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Die Löwen und der Loro Parque

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Löwen sind stark bedroht

Die Löwen (nach den Tigern die größten Raubkatzen) gehören zu den charismatischsten Tieren in Afrika. Der Löwe gilt als „König der Tiere", wobei sicherlich die durch Mark und Bein gehenden Rufe und insbesondere die imposante Mähne der ausgewachsenen männlichen Löwen zu diesem Ruf beitragen!
Aber der König der Tiere ist in grosser Gefahr! Neben Nashörnern und Elefanten gehört der Löwe zu den gefährdesten Großtieren Afrikas. Nach Angaben der IUCN halbiert sich seine Population in Afrika alle 20 Jahre (BAUER et al. 2016). Obwohl Löwen in Afrika südlich der Sahara noch auf einem grossen Gebiet von 4,5 Mio. Quadratkilometern vorkommen, sind dies nur noch 22% des früheren Verbreitungsgebietes!

Aktuelle Erhebungen gehen davon aus, dass es in Afrika nur noch etwa 22.000 Löwen gibt! Zu Beginn der 1990er Jahre waren es noch mehr als doppelt so viele, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts lebten gar noch etwa 400.000 Löwen in Afrika.

Es geht also in erschreckendem Maße mit dem König der Tiere bergab! - Die Ursache liegt auf der Hand: es ist die menschliche Bevölkerungszunahme!

Denn wo der Mensch sich ausbreitet, Siedlungen errichtet und natürlichen Lebensraum in Weideland umwandelt, wird der König der Tiere, wie auch andere Wildtiere, in die Enge getrieben! Es gibt dementsprechend auch vielerorts immer weniger Antilopen und Zebras, die Hauptbeutetiere des Löwen. Den Löwen bleibt dann oft nichts anderes übrig, als in Rinderherden einzubrechen, wenn sie nicht verhungern wollen. Dafür müssen sie oft grausam bezahlen, denn zahlreiche Löwen werden illegal erschossen oder vergiftet. Und selbst die Trophäenjagd ist auch heutzutage vielerorts noch ein Problem für die Tiere.

Deswegen machen sich Loro Parque als moderner Zoo und seine Naturschutzstiftung Loro Parque Fundación für den Erhalt des Königs der Tiere stark. Sie unterstützen, in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsinitiative FUTOURIS der deutschen Reiseanbieter, im grenzübergreifenden Großschutzgebiet KAZA, das die Länder Angola, Botswana, Namibia, Zambia und Zimbabwe im südwestlichen Afrika umfasst, Löwenschutzprojekte mit bislang mehr als 120.000 Dollar. Diese Projekte werden in Kooperation mit der Naturschutzorganisation PANTHERA und dem Projekt WildCRU der Universität Oxford durchgeführt. Mit Hilfe von Fotofallen und der Besenderung einiger Löwen mit Satelliten-Halsbändern werden die Aktionsräume der Löwen erforscht, um die dadurch gewonnenen Erkenntnisse zur Vermeidung von Mensch-Tierkonflikten in der KAZA Region zu nutzen.

2017-08-05-1501923322-4079988-lionkingdomkaza.jpgÜber 120.000$ steckte die Loro Parque Stiftung in das KAZA-Projekt. Foto:
Loro Parque

In diesem Projektgebiet lebt der Angola-Löwe, eine mit seiner imposanten blonden Mähne besonders auffällige Unterart des Afrikanischen Löwen. Nach seinem Hauptvorkommen in der Provinz Katanga in der Demokratischen Republik Kongo wird diese Löwen-Unterart auch Katanga-Löwe (Panthera leo bleyenberghi), genannt. Derzeit ist davon auszugehen, dass nur noch etwa 400 Exemplare des Angola-Löwen im südwestlichen Afrika leben! In menschlicher Obhut gab es 2016 in Europa etwa 70 Tiere dieser Unterart, die auf eine Gründerpopulation von Tieren aus Angola und Zimbabwe zurückgehen (BARNETT et al., 2006).

Loro Parque hat sich ganz gezielt für die Haltung der Angola-Löwen als Botschafter für das vorbildliche Natur- und Artenschutzprojekt KAZA, dem größten grenzübergreifenden Naturschutzgebiet unseres Planeten, entschieden. Seit Frühjahr 2017 leben hier in einem grosszügig und naturnah nach den höchsten Standards der modernen Tiergartenbiologie angelegten Gehege drei noch jugendliche Angola-Löwen aus der Nachzucht des Zoologischen Gartens Lissabon sowie des Parc des Félins in Nesles, Frankreich. In Deutschland gibt es den Angola-Löwen in den Zoos von Chemnitz, Halle und Jaderberg.

