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Diskriminierte Bahnhöfe - das ZDF hat jetzt Transparenz bei Programmbeschwerden

15/03/2016 21:03 CET | Aktualisiert 16/03/2017 10:12 CET
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Ab jetzt wird alles besser. Wir Rundfunkgebühren zahlende Zuschauer werden beim ZDF jetzt gehört. "Transparenz" ist das neue Thema für die Gremien. Ob wir auch erhört werden, ist eine ganz andere Frage. Aber man gibt sich Mühe. Und mühsam ist das Ganze, dass müssen wir den Verantwortlichen zweifelsfrei zugestehen.

Fast völlig transparent kann man jedenfalls beim ZDF-Fernsehrat jetzt nachlesen, was aus den offiziellen Programmbeschwerden der Zuschauer geworden ist. Das ist mal erhellend, mal bestürzend- nicht selten aber auch unterhaltsam und lustig.

Jede Menge Programmbeschwerden gab es natürlich zum Thema Berichterstattung über die Asyl- und Flüchtlingspolitik. Das ist aber eher langweilig. Zuschauer so: "Lügenpresse!". ZDF so: "Die Welt ist so, wie wir sie sehen, und das ist in Ordnung." So etwa würde ich die Diskussion zusammenfassen. Auch dass bei Putin-"Dokumentationen" irgend etwas schief gelaufen sein könnte, wenn man danach als Propaganda-Munition beim russischen Staatsfernsehen vorgeführt wird, mag man beim ZDF noch nicht so recht einsehen.

Ganz fern der Tagespolitik gibt es aber die schönsten Beschwerden. So reichte eine Dame eine offizielle Programmbeschwerde beim ZDF ein, weil sie sich über den Sendetermin von "Downton Abbey" vom Sender irreführend informiert fühlte. Dafür bekommt sie dann sogar mitfühlende Post vom Intendanten mit dem aufklärenden Hinweis, dass beim ZDF Sendetage nicht mit Kalendertagen identisch seien und dass man dieses ja auch in Programmzeitschriften nachlesen könne. Die "übliche Zuschauerwahrnehmung" sei halt so. Aha.

Noch nicht abschließend geklärt werden konnte die Frage, ob die aus Großbritannien importierte Serie "The Fall - Tod in Belfast" männerdiskriminierende Äußerungen enthält und deshalb weg muss. Mit dem verständnisvollen Hinweis des Intendanten, sinngemäß etwa "schon möglich- aber es ist doch ein Film", mochte sich der Beschwerdeführer nicht zufrieden geben. Deshalb wird der Fernsehrat noch einmal über "The Fall" beraten.

Sehr seltsam ist eine Beschwerde über die "heute"-Sendung vom 1. Januar. Da gab es in München eine Terror-Warnung mit geräumten Bahnhöfen. Unter anderem ging es auch um den Bahnhof München-Pasing. Ein "Terrorexperte" hatte diesen wohl in den ZDF-Nachrichten quasi als mögliches Anschlagsziel abgewertet, da der Bahnhof "klein" sei. Ein Zuschauer empfand das als "Falschbehauptung". Das ZDF gab zu bedenken, dass München-Pasing zwar wirklich kein kleiner Bahnhof sei, aber bei Terrorplanern im Irak wäre der Bahnhof und seine Bedeutung vermutlich nicht bekannt.

Da der Beschwerdeführer trotzdem an seiner Beschwerde festhielt, musste sich sowohl der "Programmausschuss Chefredaktion" als auch noch einmal der Fernsehrat abschließend mit der Bedeutung von Pasing für die Bundesbahn im Allgemeinen und für Terroristen im Besonderen beschäftigen.

Warum eigentlich ist nicht schon früher jemand auf "Transparenz" gekommen? Ja, ich wäre sogar für Live-Übertragungen der Verhandlung von Programmbeschwerden im ZDF-Fernsehrat. Das könnte ein Quoten-Renner werden.

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