Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Petr Bystron Headshot

Taubers Bankrotterklärung: Wo die CDU steht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PETER TAUBER
dpa
Drucken

Das heute vom CDU Generalsekretär Tauber in der WELT veröffentlichte „Manifest" ist ein Zeugnis der Orientierungslosigkeit und Zerrissenheit der CDU. Die zusammenhanglos aufeinandergereihten zehn Punkte offenbaren, wie tief die Sinnkrise der Partei ist.

Alleine die Tatsache, dass nun einfache Apparatschicks mit dem geistigen Tiefgang eines Luftkissenbootes für die Abfassung von Partei-Manifesten betraut werden, spricht Bände. Die Denker mit Tiefgang haben wohl die Partei bereits verlassen. Oder sie kommen in ihr nicht mehr zu Wort.

Mehr zum Thema: "Ich bin aus der CDU ausgetreten und kann alle ermuntern, mir zu folgen"

Die Partei steckt in einer Zwickmühle: Man merkt, dass der dramatische Linksruck, mit dem Merkel die einst konservative CDU weit in die Gefilde von SPD und Grünen hinein manövriert hat, den politischen Freiraum für eine neue konservative Kraft geschaffen hat - die AfD. Nun will man diesen Raum zurückerobern und gleichzeitig die linken Positionen nicht aufgeben. Ein Spagat, der nicht gelingen kann.

„Wir wollen keine andere Republik", schreibt Stratege Tauber und vollzieht damit eine 180-Grad Kehrtwende zu Merkels Mantra „Deutschland muss sich verändern".

Man lässt fast zwei Millionen Migranten überwiegend aus islamischen Ländern innerhalb von nur zwei Jahren nach Deutschland einwandern und behauptet, man will „keine andere Republik"? Da liegt der Verdacht nahe, dass die politische Annäherung der CDU an die Grünen bereits zur Übernahme deren Lebensstils geführt hat - einschließlich der Einnahme von psychedelischen Substanzen durch die Parteifunktionäre.

Benebelt oder nicht - immerhin merkt man noch, dass ein „C" im Parteinamen steht und verkündet auch, das „christliche Menschenbild" sei die „Grundlage unserer politischen Überzeugungen".

Da will Tauber wohl der eigenen Parteibasis wie auch den ehemaligen Wählern einreden, die CDU stünde immer noch für die traditionellen Werte wie zu Kohls und Adenauers Zeiten. Doch gleich wenige Zeilen weiter fordert man schon jeden, „egal welcher Herkunft er ist oder welchen Glauben er hat", bei der CDU mitzumachen. Denn, das „C" sei lediglich „ein Orientierungspunkt" der niemanden ausschließe.

Plötzlich sind "Christdemokraten stolz auf unser Land"

Schön ist auch Kauders Kotau vor der Vaterlandsliebe der AfD: Plötzlich sind „Christdemokraten stolz auf unser Land". Das ist ja gut zu wissen, bei einer Partei, deren Chefin vor laufenden Kameras die Deutschlandfahne zerknüllt und in die Ecke wirft, um ja nicht mit diesem nationalen Symbol gesehen zu werden.

Darf man nun draus schließen, dass man fortan nicht mehr als „Nazi" und „Irrer AfD-ler" verunglimpft wird, wenn man die deutsche Fahne schwenkt? Das wäre sicher eine schöne Geste an das bürgerliche Publikum, dürfte jedoch zu einigen Irritationen bei den neuen Freunden der CDU aus den Reihen der GrünInen führen, die gerne bei Demos vorne mitmarschieren, auf denen „Deutschland ist scheiße!" und „Deutschland verrecke!" geschrien wird.

Durch Taubers Interpretation des „C" im Namen seiner Partei findet der „Patriotismus" der CDU sowie deren „Vaterlandsliebe" „eine klare Grenze nach rechts". Das ist schön zu hören, denn hinter dieser Grenze ist noch sehr viel Platz für eine ganze Volkspartei, bis die sprichwörtliche „Wand" kommt, zwischen die und seine CSU Franz Josef Strauß früher keine Partei reinlassen wollte.