2017-08-05-1501923522-1143497-lionskingdomaussen.jpgÜbersetzt Löwenkönigreich heißt die neue Installation, die den Angola-Löwen und ihrem Schutz gewidmet ist. Foto: Loro Parque

Die Ära Attila

Auch wenn es vor der Eröffnung der neunen Anlage keine Löwen im Loro Parque gab, hat die Löwenhaltung hier dennoch eine Geschichte, die das große Engagement des Loro Parque für Tiere in Not zeigt. Leider aber zeigt dies Geschichte auch die Unredlichkeit mancher Menschen im Tierschutzbereich!

Im Loro Parque gab es einmal den mähnenlosen Löwen Attila: Man kennt mähnenlose Löwen von außergewöhnlicher Körpergröße vielleicht noch aus den Erzählungen aus Kenia rund um den britischen Oberstleutnant John Henry Patterson. Weniger gefährlich als die menschenfressenden Löwen im Tsavo-Gebiet, die er damals bezwang, aber wohl von vergleichbar beeindruckender Statur war der Kastrat „Attila", dessen sich der Loro Parque angenommen hatte. Eigentlich sollte Loro Parque nicht seine Endstation sein, wie Wolfgang Kiessling, Präsident und Gründer des Loro Parque, erklärt. Er plante, nachdem er das Tier zusammen mit anderen Löwen zu ihrer Rettung aus einer schlechten Haltung aufgenommen hatte, ihn in eine Haltung für andere gerettete Löwen zu geben und diese Chance bot sich bald.

Damals hatte im Süden ein gewisser „Loro Parque del Sur" eröffnet. „Dieser war mehr ein Platz mit Käfigen, in denen Tiere zu sehen waren", erzählt Wolfgang Kiessling. „Dort hatten sie auch Löwen und als die ausgewachsen waren, kamen sie mit der Nasenspitze an eine Kopfseite des Käfigs und mit ihrem Schwanz an die andere. Es war furchtbar!" Dem engagierten Tierschützer war klar: das konnte nicht tiergerecht sein, und man musste etwas dagegen unternehmen.
Mit dieser Einschätzung war Wolfgang Kiessling nicht allein. Auch der Zoogegner-Organisation Born Free Foundation (kurz: BFF) war dieser Ort ein Dorn im Auge. Kiessling bot der Born Free Foundation seine Kooperation an. So würde er sich sowohl bei den Behörden stark für diese Tiere machen, als auch die Löwen vorübergehend unterbringen, um sie für den Transport an ihren entgültigen Bestimmungsort vorzubereiten. Aber er bat dafür um daran eine, für die BFF gewiss leicht zu erfüllende, Gegenleistung: Er wollte, dass Attila mit den anderen geretteten Löwen nach Afrika transportiert wurde, um sie dort gemeinsam in einer Auffangstation für gerettete Löwen unterzubringen.

Alles lief erstmal wie am Schnürchen: Der angebliche Zoo im Süden Teneriffas wurde aufgelöst und die Tiere wurden im Loro Parque untergebracht. Die Born Free Foundation transportierte dann die Löwen auch tatsächlich ab - nur Attila blieb zurück. Zuerst hieß es, man wolle noch etwas warten und ihn nachholen, aber irgendwann reagierte die Born Free Foundation gar nicht mehr auf Nachfragen. Sie hatten den Loro Parque verraten und Herrn Kiesslings Gutmütigkeit und Vertrauen eiskalt ausgenutzt.
Loro Parque tolerierte dies letztlich, und ging dabei davon aus, dass zwischen der Born Free Foundation und dem Loro Parque per Gentleman's Agreement stillschweigend eine Funkstille vereinbart wurde und die Tierrechtler nun nicht mehr über den Loro Parque lästern würden. Im Gegenzug würde Loro Parque diesen üblen Betrug nicht veröffentlichen. Doch auch daran hielt sich die Born Free Foundation nicht, und deren ausgewiesene Zoogegner hetzen weiter gegen Zoos, und zwar eben nicht nur gegen die schlechten, sondern unterschiedlos auch gegen die vorbildlich geführten modernen Zoos, wie den Loro Parque! Und das, obwohl gerade der Loro Parque sich immer wieder vorbildlich für die Unterbringung von Wildtieren in Not engagiert!

