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Im Tierschutz-Geschäft, „... weil wir Geld lieben"

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LION
Miguel Sanz via Getty Images
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Kellie Hackman, zum Zeitpunkt der Rede ausführende Direktorin der Global Federation of Animal Sanctuaries (GFAS) sorgte für ein Zitat, das so entlarvend ist, wie kaum ein anderes. Es wirft ein Schlaglicht auf die unseriöse Gruppe unter den Tierschützer ... obwohl: obgleich sie sich so bezeichnen, sind Kellie Hackman und die GFAS eher im Bereich der Tierrechtsszene aktiv.

Wer ist die GFAS?

Die GFAS ist eine Art Sammelbecken von so genannten „Sanctuaries"; von der GFAS akkreditierte Sanctuaries nehmen für sich in Anspruch die Tiere nicht in kommerziellen Aktivitäten zu inkludieren, aber sie auch nicht zu züchten, was in vielen Fällen an Tierquälerei grenzt oder bereits über die Grenze hinausragt.

Es handelt sich nicht wirklich um „Sanctuaries" im echten Wortsinn, sondern eher um Abstell-Einrichtungen für „gerettete" Tiere, die meist vom Regen in die Traufe kommen. Allenfalls wird eine geringfügige Verbesserung für die Tiere erreicht, wobei sie dafür aber schon aus völlig indiskutablen Umständen kommen müssen.

Für viele Tiere bedeutet die Unterbringung in solchen „Sanctuaries" ein völlig unnatürliches Leben, bei dem sie entweder in unnatürlichen Gruppenkonstellationen leben und/oder ständig unter Medikamenten gesetzt werden, die sie an einem Grundbedürfnis hindern: sich fortzupflanzen - völlig anders als in einem modernen Zoo.

Die radikale Tierrechtsorganisation PETA empfiehlt die GFAS.

Personell ist die GFAS direkt mit der Born Free Foundation (bzw. deren US-Amerikanischer Niederlassung) und der Humane Society of the United States (HSUS) verbunden, weil hohe Funktionäre der Organisationen auch in der GFAS hohe Positionen bekleiden. So ist es auch kein Wunder, dass auch die HSUS die GFAS bewerbend erwähnt. Man befindet sich also vollkommen im Epizentrum der Tierrechtsszene.

Wenig überraschend ist es da, dass auch das Born Free USA Primate Sanctuary akkreditiert wurde. Ebenfalls akkreditiert wurde zum Beispiel das Lilongwe Wildlife Centre, das mit der Born Free Foundation zusammenarbeitet und eines von vielen akkreditierten Mitglieder der Pan African Sanctuary Alliance (PASA) ist.

Das Zentrum ist 365 Tage von 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Es gibt Führungen, Wanderungen, ein Restaurant, eine Bar, ein Geschenkeshop - wirklich unkommerziell klingt das nicht gerade.

Aber wenn man auf diesen Marketing-Gag, das „Sanctuary" als "Freiheit" zu verkaufen, an der Bar von Lilongwe mit einem kühlen Getränk anstößt, merkt es kaum einer und da kann man in Europa und Amerika ganz bequem gegen Zoos sein, die an 365 Tagen von 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet haben, Führungen anbieten, ein Restaurant, eine Bar und ein Geschenkshop haben ...

Kellie Heckman selbst war Mitarbeiterin von PETA. Sie war Teil des „Corporate Affairs Department" der radikalen Tierrechtsorganisation und machte entsprechend "Karriere" im „Non-Profit-Business", wie sie es selbst nennt. Was diese Industrie angeht, hat sie also besten Einblick.

„... weil wir Geld lieben"

Das ganze Zitat von Kiellie Heckman lautet: „You know, most of us came into the animal welfare business, you know, for one reason: It's because we love money." Direkte Übersetzung: "Wissen Sie, die meisten von uns kamen ins Tierschutz-Geschäft, wissen Sie, aus einem Grund: Es ist weil wir Geld lieben."

