BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Petra Neubauer Headshot

Sorge wegen langen Wartezeiten bei seelisch Kranken!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMAN SEEING THERAPIST
KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
Drucken

Es sollte so viel besser werden, doch es bahnt sich ein weiterer Reinfall in der deutschen Gesundheitpolitik an.

Seit dem 1. April 2017, das Datum ist kein Scherz, sollten eigentlich Psychotherapeuten mindestens gut drei Stunden pro Woche telefonisch erreichbar sein.

Tatsache ist jedoch: nur wenige befolgen offenbar das Gesetz und jene die es tun, haben noch weniger Zeitkapazitäten für ihre leidenden Patientinnen und Patienten.

Viele Psychotherapeuten und auch psychisch Behandlungsbedürftige sind deshalb gar nicht gut zu sprechen auf jene neue Richtlinie, die eigentlich seelisch Leidenden einen rascheren Zugang zu einer soliden Therapie ermöglichen soll. Dennoch warten viele Patienten immer noch gefühlt bis zum jüngsten Tag.

Was läuft falsch?

Als Freiberufler ohne Angestellte tun sich viele deutsche Psychotherapeuten mit Kassenzulassung schwer, sich Zeit für Telefonate zu nehmen. "Wenn jetzt die Politik eine bestimmte Zeit abverlangt, zu welcher die Kassentherapeuten auch wirklich erreichbar sein müssen, bringt das natürlich das bisher gewohnte und tradierte Arbeitskonzept arg durcheinander", erklärt Tobias Heil vom Psychologie Verbund in Berlin.

Bisland hätten sich die Seelenklempner mit Anrufbeantwortern und Rückrufen beholfen, doch dieses Modell ist jetzt nicht mehr richtliniengerecht, was die Zunft schäumen lässt, zumal die Telefonbereitschaft auch monetär nicht wirklich belohnt wird.

Tut neues Denken weh?

Psychologe Heil, der im Rahmen des Change Programms mit Kollegen an Perspektiven für die Zukunft seines Berufsstandes tüftelt, zeigt viel Verständnis für die Klagen seiner Kollegen. Andererseits gibt er auch zu bedenken, dass es "ein strukturelles Problem gibt, weil wir doch irgendwie ein sehr konservativer Berufsstand sind.

In anderen Ländern haben Psychotherapeuten ganz selbstverständlich ein Sekretariat, ganz so wie die Ärzte. Es gibt keinen Grund, warum dies in Deutschland anders sein soll".

Wieso diese Abwehr gegen ein Sekretariat?

Psychotherapeuten, die keine Sprechstundenhilfe im Haus haben wollten, könnten auch externe Sekretariatsdienste beauftragen, gibt Heil zu bedenken. "Statt zu jammern, wäre mal etwas Mut zum Neuen angesagt. Wir erzählen genau so etwas unseren Patienten jeden Tag. Vielleicht sollten wir es auch einmal selbst versuchen", so der Programmleiter des Change Projekts "Contact".

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.