BLOG

Perpetuum mobile - Weihnachtsmarkt ist das ganze Jahr

27/09/2016 14:27 CEST | Aktualisiert 28/09/2017 11:12 CEST
iStock

Wer die Überschrift überfliegt, wird sich sicher eines fragen: Warum ein Artikel über Weihnachtsmärkte? Der Sommer neigt sich doch gerade erst dem Ende zu! Und ja, das stimmt, es ist tatsächlich noch lange hin bis wir wieder bei frostigen Temperaturen durch die Gassen der Weihnachtsdörfer laufen, um uns in Weihnachtsstimmung zu bringen.

Jedoch vergisst man schnell, dass die Organisation hinter jenen Weihnachtsmärkten viel Energie in Anspruch nimmt, es ist ein langer organisatorischer Prozess, der für viele Schausteller und Organisatoren schon früh beginnt. Es ist also doch ein aktuelles Thema, nur ein Thema, von dem nicht viele Menschen wissen, wie aktuell es eigentlich ist.

Dabei sind deutsche Weihnachtsmärkte die weltweit beliebtesten. Die deutsche Wirtschaft profitiert von ihnen. So besuchen jährlich ca. 90 Mio. Menschen die Märkte. Selbst Touristen außerhalb Europas zählen sich jährlich zu den Besuchern.

Hier sind natürlich Städte wie Köln, Frankfurt und München sehr begehrt, aber auch Dresden, Hamburg oder Nürnberg veranstalten seit Jahrzehnten - manchmal sogar seit Jahrhunderten - die verschiedensten Weihnachtsmärkte.

Ein in der ganzen Welt berühmtes Beispiel ist der Nürnberger Christkindlesmarkt, der sich im historischen Stadtkern befindet und zu den ältesten Weihnachtsmärkten überhaupt zählt. Aber auch der Dresdner Striezelmarkt zählt zu den wohl traditionsreichsten Märkten und heißt seine Besucher schon seit 1434 willkommen. Weihnachtsmärkte sind also eine Tradition in Deutschland, eine Tradition, die viel Organisation abverlangt.

Um einen Einblick in die Abläufe und die organisatorischen Schritte vor Beginn der Weihnachtsmärkte zu bekommen, habe ich mich bei dem Schausteller Rico von der Gathen nach eben genau diesen Mechanismen erkundigt und einige interessante Informationen und Eindrücke bekommen. Rico von der Gathen ist der Mann, der das Nikolausdorf in Köln organisiert und deshalb weiß, welche Herausforderungen es bei der Planung eines solchen Events zu bewältigen gilt.

Herr von der Gathen, Sie organisieren als Schausteller, unter anderem, jedes Jahr aufs Neue, das Nikolausdorf in Köln. Wie früh beginnen Sie da mit den Vorbereitungen?

Die Veranstaltung ist zwar nur knapp 5 Wochen geöffnet, beschäftigt mich allerdings ganzjährig. Das fängt schon mit Ausbesserungsarbeiten an den Hütten an. Man muss immer die Übersicht behalten und stets erreichbar sein, denn man ist bei Endscheidungen immer der Verantwortliche. Insgesamt ist man, vor allem in den 2 Monaten vor Beginn des Marktes, ungefähr 3-4 Stunden pro Tag damit beschäftig zu planen, um dem Projekt dann die Form zu geben, die man sich ursprünglich ausgedacht hat.

Haben Sie konkrete Beispiele von organisatorischen Aufgaben? Ich, als Leihe, habe da nur bedingt eine Ahnung von.

Ja, da gibt es einige! Es ist beispielsweise wichtig rechtzeitig die Beschicker für den nächsten Weihnachtsmarkt ins Boot zu holen und dann ist da noch der ganze Papierkram. Von dem fällt bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung reichlich an. Außerdem neue Designs für die Produkte, das Zusammenstellen eines Bühnenprogramms und, und, und. Der Weihnachtsmarkt ist wie ein Perpetuum mobile: einmal in Gang gesetzt, bleibt er immer in Bewegung, 365 Tage im Jahr.

Das ist sehr interessant! Zu Mal man es als Besucher nicht so wahrnimmt. Man kommt an und alles ist aufgebaut, da blenden sich Gedanken zum Thema Organisation üblicherweise aus. Was machen Sie denn zurzeit? Ich nehme mal an, dass Sie nicht ausschließlich das Nikolausdorf veranstalten.

Im Moment bin ich auf einer Kirmes in Neuss tätig. Für Schausteller ist jetzt Hochsaison, eine Kirmes löst die nächste ab. Das sind die Monate, in denen das Geld verdient werden muss, um die ständigen Investitionen zu refinanzieren. Insofern kann es Schaustellern auf einer Kirmes nie voll genug sein.

Würden Sie sagen, dass man eine gewisse Persönlichkeit haben muss, um Schausteller zu sein?

Ständig unterwegs zu sein und durchgängig mehrere Dinge gleichzeitig zu organisieren stelle ich mir stressig vor. Empfinden Sie das anders?

Als Veranstalter muss man lernen zu unterscheiden: Was muss man zwingend selbst in die Hand nehmen, in welchen Fällen gibt man Arbeit ab? Letzteres fällt Schaustellern aber nicht so leicht. Sie sind schließlich Macher. Bloß wie man es auch dreht und wendet: Verantwortlich sind sie dann am Ende eher selbst.

Was ich damit sagen möchte: Es ist stressig, ja. Jedoch bin ich eine Person, die es dennoch gerne macht. Allerdings gibt es auch Tage, die zu stressig sind, an denen es dann alles ein bisschen zu viel wird. Aber das gibt es, denke ich, in so gut wie jedem Beruf. Die Persönlichkeit spielt also schon eine große Rolle, um als Schausteller weiterzumachen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.