BLOG

Die UTOPIE: Eine Betrachtung aus der Perspektive eines (Auch)-SF-Autors

13/10/2017 13:16 CEST | Aktualisiert 13/10/2017 13:16 CEST
everlite via Getty Images

Jeder Autor von Science Fiction- oder utopischen Romanen könnte es eigentlich mit den folgenden Versen von T.S. Eliot aus den "Four Quartets" halten:

Time present and time past

Are both perhaps present in time future,

And time future contained in time past.

If all time is eternally present

All time is unredeemable.

What might have been is an abstraction

Remaining a perpetual possibility

Only in a world of speculation.

What might have been and what has been

Point to one end, which is always present.

Footfalls echo in the memory

Down the passage which we did not take

Towards the door we never opened ...

Der SF-Autor beschäftigt sich der Natur der Sache nach allerdings mehr mit dem, was sein könnte, als mit dem, was ist, und natürlich sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, und berühmte Autoren, wie zum Beispiel Jules Verne, haben Dinge wie die Reise zum Mond lange vor der Realisierung dieses uralten Menschheitstraumes vorweggenommen. Und wenn jemand noch vor wenigen Jahren eine Reise der "Erdlinge" zum Planeten Mars in das Reich der Utopie verweisen konnte, so ist eine solche Reise in einer annehmbaren Zeit für Hin- und Rückflug eines Raumschiffs heute bereits Gegenstand ernsthafter Projektstudien der NASA.

Allerdings lassen sich die spektakulärsten Effekte immer noch dadurch erzielen, dass der Autor die Gesetze der Physik (jedenfalls der, deren Aufstellung wir dem Genie von Newton, Einstein und Planck zu verdanken haben) mehr oder weniger bedenkenlos außer Kraft setzt. Stichworte: Reisen schneller als mit Lichtgeschwindigkeit und Entmaterialisierung.

Eines der berühmtesten und populärsten Beispiele dafür ist sicher die Fernsehserie "Raumschiff Enterprise".

Wer von uns kennt sie nicht.

Und wer kann sich nicht an den Satz von Captain Kirk zu seinem Chefingenieur Scotty erinnern; "Scotty beam mich hoch", um dann Zeuge zu werden, wie der Captain sich in eine Art von stromlinienförmigen Goldregen verwandelt, um Augenblicke später am Ziel seiner Reise wieder zu einer Gestalt aus Fleisch und Blut zu werden.

Auch ich lasse meinen Roman "Sechs Wochen im Leben der Familie K." mit einem phantastischen Vorspann beginnen:

"Sie befinden sich auf einem Planeten, der hundert Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist, und Sie haben ein sehr starkes Teleskop, mit dem Sie die Erdoberfläche in all ihren Einzelheiten beobachten können.

Was würden Sie sehen?

Dichten Verkehr auf den Autobahnen, Menschen, die zur Arbeit eilen, Kinder, die in die Schule gehen?

Nein. Sie würden Dinosaurier sehen und andere seltsame Lebewesen.

Weil das Licht hundert Millionen Jahre braucht, um den Planeten zu erreichen, auf dem Sie sich gerade befinden.

Aber vielleicht würden Sie auch den verlorenen Planeten entdecken - irgendwo zwischen dem rostrot leuchtenden Mars mit seinen weißen Wolken über Elysium und Tharsis, den gelben Wolken der Sandstürme, dem blauen Nebel über der Großen Syrte und der braun marmorierten ovalen Scheibe des Jupiter, auf dem seit mehreren hundert Jahren ein Sturm tobt und einen großen roten Fleck produziert.

Doch den Gang des Weltgeschehens können Sie nicht beeinflussen, denn Sie würden die Erde erst in hundert Millionen Jahren erreichen - da nichts schneller ist als das Licht.

