Huffpost Germany
Petr Bystron Headshot

Weihnachtskatastrophe: Playmobil statt iPad

Veröffentlicht: Aktualisiert:

Dieses Jahr war Weihnachten eine Katastrophe. Unsere siebenjährige Tochter Anna heulte unter dem Weihnachtsbaum wie ein Seehund. Meine Frau verließ nach wenigen Minuten entnervt das Wohnzimmer, etwas vom undankbaren Balg murmelnd. Mein Körper blieb zwar noch auf der Couch sitzen, doch mein Geist stand da schon lange auf dem Balkon und rauchte eine Beruhigungszigarette.

Dabei fing alles so gut an. Unser vierjähriger Sohn versuchte beim vormittäglichen Besuch des Tierparks ausnahmsweise nicht auf den Zwergziegen zu reiten, die gleich hinter dem Eingang ums Futter betteln. Er steckte auch seine Hand nicht in das Löwengehege, um die süßen Tierchen zu streicheln. Stattdessen trug er tapfer die ganze große Runde seinen Rucksack mit Getränkeflasche und Keksen auf dem Rücken und aus den Händen ließ er die Karte nicht los, die er am Eingang bekommen hatte.

Auch während des Gottesdienstes am Nachmittag waren beide Kinder wie zwei Engelchen. Die Erwartung der Geschenke unter dem Weihnachtsbaum wirkte wahre Wunder.

Trotz dieser Ruhe vor dem Sturm hätten wir es ahnen können. Schließlich wurden wir gewarnt. Zwei Tage vor Weihnachten präsentierte uns Anna nämlich Ihren Wunschzettel, mit der Bitte um Weiterleitung an den Weihnachtsmann. Es stand drauf: „Echta Kompjuta. So ain tail ich wais nich wie des haist aba ich nene es ai Podt und aine Babi di di ame Kniken kone und di Baine kniken kone unt ain Babi Swombat."

Eine Barbiepuppe samt Swimming Pool wäre noch akzeptabel angesichts der Tatsache, dass es nur wenige Wochen zuvor zum Geburtstag ein Barbie-Haus gegeben hatte. Aber einen echten Computer? Und noch ein iPad dazu??? Also ignorierten wir den Zettel. Schließlich waren wir uns sicher, der Weihnachtsmann würde dieses Erstklässler-Deutsch eh nicht entziffern können, selbst wenn er gewillt wäre am 23.12. noch schnell einen Computer und einen iPod mit kindergerechten Programmen herzuzaubern.

Das war ein Fehler. Zwar stürzte sich Anna auf die Geschenke wie jedes Jahr zuvor. Sie riss zuerst die größte Kiste auf - die Playmobil-Schule. Doch anders als in der Vergangenheit, drangen keine Freudeschreie aus ihrer Kehle hervor. Ihre Miene verfinsterte sich stattdessen mit jedem weiteren geöffneten Päckchen immer mehr. Bis auch das letzte Buch und das letzte TipToi ausgepackt war. Dann heulte sie los.

Gott sei Dank, glaubt sie immer noch, der blöde Weihnachtsmann hätte ihr die richtigen Geschenke vorenthalten. Natürlich bekamen wir auch unseren Fett ab, weil wir den Wunschzettel zu spät abgeliefert hatten. Aber ich möchte es gar nicht sehen, was bei uns los sein wird, wenn sie erst Mal rausbekommt, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt...