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Programmier dich um: Wie du den Priming-Effekt für dich nutzen kannst

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Werbung, Politik und PR nutzen den Priming-Effekt ständig in dem Versuch, uns zu gewünschtem Verhalten zu bringen.

Dass das nur teilweise erfolgreich ist, liegt einerseits daran, dass Assoziationen etwas sehr Individuelles sind, andererseits aber auch daran, dass die entsprechenden Reize sehr gezielt auf die Zielgruppe hin ausgesucht sind - wir sind also nicht immer gemeint.
Und wenn wir andere Menschen (vor allem in der Masse) zu primen versuchen, dann können wir nur sehr allgemeine Richtungen vorgeben, und müssen einigermaßen universell gültige Assoziationen und Stereotypen nutzen. „Weißer Mantel" istgleich „Kompetenz und Autorität, folge meinem Rat", zum Beispiel.

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Schau dir als Beispiel dieses Bild an. Was löst es aus bei dir? Vielleicht ein Empfinden von Weite, von "Möglichkeiten". Oder es weckt deine Reiselust. Oder es triggert deine Höhenangst und versetzt dich in Stress. Also auch, wenn wir damit ein positives Gefühl bei dir auslösen wollten, kann es sogar sein, dass es dich beinahe vom Weiterlesen abgehalten hätte.

Sich selbst zu primen, ist vergleichsweise ein Spaziergang - einfach weil wir uns selbst und unsere Gedankenverbindungen am besten kennen. Und je passgenauer unsere eigenen, ganz persönlichen Assoziationen angesprochen werden, umso wirksamer ist Priming.

Wie kannst du diesen Effekt für deine persönlichen Ziele und Wünsche nutzbar machen?

Sagen wir, du willst in deiner Arbeit mehr Leichtigkeit, Freude und Kreativität empfinden. Dann könntest du dir eine Reihe Bilder oder Fotos heraussuchen, die genau das in dir auslösen, und immer zwei oder drei davon auf deiner Pinnwand hängen haben. Abwechslung macht hier Sinn, weil auch die unbewusste Wahrnehmung im Lauf der Zeit Immer-Gleiches ausblendet.

Oder du findest einen Dekorationsgegenstand, der das für dich symbolisiert.

Oder du entdeckst, dass es den größten Unterschied macht, wenn du bunte Stifte verwendest.

Selbst die Schriftart, die du am Computer verwendest, kann einen Unterschied machen, wenn du visuell ausgerichtet bist, oder das Klingelgeräusch deines Telefons.

Und es spricht nichts dagegen, dies alles auf einmal zu nutzen.

Ein anderes Beispiel, du möchtest bei bestimmten Terminen und Meetings mit mehr Selbstvertrauen auftreten und weniger schüchtern sein. Erstens könntest du versuchen herauszufinden, welche Auslöser bei dir auf den „schüchtern"-Knopf drücken.

Manche davon wirst du selbst in der Hand haben - und kannst sie loswerden.

Zweitens: überleg dir, in welchen Situationen du gar nicht schüchtern und sehr selbstbewusst auftrittst. Beim Spieleabend mit Freunden? Im Tanzkurs? Wenn du jemandem von deinem Hobby erzählst? Dann wähle dir Priming-Reize aus, die dich an genau diese Situationen erinnern. Das können Bilder auf dem Handy sein, die du dir dann vor dem Termin durchsiehst, oder deine Tanzmusik, in die du dann reinhörst, oder auch etwas, das du tragen kannst wie ein Duft, ein Kleidungsstück oder Schmuck.

