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PETAs peinliche Reaktion auf den STERN

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PETA
Axel Schmidt / Reuters
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Micky Beisenherz hatte in seiner STERN-Kolumne mal ordentlich mit PETA abgerechnet. Garniert mit guten Gags hatte er der radikalen Tierrechtsorganisation den Spiegel vorgehalten, nachdem bekannt geworden war, dass PETA einen Fotografen in den Ruin getrieben hat.

Hendrik Thiele, der die Kreativleitung von PETA Deutschland inne hat, versteht hier keinen Spaß und verbreitet nun Hate und übelste persönliche Polemik gegen Herrn Beisenherz. Souverän sieht anders aus - aber schauen wir uns mal an, was der PETA-Vertreter so von sich gab.

Nach einem holprigen Einstieg, bei dem er versucht von "Never feed a troll" zu "Ich antworte jetzt doch" zu kommen, wird erstmal selbstgefällig über Micky Beisenherz hergezogen. Wurde dieser in seinem Artikel nie persönlich, zieht der PETA-Vertreter auf herablassende Art über dessen Arbeit ab.

Die Antwort von PETA ist ein Witz

Dabei treten so rhetorische Perlen zum Vorschein wie das Herr Beisenherz doch Pamela Anderson dankbar sein solle, da sie doch genug Baywatch als Masturbationsvorlage für ihn gedreht habe: "Pamela wird das wohl traurig machen, denn sie hat sicher weiß Gott genug Baywatch-Folgen nur für dich damaligen Jungspund und deinen schwindenden Taschentuchvorrat gedreht. Ist das der Dank? Also bitte." Im besten Fall war das ein schlechter Witz - wie eigentlich die gesamte Antwort von PETA.

Dann kommt Hendrik Thiele auf den Stein des Anstoßes zu sprechen: der Prozess gegen den Fotografen, der wohl ruiniert wurde. Er und PETA streiten sich um ein Foto, das ohnehin schon als gemeinfrei gilt und von jedem verwendet werden kann und darf. PETA geht es anscheinend um das Geld, was der Fotograf mit der Vermarktung der Fotos gemacht hat - das wollen sie dem Makaken bzw. seinem Schutz geben.

Ist das glaubhaft? Primatologin Dr. Antje Engelhardt ist "Head" des Schutzprojekts, dass sich um den Selfie-Makaken und seine Artgenossen kümmert, die vor ihrem Aussterben stehen. Gegen eben diese Artenschützerin hängt PETA aber auch vor Gericht.

Sie hatte ursprünglich mit PETA zusammengearbeitet, sich aber dann doch von der radikalen Tierrechtsorganisation abgewendet. Als sie zu einem klärenden Gespräch den Anwalt PETAs besuchen wollte, fand sie sich wenig später wegen Belästigung und Hausfriedensbruch angeklagt. Ob PETA nun den angestrebten Erlös der Verhandlung tatsächlich an ein Projekt spendet, gegen dessen "Kopf" sie prozessieren?

Man wolle mit dem Prozess gegen den Fotografen einen "Präzedenzfall" schaffen. Hendrik Thiele erklärt weiter: "Sollte dies passieren, könnte das perspektivisch auch für andere hochintelligente Tiere wie Orcawale oder Delfine, die ihr Dasein in Entertainment-Parks fristen müssen, unabsehbare, positive Konsequenzen haben."

Hier stecken nun mehrere Fehler: Es heißt Schwertwal oder Orca, wenn man sich professionell ausdrücken will. Orcawal ist doch sehr volkstümlich und zeigt wenig Expertise, noch viel weniger Kompetenz zeigt aber das "oder Delfine" dahinter. Schwertwale sind Delfine - sie gehören genauso, wie zum Beispiel der Große Tümmler, zur Familie der Delfine.

PETA will Delfinhaltung generell verbieten - ob in Entertainment-Parks oder modernen Zoos. Warum lässt sich der Affenfall aber nicht übertragen? Weil die freiwillige Teilnahme an Training, das den Tieren nachweislich gut tut, etwas völlig anderes ist, als durch Zufall auf einen Auslöser zu kommen. Aber soweit denkt PETA wohl nicht, wirft aber gleichzeitig Micky Beisenherz ein geringes Maß an Weitsicht vor.

Mehr über Orca-Training lernt man hier:

Übrigens ist für Große Tümmler und Belugas (die gehören nicht zu den Delfinen, sondern zu der Familie der Gründelwale, wohl aber zur Überfamilie der Delfinartigen) nachgewiesen, dass sie Glückshormone beim Training ausstoßen.

Das lässt sich wohl auch auf andere Arten übertragen, ist für erfahrene Trainer aber auch wenig überraschend, merken sie doch täglich den Spaß und die Freude der Tiere an gemeinsamen Interaktionen.

Somit ist es etwas lächerlich, wenn der PETA-Vertreter sich später auf den "aktuellen Stand der Wissenschaft" beruft, wo seine Organisation genau diesen doch konsequent ignoriert.

Die Würde des Affen

PETA setze sich für die Würde des Affen ein und versucht so halsbrecherisch den Prozess zu verteidigen ... und scheitert. Wenn PETA den Prozess gewinnt, bekommen sie das Geld über das sie dann bestimmen. Selbst wenn der Affe verarbeiten könnte, was da gerade vorgeblich in seinem Namen passiert, hat er weit größere Probleme: seine Population steht vor dem Aussterben und PETA prozessiert gegen eine Person, die ihn davor bewahren will.

Allerdings hilft die Vermenschlichung der Tiere nicht weiter - genauso wenig wie einem Affen Rechte zu erstreiten, die er ohnehin nicht wahrnehmen kann, wenn er sie hätte, weshalb er sie auch rein rechtlich niemals bekommen kann, was die selbstsüchtige Seite von PETA enthüllt, die Herr Beisenherz auch richtig erkannte.

Dann versucht sich Hendrik Thiele an einem krassen Gag (uffpasse!): "Ich möchte dich wirklich nicht überfordern, aber wir machen gar keinen Tierschutz ... Stille ... Raunen in der Menge ... Wir arbeiten für Tierrechte." Boah, war das witzig, ne? Diese drei Punkte andauernd, diese ausgeschriebenen Regieanweisungen - krass, was für ein Könner, ne?

Doch auch dieser Satz Thieles hat ein Problem: Er entspricht nämlich der Wahrheit und die ist gar nicht witzig: "wir machen gar keinen Tierschutz".

In einem Interview erklärte Harald Ullmann (PETA) der Huffington Post: "Für karitativen Tierschutz verwenden wir nur einen kleinen Teil, ungefähr zehn Prozent." Woran gehen die anderen 90%? Nun eine Analyse der Zahlen ergab, das über 40% erstmal für Personalkosten drauf gehen, um solche Leute wie den Thiele mit seinen Super-Gags zu bezahlen.

2015 waren das rund 1,7 Millionen Euro. Warum so viel? Man leistet sich bei PETA eine vielschichtige Hierarchie von bis zu 57 „Managern", „Senior-Koordinatoren", „Koordinatoren" und „Junior-Koordinatoren".

Rund 1,5 Millionen gab man im selben Jahr dann noch für Öffentlichkeitsarbeit aus. Aber man macht ja eben in Tierrechte und "gar keinen Tierschutz". Man schaut also lieber beim Aussterben der Makaken zu - Hauptsache man hat den Fotografen ruiniert.

Dann wird sich darüber echauffiert, dass Micky Beisenherz die menschenverachtende Kampagne PETAs mit dem Namen „Holocaust auf Ihrem Teller" erwähnte. Thiele weist auf den Begriff „Speziesismus" hin und erklärt: "Wikipedia is your friend."

Das erklärt natürlich auch wie PETA recherchiert ... wie war das noch mal mit dem Quellenwert von Wikipedia? Für PETA ist es egal, also schauen wir mal nach: Wikipedia definiert Speziesismus als "moralische Diskriminierung von Individuen ausschließlich aufgrund ihrer Artzugehörigkeit" und erläutert weiter, dass es bedeute "das Leben oder das Leid eines Lebewesens nicht oder weniger stark berücksichtigt wird, weil es nicht einer bestimmten Spezies" angehöre.

Jetzt weiß auch der Löwe, dass er ein Speziesist ist ... aber der liest wahrscheinlich nicht unbedingt den von PETA betriebenen Veganblog.

Anschließend geht es darum, dass PETA Tiere tötet. Nun gibt Hendrik Thiele die schon längst widerlegte Verteidigungsstrategie PETAs gegen diese behördlich belegten Anschuldigungen zu Besten.

Die wird aber auch nicht wahrer, wenn man sie wiederholt: "PETA USA schläfert Tiere ein, ja, das ist korrekt. Und zwar solche, die nicht mehr vermittelbar sind; Tiere, die an Schmerzen leiden, die nicht mehr mit dem Leben vereinbar sind, und solche, deren Halter es sich aus monetären Gründen nicht leisten könnten, ihre kranken Tiere zu einem regulären Tierarzt zu bringen."

Es ist nachweislich falsch, dass PETA nur Tiere einschläft, bei denen dies medizinisch geboten ist, denn dann würden sie ein "No Kill"-Tierheim betreiben.

Das tun sie aber nicht nicht, sie betreiben ein Kill-Tierheim; PETA schläfert eben auch auch gesunde und vermittelbare Tiere ein, wie Nathan J. Winograd, der selbst in diesem Bereich engagiert ist, in Berufung auf behördliche Untersuchungen auf seiner Webseite "WHY PETA KILLS" nachweist.

PETA zieht freilich auch über diesen Kritiker ihrer Tötungspraxis her - wenn man sieht wie man mit Herrn Beisenherz umspringt, verwundert das auch recht wenig. Ich habe mit Nathan J. Winograd ein Interview geführt und darüber einen Gastbeitrag für die Salonkolumnisten geschrieben.

Thiele lügt hier also offenbar, um selbst über Micky Beisenherz abzulästern, was er dann natürlich auch weiter macht. Der Kreativleiter geht auch eben sehr kreativ mit der Wahrheit um - muss man wohl, um bei PETA zu arbeiten.

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So endete der Brief dann, der ständig zwischen Hass, schlechten Gags und herablassender Polemik hin und her wechselte: wie ein gekränkter Klassensprecher, der an den Rektor schreibt und denkt, er könnte sich mit Halbwahrheiten aus der Affaire ziehen, schließlich aber doch eine verdiente Sechs akzeptieren muss.

Die aggressive und persönliche Polemik des Leiters des Bereichs „Kreation & Großprojekte" bei PETA Deutschland, Hendrik Thiele, ist schon bemerkenswert. Frage an ihn, den offensichtlich ach so genialen Profi: Muss ich jetzt auch mit "In diesem Sinne: „Bitte" für das bisschen mehr Online-Reichweite.

Gern geschehen." enden, weil ich ja nen Troll gefeedet habe und um dann noch zu zeigen, was für ein lässiger Typ ich bin? Ich denke nicht. Viel mehr muss man Thiele sogar danken, da seine Antwort doch alles belegt hat, was STERN-Kolumnist Micky Beisenherz im Kern ausführte und dies alles konzentriert in der Schlüsselphrase: "Ich möchte dich wirklich nicht überfordern, aber wir machen gar keinen Tierschutz".

(Achtung - dieser Beitrag kann Spuren von Ironie und Sarkasmus beinhalten. Leser haften für ihre Rezeption der Gags.)

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