Sie sagt dies als geladene Rednerin auf dem USDA/APHIS "Lions, Tigers and Bears Symposium" im Jahre 2014. USDA ist das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten von Amerika und APHIS die Unterabteilung, die sich mit der Gesundheitsinspektion von Tieren und Pflanzen beschäftigt.

Später wurde vom Ministerium dieser Teil mit dem Geld zensiert und es brauchte zwei „Freedom of Information Act"-Anfragen, dass die ungeschnittene Fassung veröffentlicht werden konnte. Das wirft ein sehr zweifelhaftes Licht auf die Regierungsorganisation.

Video wirft ein Schlagschlicht auf eine Industrie

Es gibt viele gute Akteure im Bereich des Tierschutzes: Zoos und Aquarien sind zum Beispiel hier aktiv, indem sie Schimpansen nach schlechter Haltung ein neues, artgemäßes und naturnahes Zuhause geben oder indem sie Schildkröten retten, rehabilitieren und wieder auswildern.

Es gibt so viele tolle Aktionen, die ähnlich sind und über die ich auch schon häufig auf verschiedenen Plattformen lesen und berichten konnte. Auch gibt es Tierheime und Auffangstationen, die für das Überleben jedes einzelnen Tieres kämpfen bis es nicht mehr tierverträglich geht.

Dahinter stehen leidenschaftliche Menschen, die sich dem Tierschutz verschrieben haben - nicht, weil sie reich werden wollen, sondern weil ihnen Tierschutz am Herzen liegt. Für sie ist es meistens ein Verlustgeschäft - eine Papageienart zu retten, Wisente wieder auszuwildern oder Roadkill zu verringern, sorgt für keinen Cent mehr in der Tasche, aber kostete einen richtigen Batzen Geld.

Es gibt aber auch Organisationen, die sparen sich diesen Batzen Geld: Sie sind schwarze Schafe im Bereich des Tierschutzes, die diesen nämlich zum Geschäftsmodell erheben und sich auch persönlich daran bereichern.

Dazu kommt, dass viele Tierrechtler ausnutzen, dass Menschen den Unterschied zum Tierschutz nicht kennen und so auf sie hereinfallen.

Solche unseriösen Tierschützer bzw. Tierrechtler sind Teil einer Industrie, die ordentlich Gewinn abwirft; Kellie Heckman weiß auch offenbar, wovon sie redet, war sie doch bei PETA angestellt und ist mit den bekanntesten Tierrechtsorganisationen, die sich gegen jede Form der Zootierhaltung einsetzen, eng verbunden.

Die GFAS verkauft quasi „Freiheit": in die akkreditierten oder verfizierten „Sanctuaries" kommen angeblich „befreite" Tiere. Sie leben immer noch zwischen Zäunen und es wird durch die „no breeding policy" massiv in ihr Verhaltensrepertoire und ihr soziales Leben eingegriffen - teils sogar mit ernsten Folgen für die Gesundheit.

Das ist eine schlechtere Situation als in jedem modernen Zoo, die aber von den Tierrechtlern völlig zu Unrecht als „Gefangenschaft" bezeichnet werden.

Das Problem von PETA, Born Free Foundation und anderen Zoogegnern scheint zu sein, dass nicht sie die Tiere haben, sondern andere. Sie haben keine Kontrolle über die Tiere, um jede Form der Tierhaltung zu beenden. PETA erklärt selbst bzw. die Gründerin Ingrid Newkirk erklärt über die Organisation: „We do not advocate "right to life" for animals." („Wir setzen uns nicht für ein „Recht auf Leben" für Tiere ein.")

Das muss man sich vor Augen halten, wenn man diesen unseriösen Bereich des Tierschutz- bzw. die Tierrechtsorganisationen betrachtet: Hier geht es um Geld und eine Ideologie, die selbiges einbringt, nicht um das Überleben von Tieren oder gar Arten.

Also Augen auf beim Spenden, denn, um die Branchenkennerin Kellie Heckman paraphrasierend zu zitieren: „Die meisten von uns kamen ins Tierschutz-Geschäft, weil wir Geld lieben."

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