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Philipp J. Kroiß Headshot

PETAs falsches Bild vom Loro Parque

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Die Tierrechtsorganisation PETA ist gegen jede Form der Tierhaltung. Deshalb ist sie unter anderem gegen Zoos, die aus diesem Grund von dieser Organisation immer wieder angegangen werden, sodass es schon fast Mobbing-Ausmaße erreicht.

Immer wieder werden falsche Behauptungen, auch, wenn sie schon längst widerlegt wurden, wiederholt. Weil der Loro Parque der beste Zoo Europas ist und der zweitbeste der Welt (Besucherwahl anhand von Trip Advisor) steht er natürlich auf der Prioritätenliste von PETA ganz oben. Wahrscheinlich auch deshalb findet man einen desinformierenden Blogeintrag auf veganblog.

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Morgan lebt gesund und artgemäß im Loro Parque © Philipp J. Kroiß

Veganblog ist eine Webseite von PETA und eine gewisse "Tanja" verbreitet dort Unwahrheiten über den Loro Parque.

Anschuldigungen sind schlichtweg falsch

So spricht "Tanja" das intentional beaching / beaching play von Morgan an und behauptet, Morgan wäre aus dem Becken gesprungen und bezeichnet es als "Fluchtversuch". Dabei ist diese These bereits längst widerlegt.

Auf meinem Blog wurden diesem Thema zwei Einträge gewidmet: Beim ersten ging es um das Verhalten an sich, und der zweite beschäftigte sich mit den Statements von Experten.

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Dieses Foto aus dem Jahre 2013 zeigt das angesprochene Verhalten. © Philipp J. Kroiß

Erneut wird der hervorragende Gesundheitszustand von Morgan in Frage gestellt. Man spricht von "kaputten Zähnen" und "Bisswunden". Auch das ist schlicht falsch. Morgans Zähne sind so, wie sie auch bei wilden Tieren zu erwarten sind und was PETA "Bisswunden" nennt, nennen die Experten "rake marks" und auch die sind bei Morgan nicht anders als bei ihren wilden Artgenossen.

Zahnabnutzung und rake marks (und sogar auch echte Bisswunden) sind völlig normale Vorgänge im Leben von Orcas. In der Wildbahn findet man Tiere, deren Zähne sogar bis aufs Zahnfleisch abgerieben wurden und ebenso Tiere, die rake marks aufweisen und Narben von Bisswunden.

Zahlreiche unabhängige Experten haben eine Expertise im Fall Morgan abgegeben. Unter anderem: Cornelis Camphuysen vom Königlichen Institut der Niederlanden für Meeresforschung, Dr. John Ford von der Pazifischen biologischen Station, Dr. Christophe Guinet vom franzöischen Centre National de Research Scientifique, Dr. Mardik Leopold von IMARES, Dr. Christina Lockyer von der Nordatlantischen Meeressäugerkommission, Dr. James McBrain, ein international arbeitender Experte für Veterinärmedizin in Bezug auf Schwertwale, sowie Dr. Fernando Ugarte vom Greenland Institute of Natural Resources.

PETA hingegen zitiert nur eine Person: Ingrid Visser. Sie hat sich, in Opposition zu anerkannten Experten in Sachen Meeressäuger, in den Kopf gesetzt, das Tier in ihren Besitz zu bringen. Dafür sammelt sie Spenden, um ihre Kampagnen zu finanzieren, die im Wesentlichen auf unterstem Niveau gegen den Loro Parque gerichtet sind. Sie ist also alles andere als eine unabhängige Expertin, zumal sie von PETA auch Unterstützung erfährt.

Behauptung wider besseres Wissen

In einem Brief des Loro Parque, der jüngst auf dessen Blog veröffentlicht wurde, wurde die zuständige PETA-Aktivistin Tanja Breining bereits im Juni davon in Kenntnis gesetzt, dass die Anschuldigungen falsch sind.

PETA hatte den Loro Parque nämlich der höchsten Instanz in Sachen Tierschutz in Spanien gemeldet: SEPRONA. Die gingen dem natürlich nach und besuchten den Loro Parque. Die Orcahaltung des Loro Parque sei "fehlerfrei", hieß es nach der Überprüfung.

Breining selbst hatte an die Spanische Botschaft und SEPRONA geschrieben und nun wurden all die von ihr vorgebrachten Anschuldigungen widerlegt.

SEPRONA stellte fest, dass sowohl das Verfahren als auch die Rettung, Transport und Haltung von Morgan völlig gemäß allen geltenden Gesetzen waren und sind. Ihr Verbleib in Menschenobhut ist endgültig durch das abschließende Urteil aus den Niederlanden geregelt. Die jährlichen Inspektionen seit 2011 verliefen immer und auch für den ganzen Park vollumfänglich ohne Beanstandungen.

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Die Versorgung der Tiere im Loro Parque gehört zu den besten der Welt. © Philipp J. Kroiß

PETA selbst setzt nun scheinbar trotzig seine Schmutzkampagne fort, obgleich jede Anschuldigung, die sie auch jetzt wieder aufkocht, bereits widerlegt wurde. PETA scheint ihre Follower für dumm verkaufen zu wollen, indem man diese immer mit falschen Informationen vorschickt, mit denen sie dann regelmäßig scheitern.