Vielleicht gelingt es Ihnen jedoch, einen Blick in die Zukunft zu werfen; mit einem Trick, eines außerirdischen Magiers würdig, wäre dies möglich:

Sie treten eine Reise zu einem Stern der Milchstraße an, der fünfundzwanzig Lichtjahre von der Erde entfernt ist, und Ihre Reisegeschwindigkeit ist die Lichtgeschwindigkeit. Nach fünfzig Jahren kehren Sie auf die Erde zurück. Ihre Freunde, die Sie in Empfang nehmen - sofern sie noch leben - sind um fünfzig Jahre gealtert. Auf der Erde ist die Zeit um fünfzig Jahre vorgerückt. Doch Sie sind immer noch so jung wie damals, als die Raumfähre Sie ins Weltall katapultierte. Da Sie mit Lichtgeschwindigkeit gereist sind, hat die Zeit einen Schluckauf bekommen, ohne dass Sie es gemerkt haben. Schließlich haben Sie nicht in den Spiegel geblickt und gesehen, wie Sie sich in Zeitlupe bewegen. Sie haben nicht Ihren Puls gefühlt, um festzustellen, dass er nur einmal statt sechzig Mal pro Minute schlägt. Für Sie war alles normal. Alles in Ihrem Koordinatensystem verlangsamte sich mit Ihnen."

Doch für mich ist diese Einleitung nur der Einstieg in ein anderes Zukunftsszenario, die Manipulation pflanzlicher, tierischer und menschlicher Gene, die in der Erschaffung einer neuen Rasse gipfelt, wobei ich von feststehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgehe, die ich in eine Richtung extrapoliere, die schon in einem überschaubaren Zeitraum zu einer schrecklichen Wirklichkeit werden könnte.

Als warnendes Beispiel gehe ich schließlich in eingeblendeten Szenen in unsere jüngere deutsche Vergangenheit zurück. Auf diese Art und Weise verbinde ich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Aber wie eingangs gesagt, grundsätzlich sind der Phantasie des Autors keine Grenzen gesetzt. Er kann seine Geschichte zum Beispiel auf einem phantastischen Planeten ansiedeln.

In seiner Tetralogie "Zeitgeschichte" bindet der Autor die Erde (der Planet "Terra") im Teil 4 - "Die Achernaren" in eine Föderation der Planeten der Milchstraße ein. Als Kontrapunkt zu diesem phantastischen Szenario verarbeitet er jedoch (etwas verfremdet) historische Begebenheiten:

"Die Milchstraße schrieb das Jahr 2146 n.Z. ihrer aufgezeichneten Geschichte. Die Planeten der Galaxie waren seit einer Generation in einem losen Staatenbund vereint.

Der Imperator war in die Gestalt der Achernaren geschlüpft.

Die Achernaren, ein kriegerisches Volk, bewohnten den Planeten Phocaea im Asteroidengürtel. Ihr sorgsam verheimlichtes Ziel war die Unterwerfung aller anderen Völker der Galaxie.

Zu diesem Zweck gingen sie sehr geschickt vor, sie nutzten die Animositäten zwischen ihren Nachbarn. Mit einigen von ihnen schlossen sie Bündnisverträge gegen andere ab, mit anderen dagegen schlossen sie Friedens- und Freundschaftsverträge ab, die nur dazu dienten, ihnen im Kampf gegen andere Völker den Rücken freizuhalten."

Bei näherem Hinsehen kann man im weiteren Verlauf aus der Sammlung "International Treaties" übernommene Texte völkerrechtlicher Verträge und andere historisch verbürgte Episoden entdecken.

Fazit: Auch auf den phantastischen Planeten herrschen (selbst wenn durch manchmal bizarre technische oder evolutionäre Ideen verfremdet) zwischen ihren Bewohnern die gleichen Mechanismen wie auf der Erde.

Dieses Rezept des sozusagen begrenzten Einsatzes der Phantasie zieht sich im Übrigen wie ein roter Faden durch die SF-Literatur, von Aldous Huxley bis zu Nancy Kress, um eine zeitgenössische US-amerikanische Vertreterin des Genres zu erwähnen.

Die Protagonisten und ihre Konflikte bleiben menschlich und uns damit vertraut. Der Rahmen ist es, der den Ausflug in das Reich der Phantasie bildet. Wobei ich persönlich glaube, dass man den Leser von SF-Romanen nicht unterschätzen sollte. Zu primitive Zukunftsvisionen beziehungsweise solche, die sich selbst einem wissenschaftlichen Laien als unglaubwürdig entlarven, werden ihm genauso missfallen wie zu wissenschaftliche Darstellungen, sie wirken abschreckend und ermüdend.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

id="huffPostGWW01"

z-index="999"

lang="de-DE"

units="m"

par="huffpost_widget"

geocode="52.52,13.38"

links="https://weather.com/de-DE/wetter/heute/l/$geocode?par=huffpost_widget">

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');

Sponsored by Trentino