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Anti-Chaos-Methoden, die auch für Kreative funktionieren

20/07/2016 16:27 CEST | Aktualisiert 21/07/2017 11:12 CEST
Jetta Productions via Getty Images

Chaos, Papierstapel und ein langer „Back Log" an unerledigten Dingen gehören zu den größten Energieräubern: Auch (oder gerade?) für Menschen mit Neigung zum „kreativen Chaos".

Wenn du da dazugehörst, dann weißt du, dass viele Ideen zum Thema Ordnung schaffen und behalten bei dir nicht auf Dauer funktionieren, einfach weil du nicht so tickst.

Zugleich weißt du auch, dass zu viel Chaos im Außen ein Gefühl von Durcheinander im Kopf erzeugt, und dir den Fokus raubt. Wir (ja, ich oute mich hier - sd) brauchen Methoden, die uns entgegenkommen, statt uns verändern zu wollen. Hier sind die besten, die ich bisher gefunden habe. Sie haben sich bei mir selbst und auch bei Coaching-Kunden bewährt.


Kiste, Liste, halbe Stunde

Hilft gegen: Papierstapel am Schreibtisch, auf dem Küchenbord, im Bücherregal etc.

Nimm dir für den Anfang zunächst 10-20 Minuten Zeit und eine (am besten schöne) Kiste oder Schachtel, in die A4-große Papiere gut hineinpassen. Jetzt nimm jedes Stück Papier in die Hand, das herumliegt. Wenn es ins Altpapier kann, weg damit. Wenn nicht, leg es in die Kiste.

Daneben schreibst du die Erledigung, die mit dem Papier verbunden, ist auf eine Liste. „Rechnung bei Versicherung einreichen. Vorher kopieren", schreibst du also auf und legst die Rechnung in die Kiste. Nächstes Papier: „Seminarunterlagen in den Ordner", und die Unterlagen in die Kiste. Nächstes Papier, bis alle Papiere entweder in der Schachtel sind, oder im Mist.

Schreibtisch abwischen, eine Vase mit Blumen draufstellen und freuen.

Ok, das Wichtigste kommt jetzt: Schreib neben jeden Punkt auf deiner Liste, wie wichtig er ist auf einer Prioritäten-Skala von 1 bis 3. Und eine Schätzung, wie lange die Sache dauert. Und jetzt trag dir für heute oder morgen eine 30-Minuten-Einheit in deinen Kalender ein, in der du beginnst, diese Liste abzuarbeiten. Das Wichtigste zuerst, und ablenkungsfrei eins nach dem anderen. Bring am besten jeden, oder zumindest jeden zweiten Tag eine solche 30-Minuten-Session unter, bis die Kiste leer ist.

Und wenn sich das für dich bewährt hat, dann behalte die Methode und die 30-Minuten-Einheiten für „Papiere erledigen" einfach bei. Sobald du den Back Log los bist, reicht meist ein- bis zweimal in der Woche.


Das „Leg es zurück, wisch es auf, wirf es weg"-Sofort-Prinzip

Hilft gegen: Weitere Ausbreitung von Chaos

Wenn du dich an dieses Prinzip hältst, und die Menschen in deiner Umgebung dazu bringst, das auch zu tun, dann wird das Chaos zumindest nicht größer. Und es braucht länger, um nach einer Ordungsrazzia wieder zurückzukehren.

Ganz simpel: Was auch immer du (oder die Menschen mit denen du zusammenlebst) verwendest, leg es nachher sofort wieder an seinen Platz. Wenn etwas verschüttet wird, wisch es sofort weg. Und wenn es in den Mist gehört, wirf es sofort weg. Das Schlüsselwort ist sofort.


Das Prinzip „Insel der Ordnung"

Hilft gegen: Das Chaos der anderen

Wenn du in einem z.B. durch Kinder und andere Mitbewohner teilweise fremdbestimmten Chaos lebst, und dich damit nicht wohlfühlst, dann erschaffe dir eine Insel der Ordnung.