Die Tierrechtsorganisation selbst hat nämlich in vier Jahren den Loro Parque, so steht es auch in den Brief an Frau Breining, nie selbst angefragt, wie es denn Morgan geht. Der NABU hingegen, eine seriöse Naturschutzorganisation, war selbst vor Ort und erklärte, dass die Rettung des Tieres von den Experten aus Harderwijk und dem Loro Parque als erfolgreich beschrieben werden könne und eine Auswilderung nicht möglich sei.

Dies auch wegen des Hördefizits, das PETA, wie der Loro Parque anmahnt, in seinen Kampagnen zu ignorieren oder zu verschweigen scheint.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tanja Breining berechtigterweise stark kritisiert wird. Dr. Kerstin Ternes konnte im Rahmen der Landtagsanhörung ihre Vorwürfe gegen deutsche Delfinarien bereits völlig widerlegen. Mehr dazu kann man auf der offiziellen Seite des Landtags lesen.

Zustimmung der Besucher für den Loro Parque

PETA möchte seine Follower davon abhalten, den Loro Parque zu besuchen. Das hat Methode. Die Besucher, die nämlich vor Ort waren, schätzen Orca Ocean ganz anders ein als PETA. Es gab Besucherbefragungen nach der Show.

Diese waren durch die edukativen Bestandteile des Anlagenkonzepts bestens über die Biologie der Tiere, die Haltung im Loro Parque und den Fall Morgan informiert. Konstant über 95% bis 97% der Besucher bewerteten Orca Ocean als positiv.

PETA brauchte mit Fehlinformationen viele Wochen, um rund 10.000 Unterschriften zusammen zu kratzen. In der Hochsaison aktuell sind es rund 5.000 Menschen, die pro Tag den Loro Parque besuchen.

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Morgan springt während einer der Trainingssessions, an denen sie freiwillig teilnimmt, einen so genannten "Kicker". © Philipp J. Kroiß

Peta beurteilt aus der Ferne den Loro Parque als schlecht, aber die Menschen, die sich vor Ort von der Realität überzeugen, sehen das in der überwiegenden Mehrheit offensichtlich ganz anders.

So passt es auch ins Bild, dass das Foto, das zum oben widerlegten Beitrag von veganblog ausgewählt wurde, nicht einmal Morgan zeigt, obgleich er sich mit ihr beschäftigt. Die rot umkreisten Zähne, sind also nicht mal ihre.

Hintergrund: PETAs Tiertötungen

Während die Loro Parque Fundación, die dem Zoo angeschlossene Stiftung, über 16 Millionen Dollars in Tierschutzprojekte steckte, sterben in PETA Tierheimen Tiere - statistisch alle paar Stunden ein Haustier.

Das kam 2005 ins Licht der Öffentlichkeit: Der "Peta tötet Tiere"-Skandal
. Über 90% der Tiere, die in den PETA-Tierheimen ankommen, sterben durch eine Giftspritze - 80% davon schon binnen eines Tages nach ihrer Ankunft. Man entsorgt die Tiere dann wie Abfall: 2005 fand man 80 Tierkadaver in einem Abfallcontainer.

Eine Chance auf Adoption haben die Tiere, die in PETA-Tierheim kommen kaum - sie liegt seit Jahren statistisch im einstelligen Bereich.

PETA behauptet, das ganz sei eine üble Kampagne der - Aluhüte aufsetzen, bitte! - US Fleisch- und Tabakindustrie. Fest steht aber: Es handelt sich dabei um offizielle Zahlen, man bezieht sich auf eine offizielle behördliche Untersuchung. Die Zahlen sind Fakt und keine Fiktion.

PETA steht zudem zur Euthanasie. Ingrid Newkirik, Präsidentin von PETA wird mit folgenden Worten zitiert : "Euthanasia is the kindest gift to a dog or cat unwanted and unloved." Richtig übel wird es dann, wenn man im Hinterkopf hat, was sie auch sagte: "A rat is a pig is a dog is a boy. They're all animals."

Im Rahmen des Skandals wurde aber noch mehr aufgedeckt: Selbst eigens "befreite" Versuchstiere fanden ihren Tod bei PETA. Der damalige Vorsitzende Alex Pachebo sagte der "Washington Times", man habe nicht das Geld sich um diese Tiere zu kümmern.

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Zur Erinnerung: PETA ist die reichste und größte Tierrechtsorganisation der Welt. Wenn man nicht genügend Geld hat, Tiere tiergerecht zu halten, sollte man es vielleicht lassen und nicht die sinnlos beschuldigen, die die Tiere artgemäß halten: wissenschaftlich geführte Zoos.

Ob von dem Reichtum von PETA allerdings für die Tiere viel übrig bleibt, muss bezweifelt werden, wenn man sich die Untersuchung von Stiftung Warentest anschaut, die Spendenorganisationen unter die Lupe nahm.

Wie der Fokus berichtete stufte Stiftung Warentest die Arbeit der Organisation als "unwirtschaftlich" ein. Eine Spende kann also wohl nicht empfohlen werden, wenn man einem der renommiertesten Experten in dieser Sache vertrauen darf.

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