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Annessa und die Reiseveranstalter

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DOLPHIN
Darren Greenwood / Design Pics via Getty Images
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Anmerkung der Redaktion:
PETA Deutschland hat sich zu diesem Beitrag geäußert, die Replik findet ihr hier.

Gegen Ende des Jahres werden Spendenaktionen traditionell forciert. Es beginnt ein Gerangel um Spenden von ganz verschiedenen NGOs. Auch Tierrechtler wollen etwas vom Spendenkuchen abbekommen, um zum Beispiel ihre Anti-Zoo- und Anti-Delfinarien-Kampagnen zu finanzieren. Ein erster Schritt bei der Kampagnen-Gestaltung ist dabei, einen Aufhänger zu formulieren. Hier gehe ich auf zwei Beispiele und ihren Mechanismus ein.

Annessa - der angeblich ausgewilderte Delfin

Auf dem veganblog, einer Webseite der Tierrechtler-Organisation PETA, postet eine gewisse Tanja eine Darstellung der Geschichte des Delfins Annessa: Die Autorin behauptete, dass man in manchen Fällen sogar Delfine, die in Menschenobhut geboren worden sind, auswildern könne. Das ist falsch, denn es gibt keinen erfolgreichen, wissenschaftlich dokumentierten Fall solcher Art. Als Beweis für diese These ohne jeden wissenschaftlichen Beleg führt sie nun eine Geschichte an, die wie ein Weihnachtsmärchen anmutet.

Der in Menschenobhut geborene Delfin Annessa war bei dem Wirbelsturm Matthew im Alter von 11 Jahren aus dem Dolphin Research Centre (Florida, USA) aus dem Gehege gelangt. Soweit die Fakten. Jetzt die Dichtung: Annessa habe dies überlebt und sich angeblich einer Gruppe Delfine angeschlossen. Angeblich wäre sie heute 36 Jahre alt und würde immer wieder gesehen. Diese These unterstützten die Delfinariengegner Ric O'Barry und Ken Balcomb und dieser Unfall wird von ihnen als „erfolgreiche Freilassung" bezeichnet.

Die Autorin „Tanja" ist wahrscheinlich die PETA-Aktivistin Tanja Breining, die nicht zum ersten Mal mit defizitärer Darstellung von Realität auffallen würde und bereits für Ihre laienhafte Stellungnahme zur Delfinhaltung beim Landtag NRW kritisiert wurde.

Die Wahrheit holte das "Märchen" recht schnell ein: Wie es tatsächlich war, erklärte nämlich bald Dolphin Research Center Mitbegründer und Chief Operating Officer Mandy Rodriguez über Facebook:

Annessa war also genau einmal fotografiert worden und das kurz nach ihrem Verschwinden aus der Anlage. Weder gibt es irgendeinen bestätigten Beweis, dass sie noch lebt, geschweige denn dass sie andauernd gesehen würde. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie überlebt und sich einer Delfingruppe angeschlossen hat. Was PETA und O'Barry hier veröffentlichen und ist einfach unbewiesen und faktisch nicht haltbar.

Sinn und Zweck dieses nun widerlegten Berichtes war eine Unterschriftensammlung gegen den Loro Parque und für die Auswilderung des Orcas Morgan. Alle Unterzeichner würden hier, so sind sich alle seriösen Experten einig, das Todesurteil des Tieres unterzeichnen. Allerdings hat diese Petition, nicht zuletzt deshalb, ohnehin keine Chance auf Erfolg. Sinn solcher Petitionen ist ganz offenkundig die Datensammlung, um ein Netzwerk aus Unterstützern aufzubauen, die dann als mutmaßliche Spender in Betracht gezogen werden.

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Morgan lebt gesund und artgemäß im Loro Parque © Philipp J. Kroiß

Beide Delfine offenbar für ein Überleben in der Wildbahn nicht gewappnet

In einem vorangegangenen Blog-Eintrag zitierte ich bereits diesen Post von Linda Erb vom Dolphin Research Centre, in dem sie die verantwortungslosen und fuer die Tiere verhaengnisvollen Auswilderungversuche von Ric O´Barry kommentiert. Hier nun der originale Beitrag:

Neben Buck, der vom Dolphin Research Centre gerettet werden konnte, war auch noch Luther mit von der Partie gewesen. Er wurde einen Tag nach seiner „Auswilderung" dabei beobachtet, wie er Jet-Skiern folgte. Eine Entwöhnung vom Menschen hatte also trotz des angeblichen „Trainings" von O'Barry nicht stattgefunden.

Es wurde von den Behörden eine Rettung der Tiere arrangiert, da beide Delfine offenbar für ein Überleben in der Wildbahn nicht gewappnet waren. Luther wurde dann in die Haltung in San Diego zurückgebracht, wo er bis 2007 lebte.

Buck blieb verschollen und wurde erst zwei Wochen später völlig entkräftet wieder aufgefunden. Es wurde entschieden, dass er im Dolphin Reserach Centre bleiben sollte - er hatte ein Drittel seines Körpergewichts verloren. Zwar konnte das Dolphin Reserach Centre sein Leben erstmal retten, allerdings war der Schaden, den Buck durch die verantwortungslose „Auswilderung" durch O'Barry genommen hatte, so bleibend, dass er sich nie völlig erholte. Er verstarb im Juni 1999.

