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Studie zeigt: Wir werden weiter mit Fernsehern fernsehen.

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Es tut mir leid und ich bitte schon mal um Verzeihung. So hat sich das der ZVEI, der "Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie" sicher nicht vorgestellt, als sie die Marktforscher der GfK mit dieser Studie beauftragt und sie uns Schreiberlingen zur Kenntnis gebracht haben. Studien sind toll, Studien sind wichtig. Es ist gut, ein neues Jahr mit etwas wissenschaftlich fundiertem anzufangen. Aber manchmal muss man sich auch ein wenig darüber lustig machen. Manchmal muss es einfach so sein.

​Der Fernseher bleibt das beliebteste Endgerät für "Bewegtbild". Das wurde also nun im Auftrag des ZVEI von der GfK festgestellt. Große Veränderungen seien aber dagegen bei der Nutzung des TV-Geräts zu beobachten: Zuschauer würden immer stärker selbst entscheiden, wann sie die gewünschten Inhalte ansehen wollen. Wow. Wir werden weiter mit dem Fernseher fernsehen. Nur anders. Gut, dass das mal einer entdeckt.

Zu den geänderten Nutzungsgewohnheiten gehöre, dass das lineare TV-Programm an Bedeutung verliert, während Inhalte aus dem Internet wichtiger werden. Smart-TV würden diese Anforderungen erfüllen. Besonders beliebt seien die "internetfähigen" TV-Geräte - trotz Alternativen wie Tablets und Smartphones - bei den "sogenannten Millennials" (14-34-Jährige): Gut der Hälfte ist beim Kauf die Internetfähigkeit ihres TV-Geräts wichtig. Davon sind knapp 40 Prozent bereit, für Online-Inhalte zu bezahlen. In den deutschen Haushalten sei bereits jeder zweite Fernseher "internetfähig". Knapp 80 Prozent der Smart-TV-Nutzer hätten ihr Gerät direkt mit dem Internet verbunden, um verschiedene Online-Inhalte ohne Umwege auf dem großen Bildschirm ansehen zu können. Am beliebtesten seien die Mediatheken der Sender sowie Video-on-Demand-Plattformen, die von 50 bzw. 40 Prozent der Befragten genutzt würden.

Wow. Immerhin 80 Prozent der Smart-TV werden "direkt" mit dem Internet verbunden. Das ist für mich leider nicht die Nachricht, liebe Studien-Ersteller. Die Nachricht ist: Ihr seid mit euren Werbekampagnen erfolgreich. Aber jeder fünfte hat das Ding anscheinend immer noch aus Versehen gekauft.

"Den Zuschauern gefällt ihre Rolle als Programmdirektor", so Kai Hillebrandt, Vorstand im Fachverband Consumer Electronics des ZVEI. "Mit dem Smart-TV hat sich die Funktion des TV-Geräts vom reinen Wiedergabegerät des linearen Fernsehprogramms zum multifunktionalen Screen gewandelt." Die Millennials seien dabei deutlich offener gegenüber technischen Innovationen als andere Altersgruppen. Tja. Wer hätte das gedacht.

Liebe Studien-Macher von ZVEI und GfK, wir wissen das schon. Netflix oder Amazon wissen es auch. Sie geben kaum so viel Geld aus für Dinge wie UHD mit HDR, damit wir das dann auf dem Smartphone schauen. Die Schlacht um "smart" oder "nicht smart" ist für den Fernseher längst entschieden. Ebenso wie die Frage, ob "mobil" oder "Tablet" mehr als willkommene Ergänzungen sind. Nein. Sind sie nicht. Vielleicht wird "Augmented" oder "Virtual" Reality mehr. Aber für diese Frage ist es noch etwas zu früh.

Wer aber wird das Rennen bei den Inhalten machen? Wird das "smart" für den Fernseher von den Geräteherstellern oder von anderen geliefert? Wird es drin sein im Gerät oder kommt es nach draußen? So viele offene Fragen. Und so wenig Studien dazu.

Also, nicht ärgern, liebe Studien-Macher vom "Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie". Vielleicht habt ihr ja dazu die eine oder andere Idee?