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PETA antwortet auf meinen Blog-Beitrag

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In diesem Blog-Beitrag möchte ich auf die Antwort von PETA auf meinen vorangegangenen Artikel antworten. Auf dem von PETA betriebenen veganblog schrieb eine gewisse „Tanja" einen Artikel.

Ordentliche Diskussion freut mich sehr, aber den herablassenden Ton, hätte sich die Autorin, vermutlich PETA-Aktivistin Tanja Breining, sparen können, zumal sie nichts brachte, was meine Ausführungen auf Huffington Post und die des darin inkludierten Statements des Dolphin Research Centres widerlegt hätte. Da ein anderer Eindruck von der PETA-Mitarbeiterin erweckt wird, ist es aber sinnvoll und nötig, dazu Stellung zu nehmen.

Freilich kann ich gut verstehen und nachvollziehen, dass „Tanja" als Mitarbeiterin von PETA schon auf Basis der Agenda ihres Arbeitgebers so antworten musste wie sie es tat. Ich bin froh, dass ich hier als vollkommen unabhängiger und freier Autor auf Huffington Post schreiben kann - eine Möglichkeit für die ich mich an dieser Stelle auch öffentlich gerne bedanke.

Wird Annessa die Freiheit abgesprochen?
Das Dolphin Research Centre hat dargelegt, dass das Tier bei einem Wirbelsturm aus der Menschenobhut gelangte. Danach wurde Annessa einmal gesehen, in einem sehr schlechten Zustand, danach nicht mehr. Dass danach der Tod einsetzte ist leider als gesichert anzusehen.

„O'Barry and others have no evidence to support their claim that Annessa was alive and seen "all the time" when she disappeared after a storm many years ago. [...] There was a single instance of a photo of her that we were able to confirm soon after the storm, but that was all. It's important to note that in that single photograph we saw, it was clear that Annessa had already lost a considerable amount of weight and was not sustaining herself in the wild. Unfortunately, Annessa was never seen again and there is no evidence to suggest that she survived long term." - Mandy Rodriguez, Dolphin Research Centre

Die PETA-Mitarbeiterin erwähnt, dass Annessa auch noch auf dem Marine Mammal Inventory Report (MMIR) gelistet sei, was stimmt und nie bestritten wurde. Allerdings sagt der darin verwendete Terminus „released" nur aus, dass sie in die Wildbahn gelang. Das belegt weder Sichtungen, noch Gelingen, noch sonst irgendwas, was die Argumentation der PETA-Mitarbeiterin unterstützt.

Für Menschen, die sich mit dem MMIR nur oberflächlich beschäftigt haben, mag es sich nach Auswilderung anhören. Allerdings wird der Terminus „released" (Abkürzung im MMIR: R) für jede Form des aus der Haltung Gelangens wie im Fall Annessas benutzt. Hierbei handelt es sich um einen accidental release, wenn man es ausführlicher fassen würde.

Es gibt also nach wie vor keine unabhängige Behörde oder ähnliche Instanzen, die jemals eine bestätigte Sichtung von Annessa nachweisen konnten. Der Mythos ihres Weiterlebens besteht nur aufgrund von Desinformationen aus der Delfinariengegnerszene, erklärte das Dolphin Research Centre in diesem Statment:

DRC mit kommerziellen Interessen?

Als Motivation des Dolphin Research Centres für das Statement, behauptet die PETA-Mitarbeiterin: „Da ist es kommerziell viel erfolgsversprechender, das Märchen vom glücklichen Delfin im Betonbecken zu erzählen." An dieser Stelle muss man sich fragen, ob die PETA-Mitarbeiterin das Dolphin Research Centre kennt.

Das Zentrum ist aktuell ein 8400m² großes Areal, das durch so genannte bay pens geprägt ist. Das sind eingezäunte Bereiche einer Bucht; eine solche Haltung ist an dieser Stelle gut möglich. Die Tiere leben also nicht in irgendwelchen Betonbecken ... warum sollte man diese Haltungsform in Betonbecken also aus kommerziellen Gründen vierteiligen wollen? Wer das DRC besucht, sieht Delfine in eingezäunten Meeresgehegen.

Dieser schein-investigative Angriff gegen das Delfinforschungszentrum, ging also ordentlich nach hinten los. Die Verschwörungstheorie scheitert an der Realität.

2015-11-17-1447753158-4344534-ZDelfinimLoroParquehp.JPGLeben unter artgemäßen Bedingungen: Die Großen Tümmler in modernen, wissenschaftlich geführten Zoos © Philipp J. Kroiß

Wenn es persönlich wird ...