Rechtzeitig hatten die Behörden zuvor Molly und Jake, zwei Delfine, die ebenfalls im Programm O´ Barrys zur „Auswilderung" waren, beschlagnahmen und so retten können. Molly kam direkt ins Dolphin Research Centre und lebt dort bis heute ein artgemäßes Leben.

O'Barry behauptet selbst, freilich ohne unabhängig bestätigte Angaben zu machen, „eine Menge" Delfine ausgewildert zu haben. Belegt von unabhängiger Quelle ist tatsächlich eben allein diese unverantwortliche „Auswilderung", die hier beschrieben wird und die für O'Barry auch juristische Konsequenzen hatte:

"In 1999, civil penalties in the amount of $59,500 were assessed for the release of two dolphins from captivity. The dolphins were not prepared to survive in the wild and sustained life-threatening injuries as a result of their release. An administrative law judge found that the release of two dolphins without providing them with the necessary skills for survival resulted in harassment and injury to them, and therefore, constituted a violation of the MMPA." - 1999 NOAA LEXIS 1

O'Barry sieht die Geschehnisse rund um die Sugarloaf Dolphins und deren illegale „Auswilderung" als eine Art Verschwörung gegen sich an, wie er mal in einem Interview zu Protokoll gab.

Er hegt seitdem offenbar einen Groll gegen alle, die damals die Tiere aus seinen Klauen befreiten. So ist es nicht verwunderlich, dass er nun gegen das Dolphin Research Centre desinformiert. Aber der passionierte Delfinariengegner hört bei dem DRC nicht auf.

2015-11-17-1447753158-4344534-ZDelfinimLoroParquehp.JPGLeben unter artgemäßen Bedingungen: Die Tiere im Loro Parque © Philipp J. Kroiß

Reiseveranstalter sollen mit Desinformationen überzeugt werden

Nun ist dieser Ric O'Barry nicht nur eine auch ideologisch willkommene Unterstützung für die Tierrechtler von PETA, sondern er hat auch noch eine eigene Spendenkasse, die gefüllt werden soll. Dafür hat er sich nun eine Aktion ausgedacht, bei der er Reiseveranstalter vor seinen Karren spannen will.

Die Veranstalter will er nun mit einem Shitstorm überziehen, um Delfinarien aus dem Angebot zu bekommen. Das populistisch negativ dargestellte „Vorzeige"-Delfinarium ist hier der Loro Parque. Dabei handelt es sich um den laut TripAdvisor besten Zoo Europas mit über 1.000.000 Besuchern im Jahr, der von den Zooverbänden nach strengen Richtlinien für das Wohlergehen der Tiere akkreditiert ist. Ganz klar erhofft man sich so Publicity, indem man eine der renommiertesten Anlagen attackiert.

Allerdings besteht hier keine Chance etwas zu erreichen. Warum? Nicht nur die Zooverbände haben den Loro Parque akkreditiert, sondern er wird natürlich auch von den zuständigen Behörden regelmäßig überprüft.

Die höchste spanische Instanz in dieser Sache, SEPRONA, hat jüngst erst die Orcahaltung eingehend überprüft und keinerlei Fehler entdecken können. Dies geschah übrigens aufgrund einer Anzeige von Delfinariengegnern, die damit scheiterte. Bisher konnte nämlich kein Gegner dem Loro Parque Verstöße gegen das Tierwohl nachweisen. Es ist gewiss davon auszugehen, dass nurReiseveranstalter, die ihre Entscheidung nicht auf Basis von Fakten treffen würden, so einem Shitstorm folgen würden.

Man darf allerdings auch bezweifeln, ob dieser Shitstorm überhaupt auf Erfolg ausgelegt ist. Vielmehr sieht es so aus, als würde er vom Zaun gebrochen, um zu scheitern, das dann eine Legitimation bietet, um im Rahmen von neuen Aktionen im nächsten Jahr gutgläubige Tierfreunde um Spenden zu bitten.

Solch ein „kontrolliertes Scheitern" ist in der Kampagnenführung unseriöser Organisationen ein wirksames Mittel, um Spendenmotivation zu schaffen. Man gibt halt vor, man benötige mehr Mittel, um im nächsten Jahr erfolgreicher sein zu können...

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Wieviel kommt bei Tieren an?

In einem Interview mit Huffington Post gab PETA zu, dass nur 10% an von Peter Ullmann so bezeichneten „karitativen Tierschutz" gehen. Dazu gehört anscheinend unter anderem das Kill-Tierheim in Virginia über das auf Huffington Post auch schon im gleichen Jahr berichtet wurde. Bei einem Test von Stiftung Warentest kam PETA auch alles andere als gut weg.

Von 10 Euro gehen also rund 9 Euro für Tierrechts-Kampagnen und anderes drauf. Diese Aktionen visieren vor allem Ideologietransfer an.

Bei O'Barry gibt es zwar Möglichkeiten zum Spenden, aber kein finanical statement wie PETA das auf seiner Seite (zwar versteckt, aber immerhin) hochgeladen hat. Wohin die Spenden gehen? Keine Ahnung!!! Transparenz sollte allerdings Grundvoraussetzung sein bei glaubwürdigen Spendenorganisationen. Wer spendet schon blauäugig ohne zu wissen, wofür das Geld verwendet wird?

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