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Delfinschwimmen in Hawaii bald verboten?

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HAWAII DOLPHINS
Getty
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Nun endlich einmal kommen die negativen Seiten von Whale Watching Touren in den Fokus der Öffentlichkeit. Dass die im Moment maßlos geschehenen Touren den Wildpopulationen schaden, ist der Wissenschaft nämlich schon lange bekannt.

Boote, die gezielte Ruheorte aufsuchen, sich den Tieren in den Weg stellen oder zu nah an die Tiere heranfahren, sind nicht erst seit gestern ein großes Problem. Noch schlimmer aber sind die Veranstalter, die kommerziell Menschen mit den wilden Delfinen schwimmen lassen.

Die Neugier der Delfine ausgenutzt

Dass Delfine von Grund auf neugierig sind und gerne spielen, ist bekannt. Dies nutzen viele Anbieter der kommerziellen Whale Watching Touren eiskalt aus. Entweder füttern sie die Tiere an oder stören Ruhegruppen, um die Touristen möglichst nah an die Tiere heranzubringen.

Springen dann Leute zu den zutraulichen Tieren ins Wasser und spielen mit ihnen, geschieht eine Gewöhnung an den Mensch und an Boote. Für die Anbieter ist das toll, für die Delfine lebensgefährlich.

Einmal ist es unkalkulierbar, welche Bakterien, Viren oder sonstige Erreger durch den Menschen so in Wildpopulationen eingeschleust werden können und zudem erwarten dann Delfine plötzlich von sämtlichen Booten aus beschmust und/oder gefüttert zu werden. Sie suchen also die Nähe der Boote auf.

Delfine mit durch Schiffsschrauben eröffneten Rücken sind die offensichtlichsten Ergebnisse. Durch falsches Futter verendete Tiere werden zudem hin und wieder angeschwemmt - viele sinken ungesehen auf den Meeresgrund. Die Delfine werden zu Opfern eines maßlosen und gewissenlosen Tourismus. Die Wildpopulationen geraten unter gehörigen Druck.

NOAA reagiert

Die US-Meeresschutzbehörden will nun an einer Touristenhochburg das Schwimmen mit wilden Delfinen verbieten. Maximal 45 Meter sollen sich die Boote den Tieren näher können und dies auch ausschließlich außerhalb der Ruhezeiten.

Das wäre ein Ende für das touristische Delfinschwimmen in Hawaii und ein wichtiges Zeichen für die ganze Welt. Dieser Bann würde alle Tiere innerhalb von 2 Seemeilen betreffen, wo 98% der Spinner-Delfine von Hawaii ruhen, nachdem sie in der Nacht offshore nach Beute suchten.

Die Anbieterin Roberta Goodman verglich es, als würde man den Leuten sagen, bei Delfinshows vor der Tür stehen zu bleiben. Das zeigt den ganzen Irrtum der Anbieter, die sich freilich alle negativ zudem Gesetzesentwurf äußerten: wilde Delfine sind eben keine Show-Delfine.

Delfine in wissenschaftlich geführten Delfinarien werden nicht von planschenden Touristen morgens geweckt, nachdem sie die Nacht durchgejagt haben. Zudem kommt nicht jeder einfach so an sie ran und die Tiere sind nicht ungeschützt vor den Folgen solcher Schwimmaktionen wie es ihre wilden Artgenossen sind.

Nun verkaufen sich die Anbieter solcher Touren als seriös und versuchen das Stören von wilden Tieren, die ihre Ruhe brauchen, irgendwie zu legitimieren. Es scheitert, denn eigentlich verbietet der Marine Mammal Protection Act schon die Belästigung der Tiere.

Ein wichtiger Unterschied

Wir dürfen nicht vergessen, dass wilde Delfine und Delfinariums-Delfine zwar viele Gemeinsamkeiten haben, aber natürlich auch gewisse Unterschiede. Ein Großer Tümmler im Delfinarium wächst damit auf, dass ab und zu mal Besucher am Show Pool in ausreichendem Abstand sitzen und zuschauen.

Das macht dem Tier nichts aus, denn es kennt es ja nicht anders. Wenn die Trainer mit den Tieren in engen Kontakt treten, ist das für die Tiere auch kein Problem, weil die Trainer darauf achten müssen, dass sie mit keiner Krankheit, die sie vielleicht haben, den Tieren schaden. Zudem gibt es hohe Hygienevorschriften für alle Menschen in der Nähe der Tiere, wenn es sich um eine seriöse Einrichtung handelt.

2016-09-02-1472814898-8824815-ZDelfinimLoroParquehp.JPGDelfinariumsdelfine sind an die Interaktion mit dem Pfleger-Team gewöhnt und ihnen macht es nichts aus, wenn sie von Besuchern beobachtet werden.

Die Spinnerdelfine vor Hawaii, deren Name sich übrigens vom englischen Verb to spin ableitet und nicht vor einer Mutmaßung über ihren geistigen Zustand, brauchen ihre Ruhe und sie können es nicht gebrauchen, wenn Touris sie nach einer durchjagten Nacht in - aus dem Blickwinkel ihres Tagesablaufs - aller Herrgottsfrühe wecken, um sie zu betatschen und mit ihnen zu plantschen.

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Die wilden Tiere werden auch nicht 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche medizinisch überwacht, um eingreifen zu können, wenn ein Tourist sie infiziert hat oder falsch gefüttert hat - die Tiere verenden dann nur allzu oft kläglich.

Bleibt weg von wilden Tieren!

Liebe Touristen,
die wilden Delfine brauchen Euch nicht als Schwimmpartner, Spielgefährten oder für Futter. Das Einzige, was Ihr ihnen bringt mit eurem maßlosen Tourismus, sind Probleme für ihre Wildpopulationen. Ihr seid Teil ihres Problems und nicht deren Lösung. Überlasst das bitte Profis, die die Tiere nicht antatschen und wissen wie sie sich nähern müssen, damit die Tiere davon keinen Schaden tragen durch Falschassoziierung oder ähnlichem. Ihr seid keine Forscher, tut nichts für die Tiere, also bleibt bitte einfach von ihnen weg.

Ich bin mir bewusst, dass unseriöse Forscher wie Ingrid Visser euch ein falsches Vorbild sind, weil sie durch ihr Verhalten die Tiere genauso in Gefahr bringen wie ihr, aber seid euch bewusst, dass solche Menschen aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft konsequent verstoßen werden.

Wenn ihr was für die Tiere tun wollt, geht in wissenschaftlich geführte Delfinarien, schaut euch die edukative Show an und spendet für deren Schutzprojekte in der Natur, die Duisburg, Nürnber und im Loro Parque. Überlasst den Kontakt mit den Tieren den Profis - das gilt übrigens nicht nur für Delfine.
Beste Grüße.

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