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Die Verlogenheit in Bezug auf "Megan Leavey"

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ORCA
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Anfang des Monats startete in den US-Amerikanischen Kinos der Film "Megan Leavey". Das biographische Drama ist nach seinem historischen Vorbild benannt und behandelt Fakten im Leben des Marine Corporals, die mit dem militärischen Arbeitshund Rex (E168) zusammenarbeitete. Zusammen dienten sie dem US-Militär unter anderem im Irak-Krieg.

Doppelmoral der Regisseurin
Gabriela Cowperthwaite ist die Regisseurin dieses Films. Sie bekleidete die gleiche Position beim Film „Blackfish", wo sie auch als Produzentin und Autorin auftrat. In einem Interview zu „Blackfish" sagte sie einmal zu CNN:

"My hope is that we take the 'Blackfish' momentum and use it to help evolve us out of animals for entertainment." - Gabriela Cowperthwaite im CNN-Interview, Oktober 2013
deutsch: Meine Hoffnung ist, dass wir den „Blackfish"-Impuls nehmen und nutzen und uns von Tieren im Entertainment-Bereich wegentwickeln.

In einem anderen Interview bezeichnet sie die Nutzung von Tieren im Entertainment-Bereich als „Boden des ethischen Totempfahls". Nun, ein paar Jahre später, hat sie damit keine Probleme mehr. Ein Tier im Entertainment? Beim Film über Megan Leavey völlig problemlos. Ethische Bedenken? Völlig über Bord geworfen. Die Grundüberzeugungen derer, die sie bei ‚Blackfish' so flammend unterstützen? Nun völlig egal.

Cowperthwaite wirkt wie eine Opportunistin, die zum Vorantreiben ihrer Karriere alles macht, sagt und vertritt, was ihr nützt. Ob sich die Tierrechtler nun ausgenutzt vorkommen? Grund genug dafür hätten sie, bauen Sie doch ihren SeaWorld-Hass wesentlich auf „Blackfish" auf. Nun fällt die Hauptverantwortliche dem eigenen Film voll in den Rücken.

„Blackfish" ad absurdum geführt
Mit dem Film „Blackfish" hat man eine Lüge verkauft, die nun selbst die Regisseurin, Autorin und Produzentin nicht mehr zu glauben scheint. Es ist fast realsatirisch. „Blackfish" war nichts weiter als ein Werbefilm der Tierrechtsindustrie. Man wollte großes Kino machen für Promotion - ein Lobbyisten-Streifen, der so tut, als wäre er eine Dokumentation.

„Blackfish ist nicht Dawns Geschichte", sagt die Familie von Dawn Brancheau, deren tragischer Tod bei einem Unfall mit dem Orca Tilikum quasi den Aufhänger des Films bildete. Skrupel einen traurigen Unfall zum Vorantreiben ihrer Karriere zu missbrauchen hatte Cowperthwaite also offenbar nicht. Die plumpe Aussage des Films, dass SeaWorld schlecht sei, wurde im Prinzip vollkommen einseitig belegt. Eine spätere Analyse anhand von Fakten, die jeweils nachgewiesen wurden, ergab rund 70 Desinformationen.

Die angeblichen Experten im Film hatten zum Großteil noch eine sprichwörtliche Rechnung mit SeaWorld offen. Jeff Ventre hat gegen Sicherheitsauflagen verstoßen und wurde entsprechend von SeaWorld gefeuert - nun hetzt er gegen SeaWorld und geht seinen beruflichen Weg in der Delfinariengegner-Lobby (Surprise! Surprise!). Besonders hohe Ansprüche stellte Cowperthwaite an ihre „Experten" auch nicht: Samantha Berg hat gerade mal rund ein Jahr mit Schwertwale gearbeitet.
Echte Expertise hatte hingegen Mark Simmons. Vom Film distanzierte er sich ausdrücklich und klärte über die fiesen Machenschaften von Cowperthwaite und dem Team auf.

Nachdem nun der Blackfish-Backlash gut gefruchtet hat, kommt es fast einem Todesstoß für den Film gleich, dass selbst Cowperthwaite nun komplett gegenteilig handelt.

SeaWorld angeschlagen
„Blackfish" hatte zweifelsohne eine Auswirkung auf SeaWorld. Zuerst mal nur an der Börse, während die Besucher ihnen weiterhin die Treue hielten. Selbst den ersten Fehler, dass sie nicht von Anfang an offensiv gegen Blackfish vorgingen, verziehen sie dem Unternehmen. Derweil schrieben die Medien einen „Blackfish"-Effekt herbei und behaupteten, leichtgläubig gegenüber der Werbemaschinerie der Tierrechtler, teils eine Mehrheit wäre gegen Tiere im Entertainment und Orcas in Menschenobhut. Dies war aber tatsächlich nie der Fall.

