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Höcke bei Jauch: die öffentlich-rechtliche Inquisition schlägt zu

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dpa
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Die jüngste Sendung von Günther Jauch markiert den neusten Tiefpunkt öffentlich-rechtlicher Hetze gegen die AfD. Gleich zu Anfang wird Björn Höcke und der AfD die Schuld daran in die Schuhe geschoben, dass ein wirrer Nazi die SPD-Politikerin Henriette Reker lebensgefährlich verletzt hatte.

Im weiteren Verlauf der Sendung dürfen sorgfältig ausgewählte Polit-Kader auf Höcke draufdreschen. Die mediale Hinrichtung verlief so gut, dass Günther Jauch auf der Zielgeraden der Sendung sogar genüsslich lächelnd Höcke fragte, ob er denn die Sendung für „gleichgeschaltet" halte.

Aber der Reihe nach. Zum Auftakt wurden Ausschnitte aus Höckes Reden bei Demonstrationen in Erfurt präsentiert. Seine „Hetze" wäre der Grund für solche Taten, wie das Attentat von Köln. Der SPD Justizminister Heiko Maas durfte Höckes Redebeiträge gleich als „widerlich" beschimpfen, die Regie mischte fröhlich Aufnahmen von Pegida-Demonstrationen mit AfD-Kundgebungen.

Der bei der Pegida mitgeführte Galgen für Merkel und Gabriel musste als Beweis für die angebliche AfD-Hetze herhalten. Maas offenbarte sein Verständnis von Demonstrationsfreiheit und freier Meinungsäußerung, indem er sich darüber beschwerte, dass niemand von den 10.000 anwesenden Demonstranten den Träger des Galgens bei der Polizei denunziert hatte.

Dass gerade in Köln alljährlich beim Karnevalsumzug oft viel härtere Geschütze gegenüber den herrschende Politikern aufgefahren werden, als jetzt einmalig im mehrere Hundert Kilometer entfernten Dresden, war der Regie keinen Bildbeitrag wert, ebenso wie die Aufnahmen von linken Demonstrationen in der Vergangenheit, bei denen zum Beispiel Helmut Kohl oder Theo Weigl am Galgen baumelten. Dafür schaffte man den Eindruck, AfD-Höcke wäre für die steigende Zahl an abgefackelten Asylbewerber-Heimen verantwortlich.

Als nächstes durfte die Redakteurin des Staatssenders MDR Anja Reschke einige hasserfüllte Mails vorlesen, die sie nach einem Kommentar erhielt, in dem sie sich offensiv für die Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen in Deutschland aussprach. Und wieder sollte Höcke und stellvertretend mit ihm die ganze AfD dafür herhalten, dass Frau Raschke hasserfüllte oder beleidigende Mails erhält.

Warum wurde niemand von einer wirklich rechtsradikalen Partei wie der NPD eingeladen - also von denen, die wirklich Hass gegen Flüchtlinge schüren? Vielleicht, weil dann klar wäre, dass die AfD lediglich die Sorgen der Bürger aus der Mitte unserer Gesellschaft artikuliert.

Welche Berechtigung die Einladung einer Nachrichtensprecherin eines Staatssenders in eine politisch besetzte Talkrunde hat, wissen wohl nur die Intendanten der ARD selbst. Die Frau repräsentiert keine politische Partei, keinen Verband, keine Organisation. Im real existierenden Sozialismus besetzten solche Rollen ebenso hübsche und der herrschenden Ideologie genauso unkritisch eingestellte Aktivistinnen aus den Reihen der FDJ. Frau Reschke teilte kräftig aus und erfüllte ihre Rolle vorbildlich.

Noch besser machte sich Klaus Bouillon. Der CDU Politiker aus dem Saarland stellte seinen Schreibtisch für vier Wochen in einen Aufnahmelager für Asylbewerber und überraschte anschließend im Saarländischen Landtag mit einer Rede, in der er auf derart Überraschendes hinwies, wie den Umstand, dass die ganzen Moslems die Annahme von Lebensmitteln aus den Händen deutscher Helferinnen verweigern, da Frauen für sie unreine Wesen sind.

So viel Mut verschafft Bouillon eine gehörige Portion Glaubwürdigkeit, die man bei Frau Reschke vergeblich suchen würde. Mit so vielen praktischen Erfahrungen aus dem Asylantenlager ausgestatten, durfte der CDU Mann nun das Mantra der Kanzlerin verkünden: „Ja, wir schaffen es!".

Warum hatte man die SPD-Sozialreferentin Brigitte Meier aus München nicht eingeladen, die neulich öffentlich unter Tränen bekennen musste: „Wir stemmen es nicht mehr!" Warum hatte man nicht einen der unzähligen Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte der CSU eingeladen, die tagein, tagaus ihre eigene Landesregierung anflehen, doch bitte zu helfen, denn sie seien bereits jetzt überfordert? Warum kam der Chef der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt nicht zu Wort? Seine Aussage: „Es muss zuerst überall lichterloh brennen, bis die Politik etwas auf die Reihe bekommt" hätte wohl nicht so ins Konzept der Sendung gepasst.

Denn dann wäre klar, dass für die überfüllten Asylunterkünfte, die Frustration der Flüchtlinge, die Ängste der deutschen Bevölkerung - für das ganze Elend dieser Asylkrise - einzig Angela Merkel mit ihrer Regierung verantwortlich ist. Denn die AfD hat weder die Migranten nach Deutschland eingeladen, noch ist sie dafür verantwortlich, dass sie hier nun unter menschenunwürdigen Bedingungen ihr Dasein fristen müssen. Diese Misere geht allein auf das Konto der Regierung Merkel.

Die AfD artikuliert lediglich die Sorgen und Ängste der deutschen Bevölkerung. Auf sie deswegen mit der Nazi-Keule draufzuschlagen, wird keines der Probleme lösen.

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