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Gespräche zwischen Mafiosi mit deutscher Beteiligung

28/02/2016 18:36 CET | Aktualisiert 28/02/2017 11:12 CET
Digital Vision. via Getty Images

"Guten Tag, Don Nicola!

Hör auf mit diesem Don...Wer ist dran?

Ich, Mario...Don...ja (lacht)...

Oh...wie geht's?

Gut! und du Nicola?

Entschuldige...ich wollte nicht...

Wie geht es dir?

Gut, gut, gut...wir arbeiten wie die Verrückten...du?

Oh...es geht voran...wir sind hier in diesem Spektakel, in diesem Zirkus...

Zirkus ist wenig ...wir sind hier mit deutschen Freunden...von der HSH NordBank...wir lassen sie den Park besichtigen...

Verstehe...

Und dann sind da all diese widerlichen Notizen...

Eine Scheißschweinerei ist das...

Wir haben die Anwälte dran, wir haben Anzeige erstattet und werden sehen, was daraus wird...

Ich habe das Interview gesehen... Du hast es ihnen gegeben!...(lacht)

Hör mir zu...ich...ich und meine Teilhaber, wir sind mehr als ruhig in Bezug auf das, was wir gemacht haben...

Das steht außer Frage...aber du weißt du, wenn man redet...wenn es vorkommt, dass man redet...manchmal redet man ...entschuldige, du weißt, wie das geht?

Nein, nein, sie wissen nichts...

Er sagt, jemand hat gesagt..., ihr wisst, wie diese Dinge ablaufen.

Hallo...?

Hallo, Signor FERRANDO!

Wer spricht?

Guten Tag, ARENA...

Don Nicola, guten Tag...

Danke für das Don, aber ich muss überlegen, ob ich Priester bin...(lacht)

Weil Sie das Gesicht eines Priesters haben?

Und ich hoffe es, ich meine, ein Priester zu sein...später erzähle ich Ihnen, was das zu bedeuten hat...

Wissen Sie, was man dagegen bei uns sagt?

Ja...

Man sollte es nicht sagen...wenn du in der Ferne einen schwarzen Schatten siehst, schieß...es könnte ein Priester sein...(lacht)

Verdammt...

Gefällt Ihnen das nicht...Nein, nein, nein...

Wie geht's?

Sehr gut...wir arbeiten wie die Verrückten, aber es läuft sehr gut, wir werden das Vergnügen haben, vorbeizukommen, um Sie zu begrüßen...wann dürfen wir diese Ehre haben?

Wann Sie wollen!

Am Nachmittag?

Nein, heute Nachmittag nicht, ich erkläre Ihnen sofort warum...

Oder morgen früh?

Morgen früh, ja, am Nachmittag nicht, weil ich zu einer Beerdigung muss, auf der ich nicht fehlen darf...

Ich hoffe, er war alt...

Nein...es war eine alte Frau, aber sie war die Mutter eines sehr guten Freundes...

ah...ah...das tut einem immer leid...

Freunde der Familie...

Signor FERRANDO, also dann morgen um zehn?

Ja, wenn Sie hier unten am Eingang sind, sagen Sie, dass man mich rufen soll, und ich komme dann...

Sehr gut...ok, dann sehen wir uns morgen früh um zehn...

Wir sehen uns morgen früh...

Immer ein Vergnügen...

Danke...ciao

Ciao, ciao.-

Was gibt es Neues?

Alles ok...

Aber da sind die Ermittlungen...um nicht zu sagen, die üblichen Ermittlungen...die..

Ja, da sind die Ermittlungen!

Und selbst wenn sie nicht da sind...es gibt sie

Es gibt die parlamentarische Anfrage

Es gibt sie...mit Namen

Es gibt die parlamentarische Anfrage wegen dieses Miststücks, und dann taucht dieses Stück Scheiße wieder im "Espresso" auf, vom Morgen bis zum Abend befassen wir uns mit diesem Stück Scheiße

Hör zu Robi! Hast du die neue Sendung auf RAI 2 gesehen?

Nein.

Und wieder ... ARENA ... Beteiligung an Windkraft ... bla, bla, bla ... aber können wir jemand anzeigen oder lassen wir uns wieder verarschen?

Dafür gibt es keine Handhabe, weil sie erzählen, was schon gesagt wurde, das sind Arschlöcher, Hundesöhne...

Ich habe es nicht direkt gesehen.

Nein, nein, sie haben es direkt so gesagt.

Sie lassen es durchblicken...

Nein, nein, nein... die Geschäfte der ARENA mit der Windenergie...

Sie sprechen von unserem Windkraftpark?

Ja, ja, sie haben ihn auch gezeigt!

Wann, gestern Abend?

Gestern Mittag;

Wo?

Auf RAI2, um 13.00;

Was, in den Nachrichten oder...?

Ja, ja, in den Nachrichten, wo wieder die Frau Gerechtigkeit auftritt, die Bürgermeisterin von Isola di Capo Rizzuto, Caterina GIRASOLE, und dann leitet der Journalist ohne Grund über zur Cosca AFRENA, die hier Geschäfte mit der Windenergie macht und an der Windkraftenergieerzeugung beteiligt ist."

