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Ohne eine eigene Armee werden Putin und Assad die EU niemals Ernst nehmen

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
ASSAD ARMY ALEPPO
OMAR HAJ KADOUR via Getty Images
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Aleppo. Dieser Name ist zu einem Symbol des Horrors geworden. Seit nunmehr ├╝ber vier Jahren befindet sich jene bev├Âlkerungsreichste syrische Stadt in einem Dauerkriegszustand - teilweise ist bereits die Rede von ÔÇ×Syriens Stalingrad". Von Assad und Putin werden die Bewohner mit Fassbomben massakriert, von den Rebellengruppen Zivilisten als Schutzschilde ausgenutzt.

Zwar scheinen sich hierzulande immer noch viele zu bem├╝hen, aktiv wegzusehen; manche sicherlich auch, weil sie sich sonst wohl in ihrem russlandfreundlichen oder fl├╝chtlingsfeindlichen Weltbild gest├Ârt s├Ąhen, andere schlichtweg, weil sie die daraus folgenden Konsequenzen nicht ertragen k├Ânnen - ja, selbst die starke pazifistische Community in Deutschland scheint beim Thema Syrien pl├Âtzlich ganz still.

Lesen sie unter dem Video weiter.

"Ich warte nur darauf, dass die Bombe explodiert" - eine 9-J├Ąhrige berichtet von ihrem Alltag in Syrien

Doch die Bilder, die uns t├Ąglich aus dem Kriegsgebiet erreichen und sich rasend ├╝ber soziale Medien ausbreiten brennen sich ein. Es bleibt meist nicht mehr, als die Hoffnung, dass irgendwer diesem Horror bald ein Ende bereiten wird.

Doch wer? Die westliche Politik zumindest scheint machtlos. Von inneren Krisen durchgesch├╝ttelt, bringt sie nicht mehr zustande als hilflose Appelle an die verantwortlichen Kriegsparteien vor Ort.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Wie kann ich Menschen in Aleppo helfen? Hier sind 5 Organisationen, denen du spenden kannst

Nichts hat das zuletzt besser gezeigt, als der verzweifelte Redebeitrag von der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, im UN-Sicherheitsrat diese Woche: ÔÇ×Gibt es wirklich nichts, was Sie besch├Ąmen kann?", fragte sie dort am Dienstag die anwesenden Vertreter von Russland, Syrien und Iran, ÔÇ×Gibt es keinen Akt der Barbarei gegen die Zivilbev├Âlkerung, keine Hinrichtung eines Kindes, die Ihnen unter die Haut geht?..."

Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen - die Antwort darauf lautet leider: Nein.

Die traurige Wahrheit ist: Mit leeren Worth├╝lsen wie diesen werden wir Aggressoren wie Putin und Assad zu gar nichts bewegen.

Es ist eine romantisierte Vorstellung von Diplomatie, dass einfache, wiederholte Appelle an die Vernunft, irgendeinem dieser Despoten Einhalt gebieten w├╝rden. Diplomatie lebt seit jeher vom Schwert in der Scheide: Nur das Wissen um ein glaubhaftes Machtmittel zur Durchsetzung seiner Interessen, l├Ąsst den Gegner einlenken.

Das aber ist derzeit nicht erkennbar. Insbesondere Europa, vor dessen Grenzen sich dieses Drama ja abspielt, zeigt sich au├čenpolitisch v├Âllig handlungsunf├Ąhig. Wie so oft scheint es sich wieder nur mit sich selbst zu besch├Ąftigen und innerlich zu zerfallen.

Warum sollte jemand wie Putin da ernsthaft in Erw├Ągung ziehen, auf unsere Forderungen einzugehen? Im Gegenteil: Durch das Ignorieren unserer Appelle demonstriert er ja gerade erst unsere Machtlosigkeit! Ein paar Sankti├Ânchen (auf die man sich ja immerhin geeinigt hat) bringen da leider gar nichts.

Putin wei├č sehr wohl, dass ja selbst diese eher halbherzig durchgezogen werden - und letztendlich profitiert er innenpolitisch ja sogar von ihnen.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Das Drama von Aleppo zeigt uns, wie wertlos unser hochmoralisches Geschw├Ątz geworden ist

Was uns hingegen sehr wohl glaubhaft machen w├╝rde, w├Ąre, wenn sich die europ├Ąischen Staaten angesichts der immer gr├Â├čeren Krisen direkt vor unserer Haust├╝r endlich mal zusammenraufen und an einem Strang ziehen w├╝rden!

Eine echte, gemeinsame Sicherheits- und Au├čenpolitik, bei der alle EU-Mitgliedsstaaten mit einer Stimme sprechen; Eine EU-Armee, statt 28 schlecht ausger├╝stete, nicht einsatzbereite nationale Streitkr├Ąfte.

Wir sind mehr als eine halbe Milliarde Europ├Ąer, der gr├Â├čte Wirtschaftsraum der Welt, haben ├╝ber 1,5 Millionen Soldaten unter Waffen - das zusammengenommen w├Ąre eine Hausnummer, die man ernst nehmen m├╝sste! 28 (im Zweifel widerspr├╝chliche) Einzelmeinungen hingegen kann man getrost ignorieren.

Wir machen uns leider wieder einmal kleiner als wir sind - und riskieren damit effektiv Menschenleben. Es ist an der Zeit, dass Europa gemeinsam handelt. Denn auch das Nichthandeln hat seinen Preis...

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen ├╝ber Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut l├Ąuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie pr├Ągen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie f├╝hlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Fl├╝chtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gel├Âst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.