Von den Zoogegnern verraten, blieb Attila also allein. Doch das sollte natürlich kein Zustand sein. In einem kleinen Lokalzoo machte man die Löwendame „Saffo" ausfindig, die bis zu seinem Tod Attilas Gefährtin war und dann in den Karlsruher Zoo abgegeben wurde. Attila genoss seinen Lebensabend mit ihr im Papageienzuchtzentrum „La Vera", wo extra für ihn und seine Gefährtin ein großzügiges Gehege gebaut worden war.

2017-08-05-1501923659-8689387-loewep.jpgDie neuen Löwen haben sich im Loro Parque schon gut eingelebt und harmonieren auch untereinander. Foto: Loro Parque

Besuch in einer Tierhaltung der Born Free Foundation

Bezeichnenderweise hat die Born Free Foundation, die hierzulande als Zoogegnerorganisation auftritt, außerhalb Europas plötzlich auffällig wenige Probleme mit der Haltung von Tieren in Menschenobhut. Dort wird dann auch gerne mit kommerziellen Reservaten oder auch Zoos kooperiert. Das verdeckt die Stiftung dann zumeist dadurch, dass sie die Orte dann eben als Reservate, Refugien, Centres , Sanctuaries oder eben als Auffangstationen, bezeichnet.

Auf der Webseite der Born Free Foundation ist zu lesen:

„Whether in zoos, circuses, animal shows or marine parks, wild animals suffer physically and mentally from the lack of freedom that captivity imposes." (Ob in Zoos, Zirkussen, Tierschauen oder Meeresparks, leiden Tiere physisch und mental am Mangel an Freiheit, der die Gefangenschaft bedeutet.)

Einer der Verantwortlichen der Born Free Foundation für gerettete Tiere, sieht dies selbst aber ganz anders. Gemeinsam mit Vertretern des NABU besuchten Wolfgang Kiessling und sein Sohn Christoph im Spätherbst 2015 eine Auffangstation der Born Free Foundation in Äthiopien. Das „Zentrum" Esessakotteh, 30 Kilometer von Addis Abeba entfernt, beherbergt unter anderem Löwen. Dort sind auch für diese Tiere Gehege zu finden, die mit gerade einmal 300 Quadratmeter Fläche alles andere als geräumig sind. Im Zentrum sprach die Reisegruppe mit dem vor Ort verantwortlichen Mitarbeiter der Born Free Foundation, den Education und Outreach Officer Mr. Million Genta.

Mr. Million betont zu Recht, dass die Löwen in Menschenobhut durchaus älter als 20 Jahre werden können und hier länger leben als in der Natur. Dies auch, weil sie hier regelmäßig und pünktlich gefüttert werden! Bezeichend ist sicherlich auch, dass der Mitarbeiter der Born Free Foundation dort ein Gehege von gerade einmal 300 Quadratmetern, und somit einer Fläche, die nur etwas größer ist als ein Tennisplatz, aber merklich kleiner als ein Basketballfeld, als „groß" bezeichnet.

Kaum tiergerecht ist auch, dass in dem Gehege, vor dem er beim Gespräch stand und das auch diese Maße hat, ein drei Jahre alter Löwe, zu diesem Zeitpunkt sind die Tiere körperlich ausgewachsen, allein lebt - ein Zustand, den es in modernen Tierhaltungen nur in Ausnahmefällen in Übergangsphasen gibt! Denn Löwen sind keine Einzelgänger, sondern gesellige Tiere, die zumeist im Rudel leben! Die Mutter des Tieres war von Einheimischen getötet worden, wie Million erzählt. Der Löwenmann wurde gerettet und lebt, seit dem Alter von sieben Monaten, allein. (Eine Rudelbildung wird aber durch die „no breeding policy" von der Born Free Foundation verhindert.) Diese Löwenhaltung bezeichnet Mr. Million als „Gentlemenclub".

Die in dieser Auffangstation der Born Free Foundation gepflegten sieben Löwen sind aufgrund ihrer Geschichte alle nicht auswilderungsfähig. Zwei der Tiere sind Handaufzuchten und folglich zu menschenfreundlich zur Auswilderung, zwei andere hatten dadurch, dass sie vormals von Steine werfenden Menschen gequält worden waren, starke Agressionen gegen Menschen. Ledglich ein aufgrund einer in der Vergangenheit eingewachsener und dadurch seine Halswirbel schädigenden Kette erblindeter Löwe in dieser Station hatte eine Partnerin.

Auswilderungsfähig sind diese Tiere natürlich nicht mehr, ebensowenig wie auch der 2010 im niederländischen Wattenmeer alleine und völlig unternährt aufgefundene und gerettete Orca Morgan, der im Loro Parque eine neue Heimat und guten Familienanschluss fand, dessen Auswilderung (die den sicheren Tod des zudem Gehörgeschädigten Orcas bedeuten würde!), aber dennoch von radikalen Tierschützern wider besseren Wissens immer wieder vehement gefordert wird!

Zwar betont die Born Free Foundation, dass es sich bei ihrer Auffangstation nicht um einen Zoo handelt, aber dennoch kann man diese Anlage außerhalb der Regenzeit, in der auch kaum ein sinnvoller Besuch möglich wäre, besuchen. Und zwar wird dies von dem besagten Mr. Million Genta (Gemea) organisiert, der offenbar gleichzeitig auch Inhaber von Erekata Tour bzw. Milly Ethiopia Tours ist.

Interessenten für einen Besuch der Auffangstation werden unter Angabe der Mailadresse erekata_tour[at]yahoo.com von der Born Free Foundation auch genau darauf hingewiesen. Wie praktisch, dass Herr Million hier sein Business mit der Born Free Foundation verknüpfen kann. Aber wird den Zoos nicht genau das von den Tierrechtlern vorgeworfen, sie würden Geschäft und Tierhaltung verknüpfen? In Afrika scheint das die Born Free Foundation gar nicht zu kümmern, denn sie geht offenbar dann damit völlig entspannt um, wenn es sich um ihre eigenen Leute handelt.

Halten wir fest: Der zuständige Sprecher der Born Free Foundation findet richtigerweise, dass es Löwen in Menschenobhut zumeist besser geht als in der Natur, obgleich die Born Free Foundation in Europa den vollkommen entgegengesetzten Standpunkt vertritt, nämlich den, dass die Tiere in Menschenobhut leiden würden. Hier offenbart sich eine gewisse Doppelzüngigkeit.

2017-08-05-1501923804-5937326-loewenanlb.jpgDie neue Löwenanlage im Loro Parque ist naturnah und artgemäß gestaltet. Foto: Loro Parque

Neue Löwenanlage im Loro Parque eröffnet

Nun hat der Loro Parque seit kurzem wieder Löwen. In einem großzügigen, naturnah und abwechslungsreich strukturierten Gehege leben drei der Tiere. Das Gehege kommt dem typischen Habitat der Tiere in der KAZA-Region mit trockenem Buschland und Savannenlandschaften in Wassernähe sehr nahe. Loro Parque macht also auch hier einiges besser als die Born Free Foundation: er bietet mehr Platz und eine artgemäße Sozialstruktur.

Vielleicht neidet die Born Free Foundation dem Loro Parque genau das und geht deshalb immer wieder gegen den modernen, wissenschaftlich geführten Zoo vor! Somit wurde nach dem geschilderten Verrat der BFF aus einem ehemaligen vorübergehenden Partner nun ein erbitterter Gegner. Gemeinsam hätte man für eine bessere Zoowelt kämpfen können, aber natürlich ist die Anti-Zoo-Ideologie der Born Free Foundation und ähnlicher Organsiationen, mit der Philosophie eines modernen Zoos, der sich für den Natur- und Artenschutz, die Forschung sowie die Natur- und Tierschutzsensibilisierung seiner Besucher ebenso wie für eine zeitgemäße und tiergerechte Tierhaltung engagiert, nicht vereinbar.

Offensichtlich macht diese Geschichte auch deutlich, dass die Angriffe der Born Free Foundation gerade gegen den Loro Parque nicht zuletzt als Eifersüchteleien eines Verräters zu werten sind!

Appendix: Video zum Thema
Genau wie andere Zoogegner versucht auch die Born Free Foundation mit tendenziösen Bilder über Zoos zu desinformieren. Wie deren Methoden funktionieren, deckt dieses Video auf:

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