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Orcakalb verendet in der Obhut von Möchtegern-Expertin

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Er wurde Bob getauft. Noch nicht mal ein Jahr alt und auf jeden Fall nicht unabhängig von der Mutter schwamm er plötzlich doch allein um her. Über 20 Tage. Warum weiß niemand.

„Rettung" in einen Swimming Pool

Schließlich erlauben die Behörden doch die Rettung des Tieres. Leider hat man die Zeit des Überlegens nicht genutzt, Experten einfliegen zu lassen, sondern nimmt das, was da ist: Das Team um Ingrid Visser. Sie ist Delfinariengegnerin, im wissenschaftlichen Bereich der Meeresbiologie eine Außenseiterin und nicht akzeptiert oder renommiert und hat vorher noch nie für einen Orca gesorgt, geschweige denn an einer Rettung teilgenommen.

Die Rettungsaktion wurde zu einer Abfolge von Fehlern, die erfahrene Retter nicht gemacht hätten. Das ausgehungerte Tier kam in einen Swimming Pool, den man in Ufernähe aufgestellt hatte. Ohne funktionierendes Filtersystem verschmutzte er schnell.

Die dadurch schlechten hygienischen Bedingungen wurden dazu noch dadurch verschlimmert, dass nicht nur viele Teammitglieder Vissers und sie selbst im Pool waren, sondern auch projektfremde Leute nah ans Becken kamen; zur medialen Ausschlachtung ihrer „Rettung", standen nämlich unter anderem Journalisten zu Hauf direkt am Becken.

Die Behandlung des Tieres treibt jedem, der weiß wie professionelles Management eines geretteten Tieres auszusehen hat, Tränen der Wut in die Augen. Das Tier wurde behandelt wie ein Haustier. Angetatscht, getätschelt, gestreichelt - kurz um: Man gab sein Bestes um dieses Tier an die Menschenhand zu gewöhnen.

Weiterhin wurde auf diese Weise nicht vermieden, das Tier mit vielen Krankheitserregern in Kontakt zu bringen. Also genau das, was man nicht tun sollte, denn ein Prozedere zur wirkungsvollen Entwöhnung vom Menschen für Orcas wurde bisher noch nicht gefunden. Vor dem Hintergrund wirken die Beteuerungen nach Wiederauswilderung wie blanker Hohn.

Wahrscheinlich aufgrund der inakzeptablen hygienischen Bedingungen, der amateurhaften Behandlung von Vissers Team und seiner Schwäche resultierend aus der mehr als zwanzigtägigen Tortur, die dem Ganzen vorangegangen war, starb Bob schließlich in schlechter Haltung.

Wie wirkliche Experten Wale retten

Es gibt echte Experten auf der Welt, die schon bewiesen haben, dass sie es besser und erfolgreicher können. Etwa die Rettungsstation in Harderwijk dürfte für die deutschsprachige Leserschaft dieses Artikels die bekannteste Station sein, in der schon oft Tiere erfolgreich gerettet und ausgewildert wurden.

Gerade im Bereich von Schweinswalen geschieht da enorm viel Gutes - sie kennen sich aber auch mit anderen Meeressäugern gut aus. Ebenfalls bekannt sein dürfte das SeaWorld Rescue Team, das ebenfalls unter anderem verschiedenste Wale rettet. Beide Teams arbeiten dabei eng mit den Behörden zusammen und werden entsprechend kontrolliert.

Die endgültige Entscheidung über Auswilderung oder nicht, liegt allerdings komplett bei Behörden.

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Gelungene Rettung: Morgan lebt gesund und artgemäß im Loro Parque © Philipp J. Kroiß

Hygiene ist eines der obersten Gebote dieser professionellen Walretter. Da kommt kein Tier in ein Becken ohne Filteranlage und wird in die Nähe von zu vielen Menschen gelassen.

Ein gerettetes Tier kommt strengstens unter Quarantäne und die wenigen Menschen, die überhaupt mit ihnen interagieren, tragen zumeist Mundschutz und Handschuhe - gerade in der kritischen Anfangszeit. Darüber hinaus wird der Kontakt zum Menschen auf das unvermeidbare Minimum reduziert.

Man merkt daran: Visser hat einfach alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Das kommt davon wenn Möchtegern-Experten sich selbst überschätzen. Schade nur, dass Bob mit seinem Leben für diese enorme Hybris bezahlen musste.

Visser kritisiert Profis

Es heißt ja, dass wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen soll. Mit Steinen wirft sie aber schon lange - gegen die professionellen Orca-Retter. Was kritisiert sie doch immer Harderwijk dafür, Morgan gerettet zu haben - also ein geschwächtes Orcakalb, das keine Überlebenschance in der Wildbahn hatte, ein neues Leben geschenkt zu haben.

Im Gegensatz zu ihrem Projekt, war diese Rettung aber erfolgreich. Das ist eben der Unterschied, zwischen solchen die Experten sind und solchen, die es nur vorgeben zu sein.

Es ist kein Geheimnis, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft sie verstieß, als sie anfing, Unwahrheiten über Orcas, ihre Rettung und ihre Haltung, in der selbstgefälligen Überschätzung, sie könne es ja selbst so viel besser, zu verbreiten. Noch immer betreibt sie ihre „Free Morgan Foundation" und agiert gegen den Harderwijk und den Loro Parque; Visser will das Tier für sich.

Genau darin liegt der Kern, der gesamten Personalie Visser: Orcahaltung ist nur falsch, wenn sie es nicht selbst tut. Sie will für sich und mit Delfinariengegner-Freunden ein Delfinarium mit Bay/Sea Pens aufbauen, das sie beschönigend „sanctuary" nennt: ihr eigenes kleines SeaWorld.

Orcas sind für sie wie Kuscheltiere, die nur sie haben darf.

So genießt sie auch die Gesetzeslücke in Neuseeland, die es Touristen verbietet mit Meeressäugern zu interagieren, treibt es dabei aber selber unter dem Deckmantel ihrer Wissenschaft bis zum Exzess und gewöhnt so wilde Orcas an Boote, was seriöse Wissenschaftler gerade verhindern wollen.

Schon lange beobachten Wissenschaftler und Experten sie kritisch, da sie sich als eine der ihren bezeichnet. Besserwisserisch zieht sie über Delfinarien her, obgleich sie keinerlei Erfahrung in der Haltung von Orcas hat, viel Falsches darüber bereits gesagt hat und deshalb nie in einer renommierten Einrichtung würde arbeiten können.

Nun hat sie und ihr Team die Realität eingeholt. Frei von jeder Kompetenz hat sie durch ihre Selbstüberschätzung das Leben des Orcababys aufs Spiel gesetzt um sich profilieren zu können, statt, wie es richtig gewesen wäre, Experten dieses Tier zu überlassen.

Todesursache wird nie geklärt werden

Wie praktisch doch für Visser, dass das Tier einer Nekropsie entzogen werden konnte. Statt in wissenschaftliche Untersuchungen, wurde es den Maori übergeben. Die waren auch von Anfang an eng mit dabei. Sie sorgten nun dafür, dass das Kalb bemerkenswert schnell nach seinem Tod verschwand.

Am wahrscheinlichsten, fragt man Veterinärmediziner in dieser Sache, ist eine Sepsis, bedingt durch eine Infektion, als Todesursache, die durch die amateurhafte Behandlung des Tieres entweder erst ausgelöst oder zumindest verstärkt wurde. Das zeigt mal wieder wie wichtig es ist, echte Experten von falschen Experten zu unterscheiden.

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