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Perpetuum mobile - Weihnachtsmarkt ist das ganze Jahr

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WEIHNACHTSMARKT
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Wer die Überschrift ĂŒberfliegt, wird sich sicher eines fragen: Warum ein Artikel ĂŒber WeihnachtsmĂ€rkte? Der Sommer neigt sich doch gerade erst dem Ende zu! Und ja, das stimmt, es ist tatsĂ€chlich noch lange hin bis wir wieder bei frostigen Temperaturen durch die Gassen der Weihnachtsdörfer laufen, um uns in Weihnachtsstimmung zu bringen.

Jedoch vergisst man schnell, dass die Organisation hinter jenen WeihnachtsmĂ€rkten viel Energie in Anspruch nimmt, es ist ein langer organisatorischer Prozess, der fĂŒr viele Schausteller und Organisatoren schon frĂŒh beginnt. Es ist also doch ein aktuelles Thema, nur ein Thema, von dem nicht viele Menschen wissen, wie aktuell es eigentlich ist.

Dabei sind deutsche WeihnachtsmĂ€rkte die weltweit beliebtesten. Die deutsche Wirtschaft profitiert von ihnen. So besuchen jĂ€hrlich ca. 90 Mio. Menschen die MĂ€rkte. Selbst Touristen außerhalb Europas zĂ€hlen sich jĂ€hrlich zu den Besuchern.

Hier sind natĂŒrlich StĂ€dte wie Köln, Frankfurt und MĂŒnchen sehr begehrt, aber auch Dresden, Hamburg oder NĂŒrnberg veranstalten seit Jahrzehnten - manchmal sogar seit Jahrhunderten - die verschiedensten WeihnachtsmĂ€rkte.

Ein in der ganzen Welt berĂŒhmtes Beispiel ist der NĂŒrnberger Christkindlesmarkt, der sich im historischen Stadtkern befindet und zu den Ă€ltesten WeihnachtsmĂ€rkten ĂŒberhaupt zĂ€hlt. Aber auch der Dresdner Striezelmarkt zĂ€hlt zu den wohl traditionsreichsten MĂ€rkten und heißt seine Besucher schon seit 1434 willkommen. WeihnachtsmĂ€rkte sind also eine Tradition in Deutschland, eine Tradition, die viel Organisation abverlangt.

Um einen Einblick in die AblĂ€ufe und die organisatorischen Schritte vor Beginn der WeihnachtsmĂ€rkte zu bekommen, habe ich mich bei dem Schausteller Rico von der Gathen nach eben genau diesen Mechanismen erkundigt und einige interessante Informationen und EindrĂŒcke bekommen. Rico von der Gathen ist der Mann, der das Nikolausdorf in Köln organisiert und deshalb weiß, welche Herausforderungen es bei der Planung eines solchen Events zu bewĂ€ltigen gilt.

Herr von der Gathen, Sie organisieren als Schausteller, unter anderem, jedes Jahr aufs Neue, das Nikolausdorf in Köln. Wie frĂŒh beginnen Sie da mit den Vorbereitungen?

Die Veranstaltung ist zwar nur knapp 5 Wochen geöffnet, beschĂ€ftigt mich allerdings ganzjĂ€hrig. Das fĂ€ngt schon mit Ausbesserungsarbeiten an den HĂŒtten an. Man muss immer die Übersicht behalten und stets erreichbar sein, denn man ist bei Endscheidungen immer der Verantwortliche. Insgesamt ist man, vor allem in den 2 Monaten vor Beginn des Marktes, ungefĂ€hr 3-4 Stunden pro Tag damit beschĂ€ftig zu planen, um dem Projekt dann die Form zu geben, die man sich ursprĂŒnglich ausgedacht hat.

Haben Sie konkrete Beispiele von organisatorischen Aufgaben? Ich, als Leihe, habe da nur bedingt eine Ahnung von.

Ja, da gibt es einige! Es ist beispielsweise wichtig rechtzeitig die Beschicker fĂŒr den nĂ€chsten Weihnachtsmarkt ins Boot zu holen und dann ist da noch der ganze Papierkram. Von dem fĂ€llt bei einer Veranstaltung dieser GrĂ¶ĂŸenordnung reichlich an. Außerdem neue Designs fĂŒr die Produkte, das Zusammenstellen eines BĂŒhnenprogramms und, und, und. Der Weihnachtsmarkt ist wie ein Perpetuum mobile: einmal in Gang gesetzt, bleibt er immer in Bewegung, 365 Tage im Jahr.

Das ist sehr interessant! Zu Mal man es als Besucher nicht so wahrnimmt. Man kommt an und alles ist aufgebaut, da blenden sich Gedanken zum Thema Organisation ĂŒblicherweise aus. Was machen Sie denn zurzeit? Ich nehme mal an, dass Sie nicht ausschließlich das Nikolausdorf veranstalten.

Im Moment bin ich auf einer Kirmes in Neuss tĂ€tig. FĂŒr Schausteller ist jetzt Hochsaison, eine Kirmes löst die nĂ€chste ab. Das sind die Monate, in denen das Geld verdient werden muss, um die stĂ€ndigen Investitionen zu refinanzieren. Insofern kann es Schaustellern auf einer Kirmes nie voll genug sein.
WĂŒrden Sie sagen, dass man eine gewisse Persönlichkeit haben muss, um Schausteller zu sein?

StÀndig unterwegs zu sein und durchgÀngig mehrere Dinge gleichzeitig zu organisieren stelle ich mir stressig vor. Empfinden Sie das anders?

Als Veranstalter muss man lernen zu unterscheiden: Was muss man zwingend selbst in die Hand nehmen, in welchen FĂ€llen gibt man Arbeit ab? Letzteres fĂ€llt Schaustellern aber nicht so leicht. Sie sind schließlich Macher. Bloß wie man es auch dreht und wendet: Verantwortlich sind sie dann am Ende eher selbst.

Was ich damit sagen möchte: Es ist stressig, ja. Jedoch bin ich eine Person, die es dennoch gerne macht. Allerdings gibt es auch Tage, die zu stressig sind, an denen es dann alles ein bisschen zu viel wird. Aber das gibt es, denke ich, in so gut wie jedem Beruf. Die Persönlichkeit spielt also schon eine große Rolle, um als Schausteller weiterzumachen.

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