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"funk" geht "App": ARD und ZDF bieten seit Samstag die Funkytown

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Das lange erwarte "junge Angebot" von ARD und ZDF ist da. Zuerst sollte es ja ein Jugendkanal werden. So richtig junges Fernsehen, um die Generation U30 vorsichtig an die wirklich wichtigen Programme wie Krimis mit Landeiern oder den ZDF-Fernsehgarten heranzuführen. So hatte man es sich jedenfalls wohl in den "Anstalten" vorgestellt. Dann bekam die Politik einen Innovationsanfall und verbannte das Projekt dahin, wo deutsche Politiker es nicht sehen müssen, also ins Internet. Dann waren die Anstalten traurig. Und irgendwann erklärte wohl jemand den Gremien das unverhoffte Geschenk der plötzlich entfallenden öffentlich-rechtlichen Grenzen im Internet. Und nun gibt es für den einen oder anderen auch Horrorfilme.

Eine Geschichte, wie sie das wahre Leben schreibt. So wie in zum Beispiel in Fargo. Also die in Film oder Serie ewig verschneite Stadt in North Dakota, in der so herrlich skurrile Menschen leben. Die Serie gibt es dann auch bei "funk". Als "catch-up", so lernen wir, zur "richtigen" Ausstrahlung bei ZDFneo.

Denn "funk" ist ja kein "Jugendkanal" mehr, also kein klassischer Fernsehsender. Das "Rund" ist dem "funk" abhanden gekommen und es ist auch nicht nur ein "junges Angebot". Das mysteriöse neue Gebilde soll die 14 bis 29-jährigen Zuschauer informieren, orientieren und unterhalten- als "Content-Netzwerk" von ARD und ZDF. Also so eine Art Mediakraft, nur als Anstalt. Alles klar?

"Über 40" neue "Online Formate" erwarten uns nun, die dann "gemeinsam mit den Usern weiterentwickelt" werden. Oder wie es ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut beschreibt: "Wir wollen mit unseren Inhalten junge Menschen erreichen, Teil ihrer Lebenswelt sein. Und wenn sie Medien anders nutzen, müssen wir unsere Strategien überdenken. Jetzt haben wir die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Zum ersten Mal können wir im Netz völlig unabhängig vom linearen Fernsehen agieren und zum Beispiel unsere Inhalte auf Drittplattformen ausspielen sowie Lizenzserien online zeigen. So können wir Formate ins Netz bringen, die junge Menschen interessieren und sie dort zeigen, wo sie medial unterwegs sind."

Medial unterwegs sein sollen die Jugendlichen dann auf der eigenen funk-App, der Webseite und natürlich "social medial" bei den üblichen Verdächtigen Facebook, YouTube oder Twitter & Co. Und sich dann tolle Videos dort anschauen wie "Börne betrunken" vom neuen Online-Format "Tatort- Die Show". Natürlich sind auch die YouTuber wie LeFloid weiter vorn, also wohl bezahlt, mit dabei.

Sogar alte weiße Männer bekommen bei "funk" eine Chance. "Hoff the Record" ist britische Comedy mit, ja, David Hasselhoff. Auch britische Science Fiction wird es geben mit "The Aliens". Genau das sind sicher die "funk" Macher um Chef Florian Hager im öffentlich-rechtlichen "System"

Vor allem aber laufen eben eine ganze Menge YouTube-Kanäle schon recht gut an. Da gibt es das "Kliemannsland", das "Y-Kollektiv", "Jäger und Sammler"- und mehr. Dass sie ein großes Paket an Inhalten, finanziert von deutschen Rundfunkgebühren, für ihre Plattform YouTube einfach so geschenkt bekommen, wird bei Google sicher manchen erstaunen. Aber egal. Sind halt diese crazy Germans.

Nach aller Erfahrung haben sie damit ja auch keinerlei Aussicht auf dauerhaften Erfolg. Obwohl sie von Anfang an vieles richtig und fast nichts falsch machen. Macht nichts. Probieren, auf die Nase fallen und wieder aufstehen. Vielleicht passiert irgendwo was, was keiner erwartet. Und bis dahin kann man ja mit dem ergatterten Anteil vom Rundfunkbeitrag auch jede Menge Spaß haben...