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Philipp J. Kroiß Headshot

Beaching Morgan - Experten Statements

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Bereits im letzten Blog ging es um das ominöse Video, das in vielen Medien groß und breit diskutiert wurde. Die Resonanz zu meinem Blog, der wissenschaftliche Fakten in die Diskussion einbrachte, war großartig; über 1000 Likes und über 100 Shares sind ein wichtiger Erfolg, um über dieses Verhalten auf Basis nachweisbarer Erkenntnisse aufzuklären.

Aber auch andere haben Fakten geschaffen. Immer mehr Experten äußerten sich zu der Sache, um die Wahrheit zu unterstützen.

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Dieses Foto aus dem Jahre 2013 zeigt das Spielverhalten vom Video. © Philipp J. Kroiß

Das Verhalten zeigen auch andere Delfine - es ist völlig normal

Morgan's Verhalten, das Delfinariengegner und fehlinformierte Medien als, Fehlverhalten oder Selbstmordversuch interpretierten, ist bereits wissenschaftlich beschrieben als „social beaching play" (Guinet, 1990) bei wilden Orcas. Auch in Delfinarien findet man bei verschiedenen Arten das Verhalten des Anlandens von Tiere in Flachwasser oder Landbereichen als Teil des (sozialen) Spiels.

Eine der wichtigsten US-amerikanischen Delfinforscherinnen, Dr. Kelly Jaakkola, die Wissenschaftsdirektorin im Dolphin Research Centre (DRC) ist, berichtet davon. Aufmerksame Leser dieses Blogs kennen die bekannte Forscherin bereits aus einem anderen Beitrag.

„Morgan ist auch bei Weitem nicht das einzige Tier, das dies tut. Im Dolphin Rearch Centre stranden unsere jungen Delfine auch oft selbst für kurze Zeit. Tatsächlich machen sie ein Spiel daraus. Es gibt für mich keinen Grund zu denken, dass das bei Morgan anders ist. Ich sehe keinen Grund sich darüber mehr zu sorgen als über ein Menschenkind, das weiß wie man schwimmt und in einen Pool springt ... und dann völlig allein wie heraus kommt. Es handelt sich um ein trainiertes Verhalten. Morgan macht das immer bei medizinischen Check-Ups, öffentlichen Präsentationen, Hörtests, etc. Sie weiß wie sie raus und wieder rein kommt und wenn sie das einmal gelernt hat ist es für sie nicht Ungewöhnliches mehr." - Dr. Kelly Jaakkola, eine der weltweit führenden Delfinexperten

Auch ein ehemaliger Trainer des Loro Parque meldete sich zu Wort. Er war einige Zeit in Orca Ocean und arbeitete mit verschiedenen Tieren zusammen.

„Ich habe dieses Sliding out Verhalten nicht nur bei Morgan, sondern auch bei den anderen Walen, teilweise bei Adán, und manchmal auch bei Skyla und Kohana, beobachtet. Es gibt verschiedene Gründe dafür und was man bedenken muss: diese Landareale, die Bühne, das slide out, sind Bestandteil der Umgebung der Tiere, zu denen sie immer Zugang während jedes Trainings und ihrer Freizeit haben. Ein paar Gründe, weshalb die Wale herauskommen, sind: Hauptsächlich während des Spielens interagieren Morgan und Adán gerne miteinander, während einer draußen liegt und der andere im Wasser ist; einer rutscht dann zum anderen zurück - fast wie Versteckspielen. Ein anderer Grund wäre Neugier: Wenn Morgan die Trainer nicht sieht, weil sie Backstage über die Show reden, kommt sie raus und versucht die Trainer durch eine Lücke in der Kulisse zu beobachten. Dieses sliding out Verhalten ist in keinem Fall abnormal für sie oder die anderen Wale." - George Goldspink, ehemaliger Trainer des Loro Parque

Auch SeaWorld meldete sich zu Wort. Der Loro Parque ist zwar weder Teil der US-amerikanischen Parkkette, noch ist Morgan in deren Besitz, aber sie nehmen seit Jahren Anteil an ihrem Schicksal, da sie grosse Erfahrung haben, gerettete Tiere zu versorgen. Auch SeaWorld hatte schon mal Probleme bezüglich falscher Verdächtigungen zu diesem Verhalten im Juli 2013.

„Das Wichtigste ist, all unsere Experten sagen, dass dieses spezielle Verhalten in Wirklichkeit ein natürliches Verhalten ist, das man regelmäßig sowohl in der Wildbahn als auch in zoologischen Einrichtungen wie SeaWorld sehen kann." - seaworldcares.com

In seinem Blog meldet sich auch der erfahrene Experte John Dineley zu Wort, der über einiges an praktischer Erfahrung im Bereich der Zootierhaltung verfügt und Zoos berät. Er veröffentlichte einen Beitrag auf dem Blog Marine Animal Welfare.

„Morgan will einfach nur Spaß haben!" - John Dineley, Experte

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Morgan lebt gesund und artgemäß im Loro Parque © Philipp J. Kroiß

Herr Dineley erwähnt auch das Video von dolphinaria.truth, eine der größten Seiten zum Thema Delfinarien, die auch deutschsprachige Artikel verfassen. Ebenso äußerte sich auch http://www.meeresakrobaten.de/ mit einem Artikel zu diesem Thema. Susanne Gugeler schrieb auf Basis des SeaWorld-Beitrags einen ebenfalls lesenswerten Artikel.

Morgan im Loro Parque

George Goldspink, der eben schon erwähnte, ehemalige Trainer, gab zudem auch noch einen direkten Einblick in die Fürsorge für Morgan.

„Sie machte alles, was auch die anderen Wale machten. Sobald Verhalten trainiert wurden, die mit Schnelligkeit oder Höhe zu tun hatten, war sie mit Begeisterung dabei und war eine der Schnellsten und Höchsten. Die meiste Zeit, die ich mit Morgan verbrachte, war während Playtime Sessions mit ihr, in denen ich ihr Enrichments gab oder wir einfach Spaß hatten, während andere Tiere gerade in der Show waren oder trainiert wurden. Morgan ist Teil der Gruppe und ein sehr soziales Tier, die ihren sprichwörtlichen Mann in der Gruppe stand. Sie hat besonders eine großartige Beziehung zu Adán, den jüngsten Wal. Ich vergleiche es mal mit zwei jungen Kindern, die es lieben zusammen zu sein und herumzuspielen." - George Goldspink, ehemaliger Trainer des Loro Parque

Medien unter Druck

Nach einem Besuch von Daily Mail im Loro Parque musste nun genau die Zeitung zurückrudern, auf dessen desinformierenden Beitrag auch die deutsche Berichterstattung fußte. Zudem lud der Präsident des Loro Parque, Wolfgang Kiessling, in einem Brief an Kai Dieckmann, mit der Bild-Zeitung jenes Medium ein, deren Fehlinformationen in dieser Sache die meiste Flächenwirkung hatten.

Auch der Schauspieler Roger Moore, der sich laut PETA gegen den Loro Parque geäußert haben soll, erhielt eine Einladung. Sie riskieren nun, auch wegen den hier gebrachten Expertenstellungnahmen, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn sie das Angebot nicht annehmen.

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