Was SeaWorld enorm schadete, waren die fatalen Entscheidungen vom CEO Joel Manby. Er wollte die Shows edukativer gestalten - komplett weg vom Entertainment, hin zur Edukation. Letztens hatte die neue Show, die nun eher als Erlebnis verkauft wird, Premiere. Das Publikum reagierte im Allgemeinen verhalten bis desinteressiert. Manch einer wünschte sich gar die Wasserarbeit zurück, ein anderer meinte, er habe zwar viel gelernt, aber es fehle an Begeisterung. Es geht eben kaum jemand in einen Zoo, um oberlehrerhaften Frontalunterricht zu sehen. Die Stärke von Zoos ist, dass sie eben ein außerschulischer Lernort sind und so souverän Entertainment nutzen könne, um Edukation so zu verpacken, dass Leute selbst in ihrer Freizeit etwas lernen wollen ohne durch Leistungsdruck dazu gezwungen werden zu müssen - übrigens die effektivste Form von Lernen.

Richtig hingerichtet wurde SeaWorld aber durch das Eingehen einer Kooperation mit der Humane Society oft he United States (HSUS) und einem daraus folgenden Zuchtstopp. Die HSUS ist eine Organisation, die man durchaus als unseriös bezeichnen könnte und quasi eine Art PETA im Nadelstreifenanzug bedeutet. Das konnten selbst die treusten Fans nicht verzeihen; das war zuviel. Die SeaWorld-Aktie, die sich bis dato schon wieder in leichten Aufschwung befunden hatte krachte ins schier Bodenlose - und zwar verdient, denn SeaWorl hatte mit dieser Entscheidung eines seiner wichtigsten Prinzipen verraten: animal welfare first.

Joel Manby kommt eigentlich aus der klassischen Freizeitpark-Branche und stellt genau den Typus dar, den man SeaWorld immer zum Vorwurf machte: ein Typ, der einen Vergnügungspark macht und eben auch zufällig noch Tiere hat. SeaWorld wurde vorgeworfen, man müsste die Tiere unter Medikamente setzen, um sie zu halten, was vorher niemals stimmte. Unter Manby änderte sich auch das: indem er einen Zuchtstopp verkündete, der Dauermedikation bedeutet. Er schaffte es binnen Monaten SeaWorld herunterzuwirtschaften und seinem USP zu berauben. Massenentlassungen wie es sie vorher, gerade für den mit der Tierhaltung betrauten Bereich nie gegeben hatte, gehörten auch zu seinen Amtshandlungen bzw. auch zu den Folgen derer. Derweil posierte er hin und wieder mit den CEO der HSUS, als seien sie alte College-Kumpels.

Für Manby wird allerdings die Luft dünner und dünner. Nachdem Blackstone glücklicherweise endlich seine Anteile verkaufte, denn wirklich gut hatten sie SeaWorld ohnehin nicht getan, übernahm Zhonghong deren Anteile. Nun bekam ein Unternehmen aus einem Land Einfluss, indem die Orcahaltung und -zucht zukünftig boomen soll, wenn es nach den dort maßgeblichen Entscheidern geht. Manbys Zuchtstopp können sie schnell rückgängig machen, außer in Kalifornien, wo es ein durch Populismus entstandenes Gesetz gibt. Allerdings sind auch solche Gesetze nicht in Stein gemeißelt und notfalls ist die Strafe, die Tiere aus dem Staat zu schaffen, lächerlich gering. Nun wurde auch noch der Chairman David D'Alessandro abgesetzt und es scheint fast so, als hätte Manbys Chefsessel nur noch zwei statt ehemals vier Beine.

Langfristig sind er und seine Entscheidungen für das Unternehmen nicht tragbar. SeaWorld wird sich nur konsolidieren können, wenn man zu alter Stärke zurückfindet: Shows, die Entertainment mit Edukation zusammenbringen, und ein funktionierendes und erfolgreiches Zuchtprogramm gemeinsam mit Arten- und Naturschutzprojekten.

Gabriela Cowperthwaite hat ja jetzt auch gezeigt: so schlimm, wie „Blackfish" mit vollmundigem Populismus behauptete, sind Tiere im Entertainment ja doch nicht.
Das wird es ja kein Problem sein, wenn Tiere im Edutainment (= Education + Entertainment) Millionen von Menschen als Botschafter für ihre Art und ihren Lebensraum in artgemäßer Haltung gezeigt werden. Dafür stand SeaWorld nämlich vor Manby: artgemäße gehaltene Tiere, die freiwillig an für sie spannendenden Shows teilnahmen und so Millionen von Menschen inspirierten und dazu wichtige Forschung zum Schutz ihrer Art ermöglichten. Wenn SeaWorld dahin zurückfindet, hat das Unternehmen eine Chance, sonst ergeht es ihnen wie Ringling Bros. Das wäre schade, denn dann verliert man einen wichtigen Tier-, Arten- und Naturschutzakteur, der eine Lücke hinterlässt, die wohl kaum jemand füllen kann.

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