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Wie du dich selbst ausbremst mit scheinbar harmlosen Sätzen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
OFFICE TALK
Hinterhaus Productions via Getty Images
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Unsere Ăśberzeugungen und Meinungen, ĂĽber die Welt, uns selbst und wie das Leben funktioniert, haben eine sehr starke Auswirkung darauf, wie wir uns in der Welt bewegen, was uns entgegenkommt und wie wir uns verhalten. Was du immer wieder zu dir selbst sagst, kann deshalb massive unerwĂĽnschte Nebenwirkungen haben. Denn was wir oft wiederholen, wird irgendwann zu einer Ăśberzeugung, und wird beeinflussen, wie wir uns im Leben aufstellen.

Denke jetzt bitte einmal an die Sätze, die du immer wieder sagst, zu dir selbst oder zu anderen. Sind darunter welche, mit denen du dich ausbremst, dich selbst (oder andere) entmutigst, und dich selbst einschränkst? „Das schaff ich nie!" zum Beispiel, oder „Das kann ich mir nicht leisten", oder „Ich kann das einfach nicht"? Sieh dir deine Sätze einfach mal an - was denkst du, sind die Folgen davon, auf deine Sicht der Welt, auf deine Performance, auf deine Stimmung?

Viele dieser Sätze sagen wir einfach aus Gewohnheit, achtlos und nebenher, und ohne jede böse Absicht. Wie sehr wir uns damit Fesseln anlegen, ist uns oft gar nicht bewusst.

Wir möchten heute nicht nur deine Wahrnehmung schärfen für diese Art von sprachlicher Selbst-Sabotage, sondern dir auch ein paar Alternativen vorschlagen. Die Idee ist: Gewöhne dir einfach andere Sätze an, die du zu denselben Gelegenheiten sagst. Welche, die dich nicht einschränken, die dich nicht entmutigen, mit denen du dich nicht ausbremst. Und beobachte, was passiert.

Warum? Was soll das bringen?

Ganz allgemein gesagt: Wir verhalten uns unseren Erwartungen entsprechend. Wenn wir ĂĽberzeugt sind davon, dass wir z.B. keine Chance am Arbeitsmarkt haben, dann werden wir uns mehr und mehr auch wie jemand verhalten, der fĂĽr sich keine Chance sieht: Es nur halbherzig versuchen (hat ja eh keinen Sinn), uns immer weniger MĂĽhe geben bei den Bewerbungsschreiben, bei Job-Interviews defensiv sein (die wollen mich eh nicht).

Und das Gemeine dran ist: dadurch werden wir natürlich auch das Ergebnis (oder eben Nicht-Ergebnis) fördern, das wir erwarten.

Und diese achtlos dahin gesagten Sätze können in diesem Spiel viel mächtiger sein, als wir glauben. Meist schwingt in ihnen eine Menge mit, an Haltung gegenüber dem Leben, an eingebauten Schlussfolgerungen und auch an Verhaltensmöglichkeiten. Und dadurch, dass wir sie immer wieder sagen, ohne viel drüber nachzudenken, werden sie zunehmend zu Filtern, durch die wir das Leben wahrnehmen, und uns selbst. Sie werden zu Glaubenssätzen und Überzeugungen, und formen unsere Erwartungen an uns selbst und an die Welt. Erschreckend, nicht?


Ein paar Beispiele und Ideen zu Alternativ-Sätzen:

Achtloser Satz: „Das ist (mir) zu teuer." oder: „Das kann ich mir nicht leisten."

Was noch mitschwingt:

  • Eine gewisse Opferhaltung (sorry, aber wir sind hier, um dir zu einem Leben zu verhelfen, wie du es wirklich haben willst. Und nicht, um dir Honig ums Maul zu schmieren oder alles in Zuckerwatte zu verpacken)
  • Wie gemein, so viel zu verlangen
  • So viel Geld hab ich nicht (und werde es auch nie haben)
Alternativen:
  • Das bin ich nicht bereit, dafĂĽr zu bezahlen.
  • Das ist mir nicht so viel wert.
  • Das finde ich toll und hätte es gern, also werde ich mir ĂĽberlegen, wie ich das Geld dafĂĽr aufbringe.