Vielleicht ein paar kleine Beispiele aus eigener Praxis und von Coaching-Kunden:

  • Ein schöner Glaskrug gefüllt mit Wasser, der zusammen mit einem passenden Glas auf dem Schreibtisch steht, hat das Problem "wie bringe ich mich dazu, genügend Wasser zu trinken?" sehr wirkungsvoll gelöst. Der Schlüssel war in diesem Fall wirklich die "Schönheit" des Kruges.
  • Eine CD mit Regengeräuschen hilft mir (SD) bei großer Hitze verblüffend gut dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren.
  • Playlists mit energiegeladenen Songs um in Bewegung zu kommen, mit Klassik für konzentriertes Arbeiten, mit chilliger Musik zum "Runterkommen" nach einem aktiven Tag.
  • Ein besonderer Schal, einmal bei einem sehr erfolgreichen Auftritt getragen, der in die richtige Stimmung bringt für wichtige Termine.
  • Ein bestimmtes Parfum, das stark mit "Urlaub, Entspannung" verknüpft ist, hilft einer Kundin, besonders Stressreiche Arbeitsphasen als anregend zu erleben und entspannt zu durchsegeln.
  • Eine Freundin, die ihr Büro zu Hause hat, nutzt zusätzlich zum Ortswechsel (raus aus dem Büro-Raum) einen Ring, den sie am Ende des Arbeitstages ablegt, um für sich einen klaren Unterschied zwischen Arbeitszeit und Privatzeit zu markieren.

Und so kannst du vorgehen:

1. Überleg dir, in welchen Bereichen du dich worauf primen willst (und beginne bitte zunächst einfach mit einem Projekt, später kannst du dann mehr dazunehmen)

2. Durchforste dann die Umgebungen, in denen du dich häufig aufhältst - deinen Arbeitsplatz, dein Zuhause, Auto etc. nach den Priming-Reizen, die schon da sind: Worauf wirst du bisher hier geprimed, welche Assoziationen werden ausgelöst?

3. Experimentiere dann eine Weile damit, dass du Gegenstände, die dich in unerwünschte Richtungen primen, soweit wie möglich entfernst. Also runter von der Pinnwand mit der überlangen To-Do-Liste, die dich in die Stimmung „Überforderung, kann nicht mehr, wie soll ich das alles je schaffen" bringt. Finde einen anderen Platz dafür, an dem du sie nicht ständig siehst. Um Himmels Willen weg mit den „dicken" Bildern, die du dir als Warnung auf den Kühlschrank gehängt hast und die dir in Wirklichkeit nur das Gefühl von Hoffnungslosigkeit vermitteln. Und so weiter. Beobachte dann ein paar Tage lang, was sich nun für dich ändert: Oft reicht es schon, die Auslöser zu entfernen, die uns in unerwünschte Stimmungen oder Verhaltensweisen bringen.

4. Mach für jedes Priming-Vorhaben ein eigenes Brainstorming:

  • Welche Bilder, Gerüche, Klänge, Geschmäcker, Texturen und Gegenstände passen für mich dazu?
  • Welche Worte lösen die gewünschten Assoziationen aus?
  • Gibt es einen Song oder ein Musikstück, der/das genau dies für mich symbolisiert (oder sogar mehrere)?
  • Habe ich Kleidungsstücke, die mich in die gewünschte Stimmung bringen, ein bestimmtes Parfum/Aftershave, ein Schmuckstück?
  • Wie kann ich meine Umgebung umgestalten, damit die passenden Assoziationen angesprochen werden?

5. Und beginne dann mit positiven Priming-Reizen zu experimentieren. Ein jeden Abend leergeräumter Schreibtisch kann z.B. tatsächlich verhindern, dass sich immer stärkere Überforderung breit macht. Und er kann dich in Richtung Klarheit, Überblick, entspanntes Vorgehen, 'ein Schritt nach dem anderen' primen. Eine fröhliche, energiegeladene Playlist, die du auf dem Weg zur Arbeit hörst, kann dich in eine Arbeitsstimmung voller Energie und Leichtigkeit bringen - oder dir maßlos auf die Nerven gehen, weil du in der Früh Ruhe brauchst. Finde heraus, was bei dir am stärksten wirkt (und auch was nach hinten losgeht), indem du immer nur ein paar Ideen zugleich ausprobierst und dich selbst beobachtest - am besten leg dir dazu ein Notizbuch an, damit du deine Eindrücke auch nachlesen kannst.

6. Achte darauf, dass es so etwas wie einen Abnutzungseffekt gibt. Und wechsle dann deine Auslöser aus.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei deinen Selbst-Priming-Vorhaben und sind natürlich neugierig, wie es dir damit geht!

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf: solebenwieichwill.com

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