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So viel Geld und doch keinem Tier geholfen

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Eine faltige Hand krallt sich an ein Boardmagazin von Austrian Airlines. Aufgeschlagen ist eine Seite, der einen kleingescannten Orca in einem Goldfischglas zeigt. Ein Retorten-Orca gezeichnet von schlechten Photoshop-Fähigkeiten seines Erschaffers. „Don't support Loro Parque" steht in roten Lettern und darunter: „Orcas suffer in captivity". Willkommen im postfaktischen Zeitalter! - dank PETA.

45.000 Euro für die Verbreitung einer Lüge
Es ist das Boardmagazin von Austrain Airlines, an das sich die Hand klammert. Die Fluggesellschaft ist fein raus, denn die übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Werbeanzeigen - so einfach kann man sich aus der Verantwortung stehlen.

PETA und die von der Organisation betriebene Seite SeaWorldOfHurt.com (Zitat auf der Seite „Brought to you by PETA and PETA 2, 501 Front St. Norfolk, VA 23510") werden weiter unten genannt. Sie haben wohl 45.000 Euro für die Werbung über eine Seite hingeblättert, denn so viel kostet es, um in dem Boardmagazin, das ein paar Wochen ausliegt, auf einer Seite schreiben zu können, was man will.

2016-11-26-1480167779-6759169-DSCF8707ketokohanaskylamorgan.JPGKeto, Kohana, Skyla und Morgan (v.l.) zeigen sich während der Show als Botschafter ihrer Art und ihres Lebensraumes. | © Philipp J. Kroiß

Leiden Orcas in Gefangenschaft?
Die Frage ist schon falsch, wenn man es auf den Loro Parque bezieht. Moderne Delfinhaltung, wie in diesem Zoo, wird von den Tieren nicht als Gefangenschaft rezipiert, wenn man einem Experten glauben darf, der die Haltung der Tiere in Menschenobhut kennt und am Auswilderungsprojekt des Orcas Keiko mitgearbeitet hat.

„Es gibt diejenigen, die Dich glauben machen wollen, dass Schwertwale in Meeresparks irgendwie anders als ihre wilden Brüder seien; dass die Wale in zoologischen Einrichtungen durch Jahre im "Gefängnis" verrückt würden. In mehr als 27 Jahren bei der Arbeit mit Schwertwalen und um sie herum in Parks und auf dem offenen Meer, ich habe noch nie auch nur eine Unze von Beweisen gesehen, um eine solche Behauptung zu unterstützen." - Mark Simmons, Orca-Experte

Was bleibt also über?
Die Frage nach dem Leid. Die wurde hinlänglich geklärt. Unabhängige Experten waren vor Ort, Behörden haben den Loro Parque überprüft und Wissenschaftler die Tiere in Orca Ocean erforscht. Keiner der sowohl von den Zoos als auch den Tierrechtsorganisationen unabhängigen Menschen hat je auch nur einen Hinweis auf ein Leiden der Tiere gefunden.

Wer sagt, dass die Orcas im Loro Parque leiden, lügt, und zwar erzählt er die Unwahrheit wider besseren Wissens, denn die Expertisen der Leute sind schon längst zugänglich gemacht worden.

„Die Haltung und die Haltungsmöglichkeiten der Orcas hier würde ich so einschätzen, dass ich sage, es gibt keine Stelle, wo sie besser sind auf der Welt." - Prof. Dietmar Todt (Freie Universität Berlin) über Orca Ocean

Hin und wieder ist auch das Wohlergehen einzelner Tiere im Gespräch. Auch hier waren schon unabhängige Experten mit dem Fall betraut.

„In my professional opinion, this animal is faring very well in this facility, not only medically but also socially, which is very important for a killer whale." - Dr. Geraldine Lacave, unabhängige Expertin im Jahre 2012 nach Begutachtung von Morgan

Auch Experten, die in anderen Haltungen arbeiteten und die Haltung kennengelernt haben, fanden die Orca-Haltung des Parks völlig in Ordnung:

„Ich habe euer Team so geliebt! Ich weiß sie werden eine großartige Arbeit mit unseren Walen machen! Ich freue mich eure neue Show persönlich zu sehen! Das Beste vom Glück!" - Dawn Brancheau, Orcatrainerin [in deutscher Übersetzung]

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Das Wohlergehen der Tiere im Loro Parque wird auch von unabhängigen Experten überprüft. © Philipp J. Kroiß

Warum den Loro Parque unterstützen?
Anders als etwa Haltungen in Russland, pflegt der Loro Parque Schwertwale als Botschafter ihrer Art und ihres Lebensraumes und mit grosser Liebe und Respekt, und nicht nur zu Vergnügungszwecken. Die Show ist zwar unterhaltsam, zielt aber in erster Linie auf Edukation ab.
Die globale Population von Orcas ist noch nicht bedroht, wohl aber lokale Populationen und der Lebensraum der Tiere.

Die Stiftung des Loro Parque, deren Spenden zu 100% den Natur- und Artenschutzprojekten zu Gute kommen, schützt aktiv den Lebensraum von Orcas. So setzt sie sich engagiert für die Schaffung eines Meersschutzgebiets Makronesien ein und kämpft unermüdlich dafür, dass der Schutz der Tiere in diesem Gebiet weiter vorangetrieben wird.

Zudem kümmert sich die Stiftung intensiv, und das seit Beginn der eigenen Haltung von Orcas, um die residente Orcapopulation im Gebiet der Meerenge von Gibraltar. Hunderttausende Euros flossen bereits in dieses Projekt, sowie in andere Schutzprojekte für Meerssäugetiere, und es gibt erste Erfolge.

Solche Erfolge werden möglich durch die Umweltbildungsarbeit und die Forschung mit den Tieren. Für umfassende Schutzprojekte braucht es die Tiere in Menschenobhut, weil sie unverzichtbar sind.

Manche Forschungen kann man eben nur unter den kontrollierten Bedingungen in den modernen Delfinarien durchführen. Nur in Kombination aller Forschungsoptionen erhält man optimale Ergebnisse und die braucht man, wenn man um das Überleben von Populationen kämpft.

Dazu ermöglicht der Loro Parque Forschung zur Verhinderung von Beifang und setzt sich für Populationsschutz, Rettungprojekte und weitere Schutzprojekte für die Bewohner unserer Ozeane ein. Zudem kümmert er sich intensiv um Papageienschutz und Landsäugerprojekte, die man langfristig aufbaut und jährlich insgesamt mit rund einer Millionen Dollar unterstützt (Tendenz weiter steigend).

Wo sind die Delfinariengegner, wenn es darum geht, Orcas zu schützen? Die kümmern sich nicht darum, dass die Population in Gibraltar auf dem absteigenden Ast ist. PETA engagiert sich nicht für Schutzgebiete wie Makaronesien. Nein, diese Tierrechtler zahlen lieber zehntausende Euros, um in einem Boardmagazin gezielt nachweisbare Lügen zu verbreiten.

2017-02-22-1487772430-5211558-oopub.JPGMit seiner edukativen Orcashow erreicht der Park tausende Besucher pro Tag.

Werbung zum Selbstzweck
Wenn man an die Loro Parque Stiftung spendet, kann man sicher sein, dass 100% der Spenden in die Schutzprojekte gehen. Die Personalkosten und sonstigen Kosten übernimmt der Loro Parque komplett mit 10% seiner Eintrittsgelder. Werbemaßnahmen übernimmt der Park zusätzlich. Er stellt auch einen Shop und Waren zur Verfügung, so dass von deren Verkauf auch 100% in die Schutzprojekte fließt.

Von diesem Wert ist PETA, Urheber der Anzeige, die Kernthema des Artikels ist, weit entfernt. Deren Geld geht nämlich für genau solche Kampagnen drauf, die viel kosten, aber keinem Tier helfen. 45.000 Euro so in den Sand zu setzen, ist eine Leistung - aber keine gute für den Schutz von Tieren. Um schon längst widerlegte Desinformationen nochmal schreiben zu können zehntausende Euros hinblättern? Das ist nicht seriös.

