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Urheberrecht: Kreative auf Wikis und anderen CC Plattformen aufgepasst!

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WIKIPEDIA
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Seit einiger Zeit wenden sich immer häufiger Autoren, Fotografen, Musiker und andere kreative Menschen an uns, weil sie sich um die Früchte ihrer Arbeit betrogen fühlen. Sie entdecken ihre Texte, Kompositionen oder sonstigen Werke an allen möglichen Stellen - in Zeitungsartikeln, Filmen, Broschüren, Büchern, Vorträgen, Seminarunterlagen und so weiter. Der erste Impuls ist dann gerade bei Akademikern, die mit der Plagiatsproblematik im Bereich von Doktorarbeiten konfrontiert sind: "Das ist doch geklaut, das geht gar nicht!"

Doch, das geht!

All diesen Menschen müssen wir mitteilen, dass sie gerade auf dem falschen Pferd reiten. Denn wer etwa bei Flickr, Yumpu, Rezeptblogs, den diversen Wikis usw. etwas beiträgt, geht einen Deal ein, der unerschütterlich ist: der oder die Beitragende stellt sein Werk unter eine so genannte "Creative Commons" Lizenz. Derer gibt es verschiedene, manche verlangen, dass man auf eine kommerzielle Weiterverwertung verzichtet, andere gestatten sogar eben diese unter gewissen Auflagen.

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In Deutschland derzeit am populärsten im Bereich der freien Inhalte dürfte die Creative Commons Lizenz des Typs BY-SA 3.0 sein. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: man darf einen solchen Inhalt benutzen, allerdings muss man die Quelle angeben und den Namen des oder der Autoren nennen oder diese leicht zugänglich machen. Die Details in diesem Artikel zu erklären, würde den Rahmen sprengen und Rechtsberatung wird hier nicht gegeben. Man kann dies aber alles sehr leicht verständlich im Internet nachlesen unser "Creative Commons".

Wenn Akademiker sich in beide Knie schießen...

So richtig unschön kann es werden, wenn - vor allem Akademiker, die an der Universität im Kosmos der Wissenschaft tätig sind - die Idee der "Creative Commons Lizenzen" (CC) vielleicht lesen, aber nicht verstehen, weil diese Regeln so weit weg von ihrem akademischen Alltag mit inhaltlichem Reinheitsgebot sind, dass CC einfach nicht in ihr Denken passt. So kennen wir tragische Fälle wie jenen, in dem der Dozent einer Hochschule einen Arzt einmal quer durch das Internet gestalked hat, weil der Mediziner Texte aus einem Online-Lexikon für seine Praxiswebseite benutzt hat.

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Dabei hatte die Praxis alles richtig gemacht, die Quelle und der Link auf die Liste der Autoren war laut Juristen tadellos. Doch der Dozent konnte oder wollte diese Tatsache nicht akzeptieren und ließ den Feldzug gegen den Arzt in Richtung übler Nachrede eskalieren. Kurzum, die Juristen nahmen sich der Sache an, der Arzt bekam selbstverständlich Recht und der Plagiate witternde Dozent, der sich irre im Recht fühlte, bekam mit einem sehr teuren Strafbefehl wegen Ruf- und Geschäftsschädigung ordentlich eins auf die Mütze.

Gesetz ist Gesetz!

Es gilt die alte Regel, dass Recht nicht immer gerecht ist und Gesetz nun mal Gesetz. Wer Plattformen im Web nutzt, deren Content unter eine Creative Commons Lizenz gestellt wird, gibt seine exklusiven Nutzungsrechte ab. Für immer. Unwiederbringlich. Wo Creative Commons (CC) draufsteht, darf das Wort "Plagiat" nicht fallen. Allenfalls eine des jeweiligen CC-Typs gemäße Quellenangabe kann man verlangen bzw. höflich um Nachbesserungen bitten, falls diese nicht ausführlich genug sein sollte. Aber auch hier ist die Rechtsprechung noch sehr verschieden, jedoch fernab jeder Plagiatsthematik.

Plattform wechseln.

Wer es nicht erträgt, dass seine Werke je nach CC-Typ von anderen Menschen munter weiter verwertet und verwurstet werden, der muss andere Plattform für seine Publikation wählen. Denn dreht ein Autor, Fotograf, Maler oder Musiker durch, weil jemand Drittes sich des CC-Rechtes bedient und schädigt diesen durch die Unterstellung von Plagiatsvorwürfen, ist nicht der CC-Content-Nutzer nass dran, sondern der kreativ Schaffende, der das Gesetz nicht zu verstehen vermag oder es gar nicht verstehen will. Und das kann, wie in unserem Beispiel aus dem echten Leben, richtig teuer werden. Für den Autor. Nicht für den Plagiator, der rechtlich gar keiner ist.

Beraten lassen und kein Bauchgefühl!

Wer unter CC veröffentlicht, zum Beispiel durch eine entsprechende Einstellung bei Flickr oder zwangsläufig bei vielen Wikis (z.B. auch Wikipedia), sollte sich sehr gut beraten lassen, bevor er auf einen vermeintlichen Plagiator losgeht. Ein Bauchgefühl à la "der hat mein Werk geklaut" ist kein guter Ratgeber und kann den Erstschaffenden ins Verderben stürzen. Besser man fragt einen Anwalt für Medien- und Urheberrecht um Rat.

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Am allerbesten bevor man anfängt, sich auf einem Medienangebot unter CC-Lizenz zu betätigen. Denn in Deutschland gilt immer noch das Recht und nicht das Bauchgefühl. Und das Recht ist im Bereich CC sehr stark auf Seiten der Verwerter. Es wird Zeit, dass dies Allgemeinwissen wird, denn wir alle sind damit Tag für Tag als Schaffer und Nutzer konfrontiert. Auch die Betreiber entsprechender Plattformen im Netz sind hier gefragt, noch deutlich mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

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