Das kann ein Zimmer sein, die Oberfläche einer Kommode, ein Regal - ganz egal, es muss nur ein Raum, eine Ecke oder Möbelstück sein, das dir alleine gehört. Dort richtest du dir alles so ein, dass du das Empfinden von vollkommener Klarheit und Ordnung hast - einfach nach deinen Bedürfnissen und Kriterien. Und diese Zone ist für alle anderen Menschen komplett tabu.

Wenn du dich vom Chaos der anderen überwältigt fühlst (und in Gefahr bist, für seine Beseitigung mehr als deinen fairen Anteil an Verantwortung zu übernehmen), dann besuche deine Insel der Ordnung und genieße sie ausgiebig. Tank dich auf mit der Klarheit, die du brauchst.


Ausmisten nach der Konmari-Methode

Hilft gegen: Zu viele Sachen und die Neigung, immer neue fragwürdige Beute heimzutragen

Marie Kondo ist eine japanische Ausmiste-Expertin, die mit ihrer eigenwilligen Herangehensweise auch in den USA und bei uns Furore macht. Ihr Buch heißt "Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert".

Ihre Methode passt nicht für jeden - wenn dich große Vorhaben schnell einschüchtern oder einfach unattraktiv sind für dich, dann lies nur Punkt 4!

Hier die wichtigsten Prinzipien daraus:

  1. Ausmisten in einem Zug, also nicht "einmal da ein bisschen" und "einmal dort ein bisschen". Marie Kondo hat die Erfahrung gemacht, dass kleinweises Ausmisten (10 Minuten am Tag, ein Stück am Tag, eine Lade auf einmal - es gibt dazu viele Ideen auf dem Ausmiste-Markt) das Problem nicht an der Wurzel packt. Macht man sich dagegen dran, alles auf einmal auszumisten, als Projekt in einem Aufwaschen, dann ist das Erfolgserlebnis und die Veränderung, die man wahrnimmt, so stark, dass die Chancen enorm steigen, diesen Zustand aufrecht zu erhalten.

    Hier bist du gefragt und deine Selbsteinschätzung: Ist das bei dir auch so, oder würde dich das Projekt wegen seines Umfangs erschlagen - oder ewig vor dir hergeschoben werden? Dann nimm lieber eine der Methoden, die es dir erlauben, kleinweise zu arbeiten.

  2. Nicht nach Räumen, sondern nach Kategorien von Gegenständen gehen, am besten in dieser Reihenfolge (von leicht nach schwierig): Kleidung, dann Bücher & CDs, dann Kleinkram, Papiere und schließlich Erinnerungsstücke.
  3. Alle zu der Kategorie gehörenden Gegenstände herausräumen (ja, alle auf einmal - auf den Boden, aufs Bett, wo Platz ist), und weiter mit Punkt 4:
  4. Das Allerwichtigste und Wirksamste an der Konmari-Methode ist vermutlich das Kriterium, nach dem ausgemistet wird. Vergiss „Wie oft brauche ich das?", vergiss "Wann habe ich das zuletzt getragen?", „Könnte ich das nochmal brauchen?" und ähnliche Fragen. Ausmisten à la Marie Kondo funktioniert so: Du nimmst jedes Stück in die Hand und fragst dich: „Löst das in mir Freude aus?". Spür dabei in deinen Körper hinein. Wenn die Antwort ja ist, behältst du es. Wenn nicht, nicht. So simpel! (Ausnahmen die wir anregen würden: Dokumente und Steuerunterlagen, die du aufheben musst, Dinge die nicht dir gehören, und notwendige Geräte)


Wohnung für Ideen: Das "kreative Projektbuch"

Hilft gegen: das Verlorengehen von Ideen, Überforderung wegen zu vieler Ideen

Das kreative Projektbuch ist die Antithese zur freudlos-grauen Liste. Es ist groß, es darf richtig bunt drin zugehen, du zeichnest, klebst ein oder schreibst - und mit ein paar Tricks findest du alles wieder. Wir haben diese Idee von Sandra Reekers, die auf ihrer Seite einfachdranbleiben.de ein wunderbares kleines E-Book mit der Anleitung dazu verschenkt. Hier findest du es - einfach ans Ende der Seite scrollen und bestellen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf solebenwieichwill.com

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