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Worauf "programmierst" du dich? Der Priming-Effekt und seine Folgen

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YOUNG WOMAN THINKING
Sam Edwards via Getty Images
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Deine Umgebung kann dein Verhalten beeinflussen. Über kaum merkliche Reize: Gerüche, die du kaum wahrnimmst, Bilder, die du nur kurz siehst, Geräusche die dir nicht weiter auffallen. Wie sie dich beeinflussen, hängt von deinen Assoziationen ab.

Worte, die ohne erkennbare Manipulationsabsicht in ein Gespräch einfließen, können uns Menschen darin beeinflussen, wie wir später handeln werden, oder wie wir die Person beurteilen, mit der wir gesprochen haben. Oder unsere Einstellung zu einem Thema. Warum also diesen Effekt nicht gezielt zu deinem Vorteil nutzen? Die experimentelle Psychologie untersucht die Wirkung von „Priming", so wird dieser Effekt genannt, bereits seit etlichen Jahren. Mit sehr spannenden Ergebnissen:

Wenn wir vor einer Rechenaufgabe oder einem Intelligenztest konfrontiert werden mit Hinweisen auf Vorurteile, die es über uns gibt, dann schneiden wir entsprechend besser oder schlechter ab. Z.B. führt eine (unbewusst wahrgenommene!) Erinnerung daran, dass es das Stereotyp gibt, blonde Frauen wären dumm, dazu, dass blonde Frauen bei einer Aufgabe schlechter abschneiden, als wenn sie nicht mit diesem Hinweisreiz konfrontiert sind.

Oder: Eine unauffällige Erinnerung an das Stereotyp, Asiaten wären gut in Mathematik, verbessert die Ergebnisse von asiatisch-stämmigen Amerikanern bei einer Rechenaufgabe dramatisch.

Doch die Ideen, die uns via Priming untergejubelt werden, mĂĽssen nicht in Verbindung mit Stereotypen ĂĽber unsere Person steht, um wirksam zu sein.

Versuchspersonen, die mit Begriffen geprimed wurden, die vage im Zusammenhang mit Höflichkeit stehen, neigen wesentlich weniger dazu, ein privates Gespräch zwischen zwei Versuchsleitern zu unterbrechen, als Versuchspersonen, die geprimed wurden auf Unhöflichkeit.

"Priming" durch Umgebung:

Eines der interessantesten Experimente zu diesem Thema stammt aus den späten 70erjahren: 1979 brachte die Psychologin Ellen Langer eine Gruppe von Menschen über 70 für fünf Tage in einem Gebäude unter, in dem die Zeit um 20 Jahre zurückgedreht schien.

Alles an Möbeln, Geräten, auch an Lektüre und Musik war auf dem Stand von 1959. Die Versuchspersonen wurden dazu angehalten, über Erinnerungen aus dieser Zeit in der Gegenwartsform zu sprechen, als würden Sie sie gerade aktuell erleben, und sie wurden zu Aktivtäten eingeladen, die dem Alltagsleben im Jahr 1959 entsprachen.

Vor Beginn und am Ende dieses fünftägigen Aufenthalts im Jahr 1959 wurden die Versuchspersonen allen möglichen Tests unterworfen, die Rückschlüsse auf das biologische Alter zulassen: Flexibilität, Reaktionsgeschwindigkeit, Sehschärfe, Gedächtnis usw.

Das Ergebnis: Am Ende ihrer Zeitreise schnitten die Versuchspersonen in all diesen Tests wesentlich besser ab, ihr Gehör und ihre Augen hatten sich verbessert, ebenso wie ihr Gedächtnis, ihre Beweglichkeit, Ihre Konzentrationsfähigkeit, ihre Haltung - in allen gemessenen Parametern hatten sich die Ergebnisse so stark verbessert, dass man schließen musste, die Zeitreisenden wären jünger geworden.

"Primst" du dich auf Ăśberforderung?

Priming findet wie gesagt nicht nur durch Worte statt. Auch Gerüche, Gesten, Gegenstände und Musik können uns „primen" - alles im Grunde, was wir wahrnehmen. Und eine gezielt gestaltete Umgebung kann erstaunliche Veränderungen hervorrufen, wie die, dass wir uns jünger fühlen und jünger wirken.

Das ist einer der Gründe, warum z.B. Stapel von Unerledigtem solche Energieräuber sein können: Sie erinnern uns an Vorhaben, die wir noch nicht geschafft haben, lösen Assoziationsketten aus in Richtung Überforderung, nicht bewältigen, zu viel Arbeit, Versagen etc., primen uns also in Richtung Misserfolg.

Dagegen die Pokale von gewonnenen Sportbewerben auf dem Regal, das gerahmte Diplom an der Wand sind aus dieser Sicht sehr produktive Priming-Maßnahmen, und nicht etwa Angeberei oder Selbstverliebtheit: Sie erinnern uns an vergangene Erfolge, und damit an unsere grundsätzliche Fähigkeit, etwas zu erreichen, erfolgreich zu sein und sogar zu gewinnen.

Und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns voller Selbstvertrauen und auch mit der Bereitschaft, Kraft und Ausdauer einzusetzen, in die aktuellen Projekte stürzen. Und damit Erfolg haben.

Schau dich doch mal um, da wo du gerade bist: Worauf wirst du "geprimed" durch deine Umgebung? Welchen Assoziationsketten bist du ausgesetzt? Und welche Maßnahmen könntest du ergreifen, um dich in eine Richtung zu primen, die deinen Wünschen, Zielen und Vorhaben entspricht?

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf: solebenwichwill.com

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