„Herr Kroiß gehört zu einer abnehmenden Zahl an Zuhörern, denn glücklicherweise lehnen immer mehr Menschen Delfinzoos ab." Das mag sich die PETA-Mitarbeiterin wünschen und verbreitet dies im Rahmen der Ideologie ihres Arbeitgebers natürlich, aber es stimmt nicht.

Dass es nicht stimmt, wüsste die PETA-Mitarbeiterin auch, wenn sie meine Artikel gelesen hätte. Oft habe ich darin hatte ich die Abstimmungsergebnisse nach der Orca-Show im Loro Parque erwähnt. Aber natürlich gibt es noch mehr: Der Tiergarten Nürnberg verzeichnete einen Besucherzuwachs und auch in Duisburg ist eine hervorragende Zustimmung zu verzeichnen.

Dort konnte ich mich mehrfach selbst von vollen Rängen überzeugen konnte. Besonders in Duisburg gehen viele Delfinfreunde ins Delfinarium und engagieren sich auch für die Delfine. So zeigen während einer Demonstration von Delfinariengegnern mehr Menschen pro Delfinarium Flagge als dagegen und bei einer Demonstration radikaler Delfinariengegner im Becken des Delfinariums, zeigten die vielen Zuschauer den im Nachhinein stark kritisierten Demonstranten den Rücken.

Bei steigenden Besucherzahlen und Aktionen pro Delfinarium, braucht es schon viel Fantasie, um von einer Abnahme der Zustimmung für Zoos mit Delfinen zu sprechen.

Lügen des DRC?

„Das Dolphin Research Center (DRC) verbreitet immer wieder Lügen, das ist nichts Neues, so auch in diesem Fall, wenn sie leugnen, dass Annessa gesichtet wurde", schreibt die PETA-Mitarbeiterin, in der Hoffnung dadurch, die verlorene Position noch zu retten.

Rufen wir uns nochmal das Statement des DRC in Erinnerung, das ich oben in Englisch zitierte und nun in deutscher Übersetzung:

„Es gab einen einzigen Fotobeleg von ihr, der kurz nach dem Sturm datiert werden konnte, aber das war alles. Es ist wichtig zu erwähnen, dass in dieser einzig existierenden Fotographie klar wurde, dass Annessa bereits eine erhebliche Menge Gewicht verloren hatte und sich offenbar nicht selbst erhalten konnte." - Mandy Rodriguez, Dolphin Research Centre

Hat also jemand beim DRC geleugnet, dass sie gesichtet wurde? Nein. Man hat erklärt, dass sie einmal fotografiert wurde und das in einem sehr schlechten Zustand, der ein langfristiges Überleben nicht nahelegt. Man sieht hier, wie die PETA-Mitarbeiterin dem DRC Aussagen im Mund verdreht und dann von Lügen spricht, die es aber gar nicht gab.

Ich habe persönlich das DRC kontaktiert und hier ist ihr Statement:

"Ric O'Barry, Ken Balcomb and anyone else​ who says that Annessa was adopted by wild dolphins after Hurricane Andrew and survived have absolutely no evidence to support their claim. None of them knew Annessa and were incapable of identifying her.​ In effect, they are making up ​their claims ​because they want to fool people into believing that a dolphin born in human care can survive if released. Dolphin Research Center stands by our statement that there was one sighting of Annessa after the storm that ​we, who had known her since her birth, were able to confirm by a photograph. She was clearly emaciated and not doing well. Unfortunately, she was never seen again."

Das Dolphin Research Centre (DRC) gehört zu den von Experten hoch angesehenen Anlagen, die für ihre exzellente Pflegequalität bekannt ist und deshalb auch von Behörden konsultiert wurden, als es zum Beispiel um die Rettung der von O'Barry „ausgewilderten" Delfine ging. Vor Ort arbeiten anerkannte und renommierte Experten, die international höchste Anerkennung genießen.

Schließen möchte ich diese Antwort mit diesen Worten:

"O'Barry und andere nutzen dieses unbestätigte Gerücht [von Annessas Überleben] als einen Versuch, ihre Agenda zu unterstützen. Nicht nur setzen sie dadurch das Verbreiten falscher Informationen fort, die absolut irreführend für ihre Follower und die Allgemeinheit sind, sondern auch lässt jede Erwähnung von Annessa alte Wunden in den Herzen des DRC-Personals und Delfinfreunden, die ein geliebtes Familienmitglied verloren, aufbrechen." - Mandy Rodriguez, Dolphin Research Centre

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