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Condors starkes Zeichen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CONDOR
Fabian Bimmer / Reuters
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Vor kurzem habe ich noch über PETAs Aktion bei Austrian Airlines geschrieben und entsprechend kritisiert.

Nun hat PETA das gleiche, oder zumindest ein ähnliches, Angebot der Fluggesellschaft Condor gemacht. Die deutsche Airline mit Sitz in Frankfurt am Main hat die Werbeanzeige nicht gedruckt und sich so gegen eine Lügen-Kampagne entschieden.

2017-02-22-1487772430-5211558-oopub.JPGMit seinen edukativen Orcashows erreicht der Loro Parque tausende Besucher pro Tag.

Einige Lügen der Kampagne

PETA versucht nun in einer Pressemitteilung Stimmung gegen die Fluglinie zu machen. Der Text zeigt aber nur, dass Condor richtig gehandelt hat.

„Kritik unerwünscht: Um auf die tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen im spanischen Unterhaltungspark Loro Parque aufmerksam zu machen, hat die Tierrechtsorganisation PETA eine ganzseitige Anzeige im Bordmagazin der Fluglinie Condor gebucht, die am 1. April und nochmal im August erscheinen sollte."

Es handelt sich um eine Werbeanzeige - nicht um Kritik. Man zahlt mehrere zehntausend Euros, um sich Werbefläche zu erkaufen.

Die Haltungsbedingungen im Loro Parque sind nicht tierschutzwidrig wie die höchste spanische Instanz in diesen Fragen bereits festgestellt hat.

Deshalb entlarvt sich PETA hier selbst der Lüge, weil sie das Gegenteil der Realität als Wahrheit darstellen, obgleich die widerlegenden Untersuchungen in ihrem Ergebnis veröffentlicht wurden. Zudem fanden weitere unabhängige Prüfungen der Haltungsbedingungen im Loro Parque mit gleichem Ergebnis statt.

Ein Teil des Textes der Anzeige war „Orcas leiden in Gefangenschaft". Auch das ist falsch. Es gibt nicht mal einen Hinweis auf Leid der Tiere im Loro Parque, der von einem unabhängigen Experten als solcher klassifiziert wurde. Auch hier wird eine Fehlinformation als Tatsache verkauft.

2016-04-07-1460051827-9492690-2016040614599530018018615LoroParqueUltraschallthumb.JPG Das Wohlergehen der Tiere im Loro Parque wird auch von unabhängigen Experten überprüft. © Philipp J. Kroiß

Dann werden schlichte Desinformationen gestreut: „In Freiheit würde Keto mehr als 150 Kilometer am Tag schwimmen und sein ganzes Leben bei seiner Mutter und seiner Familie verbringen." Das ist schlicht nicht wahr.

Keto würde nie in „Freiheit" 150 Kilometer am Tag schwimmen, weil einmal er bereits in einem Delfinarium geboren worden und zudem die Zahl für seinen Ökotyp schlicht illusorisch ist. Eine Überlebenschance in der Natur hätte er ohnehin nicht.

Auch das angenommene Gruppierungsverhalten ist keine seriöse Prognose. Wissenschaftliche Aussagen zu Verwandtschaftsbeziehungen von Mutterlinien oder Pods sind immer mit Vorsicht zu genießen, da die meisten Verwandtschaften in der Wildbahn geschätzt und nicht nachgewiesen sind - da gab es so schon schwerwiegende Irrtümer wie etwa im Fall der, aufgrund einer falschen Verwandtschaftsannahme, viel zu alt geschätzten Granny.

Es bestehen zu wenige Stammbäume von Tieren, um hier eine so generelle Vermutung zu äußern - das ist schlicht unseriös und man findet keine unabhängige wissenschaftliche Studie, die so eine Prognose für Keto legitimieren würde.

Man kann also nicht sagen, dass Keto immer bei seiner Familie blieb, da Männchen auch durchaus dafür bekannt sind, Gruppen zu wechseln. Zudem hat ein Verbleiben oder Nicht-Verbleiben in der Familie keinen Einfluss auf das Wohlergehen der Tiere in Menschenobhut im Fall von Keto.

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Natürlich kommt auch O'Barry, Anti-Delfinarien-Lobbyist, wieder in der Pressemitteilung vor: „O'Barry bezeichnet die Orcashow im Loro Parque, bei der die Schwertwale zu lauter Musik tanzen müssen, als „eine der traurigsten und erbärmlichsten Dinge", die er je gesehen habe."

Sollte der wegen nicht tiergerechte Behandlung von Delfinen rechtskräftig verurteilte und ohne jede Erfahrung mit der Haltung von Orcas bedachte Tierrechtler dies tatsächlich gesagt haben, beweist er damit nur, dass er die Show nie gesehen.

