BLOG

Eine offene Plattform fĂŒr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Peter Mock Headshot

Bewerbung: Ich will Netflix-Kontrolleur bei der EU werden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
NETFLIX
Mike Blake / Reuters
Drucken

Ich möchte diesen Job haben. Denn das wird einfach wunderbar. GroßzĂŒgig, sehr großzĂŒgig bezahlt aus dem stets verlĂ€sslich gefĂŒllten Topf europĂ€ischer Steuergelder, exakte 35-Stunden-Woche und sehr viel Urlaub. Und das Ganze natĂŒrlich an einem Standort mit ausgesucht exzellenter Lebens- und Gastronomie-QualitĂ€t, wie zum Beispiel im wunderschönen Straßburg. Abgerundet wird mein neues und besseres Leben dann durch die neue berufliche TĂ€tigkeit: Netflix gucken. Und Amazon Prime.

Gibt's nicht? Naja, noch nicht.. Die EU-Kommission ist aber wohl gerade dabei, solch neue Traumjobs zu schaffen. Die Briten mĂŒssen verrĂŒckt sein, dass sie da nicht mehr mitmachen wollen.

Die französische Zeitung "Les Echos" war es, die die tolle Nachricht vom Filmfestival in Cannes mitbrachte. Andrus Ansip, VizeprĂ€sident der EU-Kommission und Kommissar fĂŒr den digitalen Binnenmarkt, war auch da. Und hatte wirklich Neues zu verkĂŒnden: Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon Prime sollen zukĂŒnftig in der EuropĂ€ischen Union zu einer Quote von 20 Prozent fĂŒr lokale Inhalte gezwungen werden. Das wĂ€re doch einfach nur gerecht- