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PETA-Aktivistin: Business Class in den Loro Parque

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LORO PARQUE
DESIREE MARTIN via Getty Images
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Sie blickte aus dem Fenster hinaus. Am Horizont malte sie die Silhouette eines großen Berges ab: der Teide. Gleich würde die Maschine zur Landung ansetzen. Nachdem sie nun die Annehmlichkeiten der Business Class genossen hatte, würde sie bald auf Teneriffa landen.

Dr. Heather Rally arbeitet aktuell als Tierärztin bei PETA beziehungsweise der PETA Stiftung.

Sie arbeitet also für genau jene radikale Tierrechtsorganisation, die wahrscheinlich für den Tod von zehntausenden, zu einem signifikanten Teil gesunden und adoptierfähig, Haustieren in den USA verantwortlich ist und jede Form der Tierhaltung abschaffen will.

Auf likedin.com beschreibt sie das Profil ihrer Arbeitsstelle: Sie rezensiert und berät spezielle Fälle von Missbrauch von Tieren in Zoos, Zirkussen und ähnlichen Einrichtungen. Sie scheint also nicht mehr zu praktizieren. Reisen wären nötig, um vor Ort aktiv zu werden. Warum es dazu Business Class sein muss, verrät sie aber nicht.

Gleichzeitig ist sie auch bei der Oceanic Preservation Society tätig. Da filmt sie undercover, recherchiert zum Thema Wildtierhandel, und war beratend bei „Racing Extinction" tätig. Teil der Werbung für diesen Film war ein Feature auf Discovery Channel. Darin beschreibt sie ein „Erwachen" beim Anschauen von „Die Bucht".

Die Oceanic Preservation Society war an „Die Bucht" beteiligt und sieht sich als „Team passionierter Künstler, Aktivisten", das etwas verändern will. Wie PETA sind sie gegen die Haltung von Walen und verbreiten entsprechend Desinformationen.

Eigentlich sind Korallen Rallys Lieblingstiere. Sie studierte an der Western University of Health Sciences von 2009 bis 2014. Während ihres Studium arbeitete sie für gewisse Zeiträume, meist für weniger als 12 Monate, in verschiedenen, hierzulande weniger bekannten Einrichtungen. Seit ihrem Abschluss arbeitete sie bei PETA in der Tierrechtsindustrie. Mit Orcas hat sie nie professionell gearbeitet.

Trotzdem besucht sie wegen dieser Tiere den Loro Parque auf Teneriffa. Dort wird sie geduldet und trifft sich mit den Aktivisten der Free Morgan Foundation: Ingrid Visser, die mal Meeresbiologie studierte, sich aber in der wissenschaftlichen Gemeinschaft völlig diskreditiert hat und nun mit Tierhaltungsgegnern wie PETA oder der Born Free Foundation kooperiert, und Rosina Lisker, einer Geprüften Rechtsfachwirtin - beide sind von der Free Morgan Foundation und beide haben auch nie in einer professionellen Orcahaltung gearbeitet.

Ingrid Visser wurde dadurch bekannt, dass sie wilde Orcas wie Haustiere antatschte und in ihrer mehr als defizitären Haltung ein „gerettetes" Orcakalb nach kurzer Zeit in dem Swimming Pool, in dem sie es hielt, verstarb.

Zu dritt besuchen sie die Orcashows, die sie beenden wollen, und sehen die Orcas, die sie unter ihre Kontrolle bringen wollen. Visser und Rally protegieren nämlich das Whale Sanctuary Projekt und sind selbst Teil davon.

Dabei handelt es sich um eine eigene Orcahaltung, in der die Tiere eigentlich auf ihren Tod warten, denn Fortpflanzung, die ein so wichtiger Teil ihres Lebens ist, wird ihnen verwehrt bleiben, da aus der Tierrechtsindustrie ständig ein Zuchtstopp gefordert wird, was für die Tiere eine absolute Katastrophe ist.

Das Publikum liebt die Orcashow im Loro Parque. Pro Jahr sehen sie mehr als eine Millionen Besucher - Tendenz steigend. Eine Befragung ergab, dass 97% der Besucher die Show positiv empfanden. Jüngst kamen 75.000 notariell beglaubigte Unterschriften zusammen, in der die Besucher den Loro Parque unterstützen und besonders auch die Haltung von Morgan - in rund zwei Monaten.

PETA schaffte es in mehr als zwei Jahren gerade mal auf 20.000 - eine notarielle Beglaubigung liegt dafür allerdings nicht vor. In diesem Jahr wurde der moderne Zoo von den Benutzern von TripAdvisor sogar zum besten Zoo der Welt gewählt.

Mehrere Behörden und unabhängige Experten kamen in den Loro Parque und überprüften die Haltungen - selbstverständlich auch die Orcahaltung. Niemals gab es Beanstandungen, sondern vielmehr Lob. Spricht man mit renommierten Experten, die die Tiere unabhängig begutachteten, findet man sie voll des Lobes für die Haltung, in der es den Tieren erwiesenermaßen gut geht.

Die drei Aktivisten im Zuschauerraum sehen das naturgemäß anders, sind sie doch Teil der Tierrechtsindustrie und machen Profit mit „non-profits". Eine Brancheninsiderin, die selbst Teil des unseriösen Teils der „non-profits" ist, erklärte einmal, man sei in diesem Geschäft, weil man Geld liebe.

Wenn man an die Free Morgan Foundation spendet kommt dies nicht beim Orca Morgan an und dass der überwiegende Teil der PETA-Spenden eben nicht für Tiere verwendet wird, gab ein Funktionär ja selbst zu: 10% gehen an das, was man bei PETA „karitativen Tierschutz" nennt. Vom Rest werden auch Mitarbeiter bezahlt - in den oberen Positionen verdienen die Manager weit mehr als etwa viele Zoodirektoren.

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Spenden sammeln sie mit einer Ideologie, einem Lifestyle, der emotionalisiert und Fakten verleugnet. Keine professionelle Untersuchung hat je auch nur einen Hinweis darauf gegeben, dass die Orcas im Loro Parque schlecht gehalten würden oder es ihnen nicht gut ging. Diese Fakten sind für die Tierrechtsaktivisten irrelevant.

Sie basteln sich ihre eigene Wahrheit - von den Zooschauerrängen aus und ohne professionelle Erfahrung in dem, was sie so leichtfertig und mit einer besorgniserregenden Hybris aburteilen.

Ingrid Visser war jüngst Co-Autorin einer Studie, die sie quasi von den Zuschauerrängen herab verfasste. Gemeinsam mit anderen radikalen Aktivisten der Tierrechtsindustrie und einer Biologin, die ebenfalls noch nie in einer Orcahaltung gearbeitet hat, beurteilten sie aus dem Zuschauerraum, also im besten Fall mit etwa drei Metern Abstand, und ohne hinreichende Untersuchung, die Zähne einiger in Menschenobhut gehaltener Orcas.

Ohne Kompetenz im Bereich der Meeressäugerhaltung kamen sie auch zu einem völlig anderen Ergebnis als die renommierten Experten, die natürlich auch die Zahnsituation der Tiere begutachteten und sie als nicht besorgniserregend einstuften.

Es ist eben normal für Schwertwale, auch in der Wildbahn, dass sich ihre Zähne abnutzen.

Diese Studie war ein übles Schmierentheater von Leuten, die von der Haltung und offenbar auch von der Gesundheit der Tiere nichts verstehen oder es absichtlich unterschlagen und gutgläubige Tierfreunde mit Pseudo-Wissenschaft an der Nase herumzuführen, damit sich bloß die Spendentöpfe füllen, dank denen die Tierrechtsindustrie überhaupt existiert.

Menschen, die glauben von den Publikumsrängen die Gesundheit von Tieren vollumfänglich einschätzen zu können, würden von seriösen Institutionen eher eine Empfehlung bekommen, sich nach anderen Jobs umzusehen oder nochmal die Schulbank zu drücken, statt ihnen einen Flug in der Business Class zu finanzieren.

Der Loro Parque erklärt zu dem Besuch: „Wir sind sicher, Visser, Lisker und Rally werden wieder lügen, aber alle wahren Orca-Freunde sollten wissen: Jedem Orca im Loro Parque geht es gut und beide könnten nur populistische Argumente benutzen, um das Gegenteil zu behaupten."

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