Denn wer „Vaterlandsliebe" und „Patriotismus" so interpretiert, dass man die Grenzen des Landes, welches man zu lieben vorgibt, Monate lang völlig offen lässt und wer dadurch seiner Bevölkerung die Folgen der unkontrollierten Zuwanderung von hunderttausenden Fremden aufbürdet, der ist bei den „Deutschland verrecke!" Demos bestens aufgehoben.

Nur steht er damit sehr weit links und nicht in der „Mitte der Gesellschaft", wie es Tauber für die Merkelsche CDU gerne herbei fabulieren würde.

Viel erinnert an offizielle Partei-Texte aus der DDR

Es ist erschreckend, wie viele Passagen im Taubers „Manifest" den Duktus eines dem Untergang geweihten Systems tragen. Viele Absätze erinnern an offizielle Partei-Texte aus der DDR. Auch dort blickte man gerne zurück, um die Errungenschaften des real existierenden Sozialismus loben zu können. Auch Tauber ist stolz auf „70 Jahre Frieden" sowie „Wohlstand, den die Generationen vor uns nie kannten" und der „1945 völlig undenkbar schien".

Auch die leeren Phrasen zur Europa, das für Tauber die „Grundlage für Frieden, Freiheit und Wohlstand" seien, hätten genauso in jedem SED-Papier zur „internationalen Völkerfreundschaft" stehen können.

Die völlig unkritische und bedingungslose Treue der DDR gegenüber der Sowjetunion wurde bei der CDU durch ebenso devote Haltung der NATO und den USA gegenüber ersetzt. Dass dieses Bündnis auch in der Zukunft ganz automatisch „die Grundlage für Frieden" seien wird, ist angesichts der militärischen Aktivitäten der NATO an den Grenzen zu Russland sowie dem US amerikanischen Militärengagement im Nahen Osten recht offen.

Im Moment tragen die militärischen Aktivitäten der USA und der NATO eher zur Verschärfung der bestehenden Spannungen bei, als zur Deeskalation der Konflikte. Eine an den Interessen des deutschen Volkes ausgerichtete Außenpolitik darf keine blinde Gefolgschaft beinhalten - auch nicht gegenüber unseren Freunden den USA gegenüber.

"Ein souveränes Land stellt keine Blanko-Schecks an Großmächte aus."

Eine Partei, die sich ein souveränes Deutschland wünscht, fordert solches Verhalten nicht ein.

Eine Bankrotterklärung der CDU

Das ganze Pamphlet ist ein einziger hilfloser Versuch, sich von der AfD abzugrenzen. Tauber widmet der AfD sogar einen eigenen Punkt. Das muss man sich erst Mal vorstellen - die Partei Konrad Adenauers, die einst für den Erfolg der Bundesrepublik stand, definiert sich selbst heute durch die Abgrenzung zu einer drei Jahre jungen Neugründung auf der politischen Szene Deutschlands.

Alleine diese Tatsache ist eine Bankrotterklärung der CDU, der Inhalt dieser Abgrenzung die nächste. Denn hier verbreitet Tauber statt sachlicher Argumente lediglich die übliche linkspopulistische Hetze gegen die AfD. Dabei steigert er sich sogar zu der Aussage, die AfD sei „gegen die Meinungsfreiheit".

Immerhin - um seine berufliche Zukunft braucht sich Tauber nach dieser Glanzleistung keine Sorgen zu machen. Ein Posten als Gag-Schreiber in der öffentlich-rechtlichen Heute Show dürfte für ihn ab heute bis in alle Ewigkeit reserviert bleiben.

Ob die Menschen angesichts der Probleme in unserem Land auch weiterhin von Clowns regiert werden möchten, ist hingegen fraglich.

Das könnt euch auch interessieren: "Natürlich fahren wir nach Syrien in den Urlaub"

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.