Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Philipp Dobbert Headshot

Es geht auch ohne Hamster

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HAMSTER
iStock
Drucken

Das Sicherheitsbedürfnis ist wahrscheinlich eines der elementarsten, das der Mensch kennt. Daran ist natürlich grundsätzlich gar nichts Falsches, sorgt das Sicherheitsbedürfnis doch dafür, unnötige Gefahren zu meiden und Vorkehrungen für alle denkbaren Notlagen zu treffen.

All das trägt seit jeher zum Überleben der Spezies Mensch bei. Schwierig wird es nur, wenn dieses Sicherheitsbedürfnis als Köder benutzt wird, um Aufmerksamkeit zu erhaschen oder - schlimmer noch - ein gutes Geschäft damit zu machen.

Zu beobachten war Letzteres gerade wieder in den vergangenen Tagen, und zwar dieses Mal im Zusammenhang mit den sogenannten Hamsterkäufen. Die Bundesregierung, so war der Presse schlagzeilenträchtig zu entnehmen, habe ihr Zivilschutzkonzept überarbeitet und rate der Bevölkerung als Konsequenz zu eben zitierten Hamsterkäufen.

Konkrete Handlungsempfehlung: Grundnahrungsmittel und Wasser sollte jeder Bundesbürger für einige Tage auf Vorrat bunkern. Um die Sensationslust noch zu steigern, wurde auch gleich über mögliche akute Gefährdungssituationen spekuliert, die die Bundesregierung möglicherweise zu diesem Schritt gedrängt haben könnten. I

nzwischen wissen wir: Das bisherige Zivilschutzkonzept war schlichtweg total veraltet und musste an die neuen Herausforderungen und Gefahren angepasst werden. Das war im Grunde genommen schon alles - viel Aufregung um nichts. Aber das eingangs erwähnte Sicherheitsbedürfnis reagierte sofort reflexartig auf die geschürte Panikmache.

Bei der Geldanlage gibt es hierzu durchaus Parallelen. Hier wird aus dem gewöhnlichen Feldhamster - um in der Tiersprache zu bleiben - allerdings ein Goldhamster. Gold gilt vielen als Versicherung für einen wie auch immer gearteten Katastrophenfall, und wenn es nur der Zusammenbruch des Geld- oder Wirtschaftssystems in seiner heutigen Form ist.

Gold, so die ans Sicherheitsbedürfnis appellierende Logik, behalte immer seinen Wert, nutze sich nicht ab und lasse sich in der (vermeintlichen) Sicherheit der eigenen vier Wände aufbewahren. Zusätzlich zu diesen Sicherheitsargumenten wird oft noch ins Feld geführt, dass in einem Katastrophenszenario ganz generell die Nachfrage nach Gold stark steigen und sich daher auch der Goldpreis in der Folge vervielfachen würde.

Nun ist es natürlich Zufall, dass die Diskussion um Hamsterkäufe gerade zu einem Zeitpunkt aufkommt, zu dem der Goldpreis seit langer Zeit mal wieder kräftig zulegen konnte. Parallelen lassen sich trotzdem erkennen. In beiden Fällen wird eben das Sicherheitsbedürfnis - im Falle des Goldes dasjenige des Anlegers - genutzt, um den jeweiligen Adressaten in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Gegen eine gewisse moderate Beimischung des gelben Edelmetalls im Depot ist durchaus nichts einzuwenden. Was zuletzt aber teilweise an regelrechten Hamsterkäufen von Goldmünzen und -barren empfohlen wurde, das vermag der nüchterne Betrachter höchstens im Lichte der hier gemachten Beobachtungen verstehen. Denn es geht auch ohne Hamster - und zwar besser!

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.