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CSU bundesweit? Niemals!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HORST SEEHOFER
Bernadett Szabo / Reuters
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Die CSU versucht seit Tagen in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, sie würde ernsthaft über eine bundesweite Ausdehnung nachdenken. Dabei sind diese Gedankenspiele in Wirklichkeit lediglich billiges Protzen fürs heimische Publikum in Bayern. Denn diesen Schritt vollziehen wird die CSU nie.

Die ganze Diskussion soll die Talfahrt kaschieren, in der sich die Unionsparteien seit Monaten befinden. Seit neusten Umfragen stehen CDU und CSU zusammen nur noch bei 30,5%. Das Bedeutet, dass die CDU nur etwa 23% der Stimmen hat, die CSU etwa 7%. Das ist ganz schön mager. Darauf zu spekulieren, dass man viele Wähler der AfD abfischen könnte, ist töricht. Denn das Wählerelektorat der AfD speist sich aus dem Protest gegen die Altparteien. Die CDU und CSU würden sich nur gegenseitig kanibalisieren.

Die CSU hält sich durch demonstrativ zur Schau gestellte Kraftmeiereien am Leben. Egal, dass man selbst zusammen mit der CDU und SPD in Berlin in der Regierung sitzt - von München aus schimpft man regelmäßig gegen „die da in Berlin". Ein Ultimatum hier, eine Klageandrohung da, die Bajuwaren inszenieren sich immer wieder als die großen Rebellen mit der dicken Lederhose. Dass es alles nur heiße Luft ist? Geschenkt. Hauptsache, man plustert immer wieder die Backen kräftig auf.

Offenbar flaut der Aufreger der letzten Monate - die Asylkrise - etwas ab. Also muss ein neues Thema her. Die bundesweite Ausdehnung der CSU eignet sich als dafür als Nebelkerze hervorragend.

Das Thema kommt seit November 1976 immer wieder hoch. Damals boxte Franz Josef Strauß in Wildbad Kreuth den Trennungsbeschluss durch. Doch selbst unter Strauß hielt der Hochmut der CSU nicht lange: bereits nach drei Wochen wurde der Beschluss schleunigst wieder einkassiert.

Dafür gibt es gute Gründe. Die größte Stärke der CSU würde sich durch eine bundesweite Ausdehnung nämlich zur Schwäche umwandeln. Die CSU ist eine bayerische Regionalpartei. So lange ihr niemand rechts der Mitte im Revier wildert, ist sie in Bayern der Platzhirsch. Würde sie sich in andere Bundesländer ausdehnen, käme im Gegenzug die CDU in ihren Vorgarten hereinspaziert. Selbst Markus Söder sagte für den Fall voraus, „halb Franken" würde dann die CDU wählen. In Großstädten wie München und Nürnberg würden viele Wähler ebenso zur CDU überlaufen.

Natürlich würde die CSU dafür auch Mandate außerhalb Bayerns bekommen. Nur, profitieren davon würde lediglich die Partei - aber nicht die bayerischen Parteifunktionäre. Die kleinen Hinterbänkler, die sich bis jetzt über sichere Listenplätze auf die hinteren Plätze der Parlamente durchgewurstelt haben, kämen plötzlich leer aus.

Dass ihren Platz dafür jemand aus Niedersachsen oder Hessen ergattern würde, der ebenfalls unter der CSU-Fahne anträte, ist diesen Leuten herzlich Wurst. So lange die bayerischen Funktionäre über die Ausdehnung zu entscheiden haben, kommt sie daher sicher nicht. Den aus deren Sicht gibt es nur eine Menge zu verlieren - und nichts zu gewinnen.

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