PETA verwendet 90% der Spenden für solche oder ähnliche Kampagnen. Die Tierrechtsorganisation verwendet Millionen, um eine Ideologie werbewirksam mit ihrem Namen zu verknüpfen. Tieren helfen sie damit nicht. 10% gehen in das, was PETA „karitativen Tierschutz" nennt.

Was PETA mit diesem schwammigen Begriff zu beschreiben sucht, sehen wir in Norfolk, wo seit Mitte 1998, von Behörden bestätigt, bereits knapp 35.000 Tiere ein doch ziemlich rasches Ende fanden, indem sie im Auftrag von PETA umgebracht wurden. Angeblich wäre es nicht anders möglich.

Klar, aber wer sein Geld lieber in bedrucktes Papier als in eine Optimierung des eigenen Tierheims investiert, hat sich das Problem auch selbst geschaffen. Bei der vielen der Tiere bestünde nicht die Notwendigkeit, sie umzubringen, wenn das Tierheim vergrößern und der Werbeetat für die Vermittlung der Tiere eingesetzt würde.

Die Hand
Wer sich da so fast krampfhaft an das Boardmagazin klammert, ist Ric O'Barry. Er pusht durch solche Fotos in sozialen Medien wohl eine Werbeanzeige, die wahrscheinlich nicht so wirklich gut gelaufen ist, wie PETA sich das versprochen hatte.

Nun, wer schon längst widerlegte Behauptungen auf eine Seite druckt, hätte sich das denken können - aber was soll PETA auch anders tun? Fakten, die für die mit dieser Anzeige verfolgten Zwecke sprechen, existieren ja nicht, also müssen sie mit solchen Desinformationen operieren.

Ric O'Barry spielt sich als Delfinexperte auf, hat aber mit noch keinem Delfin, und schon gar keinem Orca, in einer wissenschaftlich geführten Einrichtung, deren Haltung sich mit der heutigen im Loro Parque vergleichen ließe, gearbeitet. Er weiß nicht, wovon er spricht. Orcas hat er nie trainert und nie wissenschaftlich über sie gearbeitet, geschweige denn ein Paper oder eine Studie veröffentlicht.

Er hat kein entsprechendes Studium, keine anerkannte Ausbildung oder ausreichende Expertise, die an die der oben genannten Experten auch nur im Entferntesten heranreicht - in der Position ihnen glaubhaft zu widersprechen, ist er also nicht.

O'Barry wollte, nachdem er keine Perspektive mehr im Bereich animal training hatte, da seine Methoden, wenn man Trainern von damals Vertrauen schenken darf, nicht als gut anerkannt waren, als Delfinariengegner sein Glück versuchen. Schließlich kam er tatsächlich in die Position wieder Zugriff auf Delfine zu haben: die sog. Sugarloaf Delfine.

Das Ergebnis seiner „Auswilderung" war ein Desaster - er hatte wohl alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Die Experten aus Delfinarien sprangen nun ein, um die Tiere zu retten und er wurde zu einer hohen Geldstrafe rechtskräftig verurteilt. Bei dem Foto, das er am 17.02.2017 veröffentlichte saß in einem Flug, der ihn wohl zu seinem Luftschloss Lipsi bringen sollte, wo er mehr oder weniger das gleiche Desaster nochmal auf europäischem Boden anstrebt.

Mit der sprichwörtlichen „Hand am Arm" kämpfen derweil die wahren Tierschützer um das Überleben der Delfine dieser Erde, während er es sich mit Beinfreiheit seines Notausgang-Sitzes und Smartphone gemütlich macht und einem Boardmagazin blättert.

„Thank you Ingrid Newkirk. You made my day, girl!", kommentiert er. Das sagt schon alles aus: Man rettet Ric O'Barry den Tag, wenn man 45.000 für eine Werbeanzeige statt für Delfine ausgibt. Wer solche „Freunde" hat, braucht schon gar keine Feinde mehr - aber die haben Delfine in der Wildbahn ja trotzdem noch genug.

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