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Stuss über China: Die Fußball-Bundesliga und "die gelbe Gefahr"

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Erinnern Sie sich noch an die "seltenen Erden" ? China habe die gesamte Weltproduktion von diesem komischen Zeugs unter Kontrolle und könne so die westliche Zivilisation, ihre Hightech-Produkte mit und ohne Apfel sowie die moderne Zivilisation an sich zum Erliegen bringen. So stand es jedenfalls in den Zeitungen vor ein paar Jahren. Im Prinzip hat sich an der Situation nicht viel geändert. Nur hört man nichts mehr davon.

Die "gelbe Gefahr" ist trotzdem zurück. Seit der Kaiserzeit kommt sie in regelmäßigen Abständen- nur dieses Mal kommt sie nicht nur mit irgendwelchem Dreck. Im "Spiegel" erklärt ein Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern der erstaunten Öffentlichkeit, ein "Bundesliga-Auftaktspiel" in China "wäre möglich". Letztes Wochenendel stand ein langer Artikel in der "Welt am Sonntag", über diese Chinesen im Allgemeinen und einen Wang Jianlin im Besonderen. Sie kommen. Sie kommen, um uns zu holen. Sie kaufen alles weg, Kino, Fernsehen, Filme und jetzt sogar das, wo jeder Spaß aufhört: Fußball !! Vielleicht sogar bald Bundesliga-Klubs !! Da ist aber Schluss mit lustig beim Springer-Verlag.

Wang Jianlin ist übrigens der Besitzer der "Wanda Group" und einer dieser ganz reichen Chinesen. Er kauft selbst große Hollywood-Studios, lässt Blockbuster mit Matt Damon in China drehen und hat weltweit mindestens eine Schlagzeile pro Woche mit immer gigantischeren Plänen und Vorhaben.

Schön und gut. Aber jetzt geht es praktisch um alles. Also um unsere "Softpower". Die wollen uns "die neuen Kulturkrieger" (so die "Welt am Sonntag") wegnehmen und dahinter verberge sich nicht nur der böse und reiche Wang, sondern viel mehr: Ein perfider und langfristiger Plan zur wohl endgültigen Weltherrschaft durch die kommunistische Partei Chinas, ausgeheckt vom neuen Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Die Donaldisierung von Politik und Journalismus ist offensichtlich auch in Deutschland schon weiter, als wir alle glauben. "Xi is much more aggressive than Hu", so heißt es in einer visionären Vorausschau des ersten CIA-Briefings des neuen US-Präsidenten Donald Trump durch die New York Times. "She is more aggressive than who?" fragt er zurück. Und trifft nach der Bestätigung des Officers seine erste wegweisende Entscheidung als Präsident: "Well, I'd like to meet her. I like aggressive women. She sounds like a 10."

Ähnlich visionär hat die "Welt am Sonntag" nun herausgefunden, dass die KP Chinas ihre 25 wichtigsten Funktionäre zu regelmäßigen "Studiensitzungen" verdonnert. In diesen Klausuren erklären die klügsten Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Technlogie den Mächtigen, wo es in der Zukunft denn hingeht. Und nach einer dieser Sitzungen im Jahr 2013 habe Xi die Order ausgegeben, es gelte die "Softpower" Chinas zu stärken. Und deshalb kauft Wanda jetzt Filmstudios, Fußball-Vermarkter und bald vielleicht sogar Bundesliga-Clubs.

Wow. Wir werden alle sterben. Es sei denn, so wäre mein Vorschlag, auch in Deutschland werden endlich nach dem Vorbild der KP Chinas die Mächtigen und auch die Journalisten regelmäßig zu solchen Klausuren zur Weiterbildung weggesperrt.

Vier große Seiten in der "WamS" über Film, Fernsehen und Fußball. Über die Zukunft. Und das Wort "Streaming" wird, wenn ich es nicht übersehen habe, nicht einmal erwähnt. Statt dessen so etwas wie "Fußball-Vermarktung ist eine existenziell wichtige Einnahmequelle in vielen westlichen Fernseh-Demokratien."

Da ist sie, die gelbe Gefahr. Sie will uns unsere "Fernseh-Demokratie" wegnehmen, indem sie diese ihrer wichtigsten Einnahmequelle beraubt. Wow. Diese perfiden Steinzeit-Kommunisten aber auch. So ein Stuss kann wohl nur noch im "Rundfunk"-regulierten Deutschland das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Okay, demnächst vielleicht auch wieder in den USA.

Höchste Zeit für eine "Studiensitzung". Hier ein paar Themenvorschläge: Die "seltenen Erden" haben uns etwas gelehrt. Und zwar: Die wichtigste "Soft-Power" global ist ganz einfach Geld. Das wissen die Chinesen schon lange. Und rücken im Tausch dagegen selbst "seltene Erden" raus. Und wenn sie das Geld dann haben, dann gehen sie halt einkaufen.

"Was ändert sich in den Medien durch Streaming?" So könnte eine Frage auf den KP-Sitzungen in Peking gelautet haben. Und wirklich kluge Köpfe hätten geantwortet: Die bisherigen "Sender" hatten ein "Empfangsgebiet". Wer streamt, den empfängt theoretisch die ganze Welt. Es ist wie damals, als die Menschen Schiffe und Karawanen erfanden. Filme und Sport-Events können in Echtzeit überall verkauft werden. Das ändert alles.

Gütiger Konfuzius, so werden die KP-Chefs gedacht haben. Was ist zu tun? Naja- das Gleiche wie bei Unterhosen oder Socken auch. Zuerst gefährlicher Konkurrenz aus dem Ausland den Zugang zum chinesischen Markt erschweren. Dann wie bei den Autos über Firmen wie Wanda konkurrenzfähiges KnowHow und Technologie ins Land holen. Und danach mit den eigenen Produkten in die zukünftigen Export-Märkte expandieren. Alsbald wird die wichtigste Softpower der Zukunft schon nach China kommen- als Dollar, Euro oder was auch immer und gern auch in größeren Mengen. Und potentielle Konkurrenten auf diesem Weltmarkt, die sich selbst durch "Regulierung" erwürgen, die sind uns nur recht.

Was bleibt dann für uns? Naja- die Regulierer eben. Wenn wir Pech haben, irgendwann vielleicht entgeltpflichtige Fußball-Bundesliga-Übertragungen aus Shanghai. Und, dank Fördermitteln, die Mond-Nazis von "Iron Sky". Obwohl: Deren zweiter Teil ist noch nicht einmal fertig, da wird schon der dritte geplant. Mit chinesischem Geld. Gedreht in China.