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Martin Schulz kritisiert Lob für radikale Delfinariengegner

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DELPHIN
Michal Kodym via Getty Images
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Da steht er also vor einem Verkehrszeichen, das einen Parkplatz der KZ-Gedenkstätte Dachau ausschildert. Langer Mantel, dunkle Sonnenbrille und die übliche Mütze. In seinen Händen das Schild: „Für Tiere ist jeden Tag DACHAU". Dazu hält er auch ein weiteres Schild in einer Hand mit der Aufforderung, man solle doch vegetarisch werden. Das ist das Bild von Stefan Bernard Eck, das vielen bekannt ist.

Holocaustvergleich & Tierrechtler
Das Konzentrationslager war ein Ort des von den Nazis verbreiteten Terrors. Heute ist es ein Ort des Gedenkens und der Trauer aufgrund diesem unsäglichem Unrecht und des verursachten schrecklichen Leids. Das dort geschehene gilt als unrelativierbar, schier unbeschreiblich an Abscheulichkeit und Menschenverachtung. Deshalb wurde Ecks Aktion stark kritisiert - unter anderem wurde er als "Holocaustrelativierer" (Zitat von Ingo Stützle, Diplom-Politologe und Autor) bezeichnet.

In radikalen Tierrechler-Kreisen sind Holocaustvergleiche tatsächlich in Mode. Der Vorsitzende von PETA Deutschland, Harald Ullmann, etwa erklärte bei einer Diskussionsveranstaltung: „Die Opfer sind ausgetauscht worden. Früher waren es die Juden, fahrendes Volk, und heute sind es Tiere." Für PETA gab es 2005 sogar eine Verurteilung wegen eines anderen Holocautsvergleiches Vergleichs.

Das ist inzwischen länger her, aber wichtig, um das Bild des inzwischen parteilosen Politikers zu verstehen. Etwa seit 1999 engagiert er sich öffentlich als Tierrechtler. Zuerst war Eck Leiter der Arbeitsgruppe Tierrechte des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte. Dann Leiter des Arbeitskreises Tierrechte und Ethik (A.K.T.E.), der 2010 als Arbeitskreis in die so genannte Tierschutzpartei (i.e. Partei Mensch Umwelt Tierschutz) eingegliedert wurde. 2006, das Jahr des Protestes von Dachau, wurde er außerdem Sprecher der Allianz für Tierrechte und trat in die Tierschutzpartei ein. Nach dem Wegfall jeglicher Sperrklauseln für Europawahlen, wurde es auch kleinen Parteien möglich, ins Europaparlament einzuziehen. So auch eben dieser Partei. Ende 2014 gibt Eck dann seinen Austritt aus der Partei bekannt und acht weitere Personen folgen ihm. Seine Mitgliedschaft in Europäischen Parlament wollte er allerdings behalten. Seitdem ist er parteiloses Mitglied des Parlaments.

Der Tierrechtler empfängt anscheinend auch hin und wieder andere Tierrechtler unter denen auch Delfinariengegner sind - so war auch die radikale Delfinariengegnerin Ingrid Visser, in deren Obhut jüngst ein amateurhaft gerettetes und versorgtes Orcakalb verstarb, bei ihm. Warum Delfinariengegner-Lobbyisten auf ihn setzten, ist aufgrund seiner parlamentarischen Situation und Zukunft nicht ganz nachvollziehbar, aber Delfinariengegner findet auch er ja offenbar ganz gut und nimmt sich für sie Zeit. Jüngst kam Eck zu einer Konferenz bezüglich des Grindwalfangs auf den Färöer Inseln, zu dem MdEP Marco Affronte (Mitglied der MEPs for Wildlife, M5S) eingeladen hatte, verspätet. Er war aber dennoch nicht verlegen, die Nichteinladung von Delfinariengegnern, mit denen er sympathisiert, in dieser Frage zu monieren.

„Ökoterrorismus" im Duisburger Delfinarium
Die Vegan Strike Group besteht aus radikalen Tierrechtlern. Sie hat in mehreren Aktionen das Leben von mehreren Delfinen, auch Jungtieren, aufs Spiel gesetzt. In Deutschland bekamen sie Aufmerksamkeit durch eine Aktion im Zoo Duisburg.

Diese Aktion fand Herr Eck offenbar ganz gut und machte dies auch öffentlich. Dass er dadurch eine Straftat bejubelte, schien ihm egal zu sein. Meeresakrobaten bereitete den Vorfall sehr gut auf.
Im Artikel enthalten ist auch eine klare Stellungnahme des wichtigsten deutschen Zooverbandes, den ich auch hier erwähnen möchte.

Dr. Julia Kögler, Stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) erklärte: „Wir sind empört, dass ein Mitglied des Europäischen Parlamentes den Vorfall in Duisburg öffentlich gutheißt. Besonders erschreckend ist, dass Herr Eck, vormals Vorsitzender der Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz, nicht erkannt hat, dass die sogenannten Tierschützer mit dieser unverantwortlichen Aktion das Wohlergehen der Großen Tümmler im Delfinarium Duisburg massiv gefährdet haben. Dies gilt insbesondere, da sich zu dem Zeitpunkt auch ein acht Monate altes Jungtier im Becken befand."

Kritik des Präsidenten des Europäischen Parlaments
Mich hat interessiert, wie der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, dieses Verhalten sieht bzw. den Kommentar einschätzt, den Eck immerhin als Mitglied dieses Parlaments, dem Martin Schulz als Präsident vorsteht, unterzeichnete. Er antwortete mir und ich bekam die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Martin Schulz wies, nach einem Dank für die Mail, sowohl auf den Artikel 11 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments hin und seine eigene Bitte gegenüber der Mitglieder des Parlaments, sich zwar eine Meinung zu bilden, aber sie so zu äußern ohne „die Würde und den Ruf des Europäischen Parlaments" zu schädigen.

Er führt weiter aus: „Ich persönlich kritisiere und bedauere Herrn Ecks Kommentare, in denen er entsprechende Aktionen begrüßte bzw. sogar dazu aufforderte." Zudem brachte er sein Vertrauen zum Ausdruck, dass die durch den Ort der Äußerung zuständigen deutschen Stellen „im Einklang mit den geltenden innerstaatlichen Rechtsvorschriften die geeigneten Maßnahmen treffen".
Man wird sehen, ob diese deutschen Stellen es schaffen oder solchen Facebook-Kommentaren, wie leider auch in vielen anderen Fällen, ohnmächtig gegenüberstehen.

Nichtdestotrotz ist die Haltung des Parlamentspräsidenten lobenswert, da er sich ganz klar gegen solcherlei unterstützende Worte für solche Aktionen ausspricht und diese kritisiert. Ecks Glaubwürdigkeit, dass es ihm in seinem Handel um das Wohl der Tiere ginge, hat durch seine lobenden Äußerungen bezüglich dieser nicht legalen Aktion, die das Leben der Tiere in Gefahr brachte, wohl kräftig gelitten.

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