Das Gespräch hatte in der Kieler Niederlassung der HSH-Nordbank stattgefunden. Die Bank hat ihren Sitz in beschaulicher Umgebung. Der Ratsdienergarten ist eine grüne Lunge der Stadt; ein kleiner Teich, der "Kleine Kiel", ergänzt das bukolische Gemälde. Diese Beschaulichkeit der Provinz erschütterten in der jüngeren Vergangenheit nur zwei große Skandale: Der ungeklärte Tod des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Uwe Barschel und aktuell der sich um den Windkraftpark von Capo Rizzuto im südlichen Italien, in Kalabrien, rankende Geldwäscheskandal.

Mein Gesprächspartner war Herr Kaufmann. Ein schlanker Mann mit graumeliertem Haar, der kurz vor der Pensionierung steht.

"Es geht das Gerücht um, dass Ihre Bank ein Geschäft mit der Mafia finanziert hat, einen der größten Windkraftparks Europas in Kalabrien. Immerhin ein Projekt in der Größenordnung von 225 Millionen Euro.

Herr Kaufmann lehnte sich in seinem schwarzen Ledersessel zurück.

"Wie Sie sagen: Gerüchte."

"Immerhin hat der Anfangsverdacht zu einer Durchsuchung Ihrer Geschäftsräume gereicht."

Herr Kaufmann hob abwehrend seine rechte Hand.

"Wir haben von einer Verwicklung der Mafia in das Geschäft nichts gewusst."

"Aber Ihre Bank hat ein Geschäft zu 100% finanziert, das von einer Person eingefädelt wurde, deren finanzieller Leumund, um es vorsichtig auszudrücken, nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Außerdem wurden die Schulden, also die Gesamtinvestitionssumme, nach der Inbetriebnahme des Windkraftparks auf die Betreibergesellschaft Vent1 Capo Rizzuto übertragen, die mit einem Grundkapital von nur 10.000 Euro ausgestattet war und deren Geschäftsführer zu allem Überfluss besagte Person mit zweifelhaftem finanziellen Leumund war. Hätten da nicht in ihrem Hause sämtliche Alarmglocken läuten müssen?"

Herr Kaufmann reichte mir eine Schale mit Gebäck und fragte: "Kaffee?"

"Ja, bitte."

Er schenkte erst mir und dann sich selbst eine Tasse Kaffee aus einer chromglänzenden Thermoskanne ein.

"Es war eine übliche Projektfinanzierung, bei der die Windkraftanlagen und alle Erlöse daraus als Sicherheit dienten."

"Und was sagen Sie zu den seltsamen Kontobewegungen im Rahmen dieses Projekts zwischen Banken in Deutschland, San Marino und der Schweiz? Sogar die Hausbank des "Projektpromotors" die Raiffeisenbank in Rosenheim, war daran beteiligt."

Herr Kaufmann schüttelte den Kopf.

"Dazu kann ich mich nicht äußern. Aber ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass zum Beispiel die Staatsanwaltschaft in Kiel seinerzeit keinen Grund zu Einleitung eines Verfahrens sah."

Ich lächelte Herrn Kaufmann an.

"Sagen wir es einmal so, sie zog es vor, nicht tätig zu werden."

Herr Kaufmann ging zu einem Wandschrank und kam mit zwei Gläsern und einer Flasche zurück.

"Ich gehe zum Jahresende in Rente. Vielleicht werde ich danach ein Buch über meine dreißigjährige Tätigkeit bei der HSH Nordbank schreiben. Wenn es so weit ist, werde ich Ihnen ein Exemplar schicken."

Er stellte die Gläser auf den Tisch.

"Courvoisier, zehn Jahre alt. Ich darf doch?"

Ich nickte.

"Warum nicht?"

"Und die Bank?" fragte ich.

"Die Bank wird es überleben. Banken gehören zur Spezies der Insekten."

"Warum sagen Sie das?"

"Ich habe kürzlich ein Buch über die Entstehung der Arten gelesen. Wenn die Welt untergeht, wird eine Spezies überleben: die Insekten."

Er drehte das leere Cognacglas in seiner rechten Hand.

"Ich will Sie aber trotz allem nicht mit leeren Händen nach Hause schicken."

Er holte einen Schlüsselbund aus seiner linken Hosentasche hervor und öffnete eine Schublade in seinem Schreibtisch.

"Hier."

Er schob mir einen kleinen Stoß eng beschriebener Blätter zu.

"Das Material wird Sie interessieren. Aber bitte benutzen Sie es erst nach dem 1. Januar des kommenden Jahres. Ich habe eine sehr hohe Rente, die ich beabsichtige, auf einem paradiesischen Eiland in der Karibik zu verleben.

Auf der Rückfahrt im ICE blätterte ich durch die Seiten. Die Unterlagen enthielten Vermerke der Bank und Notizen über Gespräche zwischen am Projekt Capo Rizzuto beteiligten Personen.

Sie bewiesen vor allem eins: dass Herr Kaufmann mehr wusste als er mir oder den Ermittlern gegenüber zugegeben hatte.

Wir werden in der Redaktion diskutieren, ob das vorliegende Material für eine Story reicht. Ich selbst glaube es, aber sollte die Mehrheit anderer Meinung sein, werde ich auf das Buch warten, das Herr Kaufmann schreiben will. Ich traue ihm zu, dass er es schreibt.

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