die Lage für Delfine in Taiji nicht verbessert. Vielmehr haben sich die Japanischen Walfänger durch diesen Film weitere Abnehmer sichern können.

Zählten die Lebendfänge vorher immer unter 100 Tieren, stiegen sie nach "Die Bucht" rasant und nachhaltig an.

Ebenfalls zeigt die Grafik, dass im 21. Jahrhundert die Zahlen im betrachteten Zeitraum bereits fielen bevor der Film veröffentlicht wurde. Ein Verringern der Gesamtzahl der geschädigten Tiere hat also nichts mit O'Barry oder dem Film zu tun, sondern eher mit dem seit Jahren ruckläufigen Interesse der Japaner am Fleisch.

Einen direkten zeitlichen Zusammenhang gibt es aber wohl zwischen der Veröffentlichung des "Bucht"-Films und einem signifikantem un nachhaltendem Anstieg von Lebenfängen. Ähnliches konnte man auch auf den Salomonen beobachten, wo O'Barry ebenfalls mit Kamerateam einen Stopp des Delfinfangs erreichen wollte und auch dort in ähnlicher Weise scheiterte.

Awesome Ocean 2014: "The Animal "Advocate" Debunked"

Die Seite awesomeocean.com hat sich auch dem Thema O'Barry angenommen. Die Schlussfolgerung ist ganz klar: "Mr. O'Barry clearly did not have the dolphins best interests".

"It is absolutely irresponsible to consider Mr. O'Barry's advice, opinions, or knowledge of animal welfare as a source of expertise or truth." - Awesome Ocean

Fazit

Diesem Blog-Eintrag habe ich die Überschrift "Ric O'Barry - Delfinschützer?" gegeben. Dazu habe ich nun ein paar Fakten und Einschätzungen geliefert, die in Deutschland weniger bekannt sind.

Nun muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er einen Menschen, der für sein Fehlverhalten bezüglich der Delfine bereits verurteilt wurde, noch als "Delfinschützer" zu bezeichnen ist. Zudem muss auch gefragt werden, ob dieser Herr dann der richtig ist, den man fragt, wenn es um Delfinauswilderungen geht.

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