Der Unterschied:

Merkst du es? Bei den Alternativsätzen bist du eine handelnde Person, die aktiv Entscheidungen trifft. Und kein Opfer deiner Budgetlage, oder von unfairer Preisgestaltung.

Achtloser Satz: „Das kann ich nicht."

Was noch mitschwingt:

  • „... und das wird auch so bleiben."
  • Das trau ich mir nicht zu.
  • Ich habe nicht den Mut dazu.
Mit „Das kann ich nicht" steckst du dich in eine Schublade - und je öfter du diesen Satz verwendest, umso enger wird diese Lade, und umso schwieriger erscheint es dir, da rauszukommen.

Alternativen:

  • Das habe ich noch nicht gelernt.
  • Das habe ich noch nicht probiert (- mal sehen, ob ich es lernen kann).
  • Das will/könnte/mĂĽsste ich erst lernen.
  • Dazu hab ich keine Lust.
  • Das trau ich mich (noch) nicht.

Der Unterschied:

Du lässt die Zukunft offen, und gestehst dir die Wahrheit ein: dass du es ja lernen kannst, wenn du möchtest.

Der Satz „Dazu habe ich (grad) keine Lust" ist die ehrlichere Variante, falls du „Kann ich nicht" als Ausrede benützt (und tun wir das nicht alle manchmal?). Und auch hier wieder: Der Satz schränkt dich nicht ein, enthält keinen versteckten „Befehl" zum Nicht-Können.

„Das trau ich mich (noch) nicht" ist ehrlicher, wenn das der Grund dafür ist, dass du „Kann ich nicht" sagstn. Und fordert dich heraus, den Mut dazu aufzubringen!

Achtloser Satz: „Das lerne ich nie!"

Was noch mitschwingt:

  • In dieser Form ist der Satz ein klarer „Befehl" an dein Gehirn, den Lernforschritt zu verweigern. Du reduzierst deine Handlungsmöglichkeiten gegen Null.
  • Frustration, weil etwas schwierig ist - oder dir nicht liegt.
  • Ăśberzogene AnsprĂĽche: Vielleicht hast du ĂĽbertriebene Vorstellungen davon, wie schnell du etwas Neues lernen können solltest.
  • Hilflosigkeit: Vielleicht weiĂźt du nicht recht, was die Schritte sind, welche Informationen oder Erklärungen dir weiterhelfen könnten.
Alternativen:
  • Ich finde das SO frustrierend!
  • Wer kann mir helfen, das zu lernen?
  • Das macht mich richtig ungeduldig!
  • Ich will das nicht tun, es liegt mir nicht - wer könnte es fĂĽr mich tun?

Der Unterschied:

Statt dir einen Lernverweigerungs-Befehl zu erteilen (womit du dir ja nur noch mehr Frust einhandelst), benennst du, was Sache ist bzw. stellst Fragen, die dich weiterbringen. Wenn du deine innere Wahrheit benennst, z.B., dass du das auch nicht tun oder lernen willst, eröffnen sich wieder Handlungsmöglichkeiten und Möglichkeiten zu einer selbstbestimmten Entscheidung - wie z.B. die Sache bleiben zu lassen, oder jemanden zu finden, der es für dich macht, ob bezahlt, im „Tausch" oder aus Freundlichkeit.

Wenn du deine eigenen "achtlosen Sätze" verändern willst, dann kannst du so vorgehen:

Mach eine Liste deiner selbst-beschränkenden Lieblings-Sätze. Geh dann die Sätze einzeln so durch, wie wir das mit den Beispielen gemacht haben:

  • Was schwingt mit bei dem Satz?
  • Was ist es, das du eigentlich ausdrĂĽcken willst?
  • Wie könnten Ersatz-Sätze lauten, die dich nicht einschränken?


Dein Mindset, deine Glaubenssätze und deine Überzeugungen sind nicht etwas, dem du ausgesetzt bist. Du kannst darüber bestimmen, sie verändern und dir aussuchen, mit welcher Einstellung du dem Leben gegenübertreten willst!

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf solebenwieichwill.com

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