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Union deutscher Verbraucher fordert Verfallsdatum für Suchmaschinen

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Elisabeth Schmitt via Getty Images
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Die Union deutscher Verbraucher (UDV) zeigt sich besorgt über einen steilen Anstieg des Cybermobbings. Zunächst ein Jugendphänomen, was schlimm genug sei, greife dieses Problem zunehmend auch auf Erwachsene über, warnt UDV-Redakteur Harald Kipper nach einem Workshop mit Therapeuten, Juristen, Sozialarbeitern und Lehrern.

Der Grund dafür liege in den immer einfacheren Zugängen technisch nicht versierter Personen zu massenkommunikativ einsetzbaren Social Media Angeboten.

Die Gesprächsrunde mit einer genauen Faktenanalyse zeigt deutlich, dass die aktuelle Gesetzeslage in der Praxis oft nicht einmal ansatzweise ausreicht, um Betroffene effektiv zu schützen, so Kipper. Denn die Straftaten, die beim Cybermobbing begangen werden, seien zwar psychologisch brisant, aber strafrechtlich oft als so geringfügig zu bewerten, dass die Staatsanwaltschaften quasi routinemäßig auf den Privatklageweg verweisen würden.

Die Folgen könnten dennoch gewaltig sein, warnten die befragten Fachleute. Ein falsches Wort bzw. Bild in einer Suchmaschine oder in einem Forum kann schnell das Karriereende bedeuten.

"Hier muss der Gesetzgeber nachjustieren, besser heute als morgen", so Journalistin und UDV-Untersuchungsleiterin Carina Angermann, "auch im Hinblick auf die Suchmaschinen. Jugendsünden dürfen nicht über Jahre und Jahrzehnte das Bild eines Menschen im Internet bestimmen", so Angermann. "Was wir brauchen, sind selbstlöschende Einträge mit Verfallsdatum, gerade im Hinblick auf unsere Kinder und Jugendlichen".

Es könne nicht angehen, dass ein Bild von einer aus dem Ruder gelaufenen Abitursfeier auch nach Jahren noch in den Suchergebnissen erscheine und einen Schatten auf den Lebensweg eines jungen Menschen werfe.

"Die Suchmaschinen gehören an die kurze Leine des Gesetzgebers, und zwar an eine ganz kurze", so Angermann, "denn sie werden immer mehr zum reputationszerstörenden Pranger. Das geht nicht. Wir müssen an die Kinder denken!".

Das Expertentreffen auf Initiative der UDV endete konsequenterweise mit der Forderung, dass jeder Suchmaschineneintrag nach fünf Jahren automatisch gelöscht werden soll, sofern der Betroffene selbst ihn nicht wieder neu freigibt.

"Das Recht auf die Kontrolle des Selbstbildes ist eine Frage der Würde und der Zivilisation, die neu beantwortet werden muss, wenn in der heutigen Welt Suchmaschinen bestimmen, wer man für andere ist", betonte Harald Kipper.

UDV im Internet mit Meldemöglichkeit.

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