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Boateng-Affäre: Medien-Versagen ungeheuerlichen Ausmaßes

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GAULAND
HANNIBAL HANSCHKE / Reuters
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Wenn es darum geht, die AfD anzuschießen, lassen zahlreiche Medien die elementarsten journalistischen Grundsätze gerne Mal unter den Tisch fallen. Mittlerweile hagelt es Kritik nicht nur aus Fachkreisen. Im aktuellen Fall Gauland/Boateng manipulierte sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die Geschichte so stark zu Recht, dass sie Teile auf gerichtlichen Beschluss tilgen musste.

Die Tat: Die Redakteure der FAS, Eckart Lohse und Markus Wehner, führten letzte Woche ein Hintergrundgespräch mit Alexander Gauland über das Thema "Fremd sein in Deutschland und Integration".

Hintergrundgespräche dienen der Information der Journalisten, es gilt die eiserne Regel, dass aus ihnen nicht zitiert wird. Lohse und Wehner setzten sich über diese Regel hinweg und fabrizierten ein Stück, in dem Gauland sagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Ein weiterer Kollegen drechselte daraus die Überschrift: "Gauland beleidigt Boateng!"

Die Folge: Ein medialer Orkan. Alle großen Mainstreem-Medien vom Spiegel über Focus bis hin zur Abendschau überboten sich in der Kreuzigung Gaulands. Die üblichen Verdächtigen aus den Reihen der SPD und Grünen durften wieder mit Begriffen wie "Rassismus und Menschenverachtung" um sich schmeißen. Ja sogar Angela Merkel war schnell mit von der Partie und brandmarkte Gauland als "niederträchtig".

In der Redaktion herrschte klammheimliche Schadenfreude

Dabei lag den Redaktionen bereits am Sonntag eine Pressemitteilung Gaulands vor, in der er klarstellte, Boateng nicht beleidigt zu haben. Die beiden Journalisten gaben später im Deutschlandfunk zu, den Namen Boateng selbst ins Gespräch gebracht zu haben. In der Redaktion herrschte wohl klammheimliche Freude über die Idee, aus diesem banalen Satz, der in einem anderen Kontext gesagt wurde, einen Skandal zu produzieren.

Der Online-Redakteur Thomas Holl twitterte schadenfroh: "gesagt ist gesagt, alles auf Band!". Bereits wenige Stunden später musste er jedoch zurückrudern: "Korrektur: Gauland nicht auf Band, aber von beiden Kollegen handschriftlich aufgezeichnet."

Selbst der sonst recht AfD-kritische Journalist Stefan Winterbauer beurteil auf dem journalistischen Fach-Blog Meedia.de das Gebaren der FAZ kritisch: "Da es sich um ein Hintergrund-Gespräch gehandelt hat und den Redakteuren die enorme Brisanz des Zitats offensichtlich sehr bewusst war, wäre es ein Gebot der Fairness gewesen, dieses spezielle Zitat noch einmal zur Autorisierung vorzulegen."

Die Antwort, warum die Kollegen jedoch eine Freigabe lieber nicht angefragt hatten liefert der Fachjournalist gleich mit: "Wahrscheinlich hätte Gauland das dann aber nicht autorisiert und die FAS hätte nicht ihren Anti-AfD-Aufreger auf dem Titel gehabt."

Journalistische Grundsätze werden über Bord geworfen, falls es gegen die AfD geht

Noch härter geht mit den FAS-Redakteuren der Deutsche Journalisten Verband ins Gericht. Eine auf der Verbandsseite von Berlin Brandenburg veröffentlichte Stellungnahme gleicht einer gepfefferte Ohrfeige für die FAS: "Journalistische Grundsätze werden mittlerweile über Bord geworfen, falls es gegen die AfD geht. Gleichzeitig zeigen sich die gleichen Medien völlig überrascht, dass sie immer öfters als "Lügenpresse" beschimpft werden."

Doch der FAS ging es in dem Artikel wohl nur um eins: AfD-Bashing. Das manipulierte Zitat von Gauland war dem Blatt offenbar nicht genug, man musste auch noch ein falsches Zitat von Björn Höcke in den Artikel hineinschreiben. Peinlich: Höcke ist gegen das Blatt sofort juristisch vorgegangen, die FAS musste seinen Namen und das Zitat aus dem Artikel entfernen, in den Online-Archiven fehlt gar der komplette Artikel, wie das Medienportal ÜberMedien berichtet.

Schon Goebbels wusste: Tausendfach wiederholte Lüge wird zur Wahrheit.

Der Imageschaden für die AfD ist trotzdem immens. Eine tausendfach wiederholte Lüge wird zur Wahrheit, das wusste schon Joseph Goebbels. Was am Sonntag Abend in der Abendschau verkündet und parallel von allen großen Medien millionenfach wiederholt wurde, ist aus den Köpfen von Millionen Menschen nicht mehr weg zu tilgen. Ebenso ist es mit dem angeblichen "Schießbefehl" von Frauke Petry.

Auch an den glauben bis heute viele Menschen. Dabei hieß das Zitat von Frauke Petry damals wörtlich: "Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. Entscheidend ist, dass wir es so weit nicht kommen lassen." Der Mannheimer Morgen kreierte daraus die Überschrift: "Petry fordert Schießbefehl!". Wen schert es, dass dies ziemlich das Gegenteil von der Originalaussage ist?

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