Kein Orca muss zu lauter Musik tanzen. Die Musik ist nämlich nicht laut für die Tiere und zudem wird kein Tier gezwungen bei der Show mitzumachen - wie jedes Training ist die Show ein Angebot, das die Orcas annehmen können oder nicht. Ihre Entscheidung beeinflusst dabei nicht die Menge an Futter und Fürsorge, die sie bekommen.

Besucherbefragungen am Ende der Show im Loro Parque ergaben eine fast zu 100% positive Bewertung der Besucher.

Dann wird gelogen: „Die Schwertwale im Loro Parque gehören rein rechtlich betrachtet dem US-amerikanischen Unternehmen SeaWorld. Im Frühjahr 2016 hatte SeaWorld angekündigt, das Zuchtprogramm mit Orcas einzustellen. Ob sich auch der Loro Parque auf Teneriffa daran hält, ist zurzeit noch fragwürdig."

Dem ist nicht so, denn Morgan gehört dem niederländischen Staat. Nur fünf der Tiere sind eine Leihgabe von SeaWorld. Zudem ist bereits klar, dass der Loro Parque die Zucht nicht aufgibt - daran wurde auch nie ein Zweifel gelassen.

Kurios wird es dann bei diesem Satz: „PETA fordert, dass Loro Parque und SeaWorld alle Meeressäuger unverzüglich an betreute Meeresbuchten überstellen - ein Vorhaben, dem auch Experten wie The Whale Sanctuary Project beipflichten."

Klar wollen die Partizipianten des Whale Sanctuary Project, dass die Tiere in betreute Meeresbuchten kommen, damit sie ihre eigene geplante (zumindest theoretisch) gefüllt bekommen. Bei den „Experten" handelt es sich um Anti-Delfinarien-Lobbyisten, denen kaum jemand Seriöses zutraut für Orcas artgemäß zu sorgen.

Neues Ziel: Flughäfen
Nachdem bei den Airlines offenbar nur Austrian Airlines die Anzeige der Lügen-Kampagne drucken wollte, sucht man nun ein neues Ziel: Flughäfen. Die gleichen Fehlinformationen, derselbe Populismus und die identischen Fake News kommen hierbei zum Einsatz: Textpassagen gleichen sich bei dem Blog-Post von Anti-Delfinarien-Lobbyistin Tanja Breining 1:1 mit der Pressemitteilung. Selbige Autorin hat bereits bewiesen, dass sie bei Blog-Posts mit der Wahrheit, gelinde gesagt, recht kreativ umgeht.

Man muss beobachten, ob PETA nun unseriöse Werbepartner findet, die dann bezahlt werden, um an der Verbreitung von Lügen teilzunehmen. In den USA gab es ja bereits genug Flughäfen, die sich gegen PETA-Werbung ausgesprochen haben. So hat sich etwa der Airport von San Diego geweigert, Anti-SeaWorld-Werbung zu zeigen.

Zudem ist bezeichnend, dass man bereits ist, zehntausende Euro für bedrucktes Papier auszugeben, während im eigenen Tierheim, Tiere eingeschläfert werden. Es kamen jüngst die neusten Zahlen von der Regierungsbehörde: Ein Tötungsrate von über siebzig Prozent und eine Adoptionsrate von unter drei Prozent.

Man darf nicht vergessen: in den USA ist das legal. Dort gibt es keine Kontrollmechanismen bezüglich der Tötung von Tieren wie etwa in Deutschland. Es gibt nur die so genannten No-Kill-Tierheime, die nur aufgrund strengster (und unabhängig geprüfter) medizinischer Indikation Tiere einschläfern. Dabei handelt sich aber um eine freiwillige Selbstverpflichtung.

In Deutschland hingegen kann man nicht so ohne weiteres, Tiere einschläfern - hier läuft es ähnlich wie in No-Kill-Tierheimen in den USA. PETA ist kein No-Kill-Tierheim: würden sie nur Tiere einschläfern bei denen es medizinisch sinnvoll ist, könnten sie aber eines werden.

PETA nutzt offenbar lieber die „Vorzüge" des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten, wo es üblich ist, dass auch völlig gesunde und vermittelbare Tiere eingeschläfert werden.

Im PETA-Tierheim starben dieses Jahr mehr als 1.400 Tiere. Im Sinne der Tiere wäre es besser das Geld ins eigene Tierheim und das Wohlergehen der eigenen Tiere zu investieren, statt in wirkungslose Plakatkampagnen. Aber in dieses Tierheim geht ja ohnehin nur ein Bruchteil des Geldes von PETA. Dem Loro Parque schadet PETA nämlich nicht. 2016 gab es wieder einen Anstieg der Besucherzahlen.

Lesenswert:

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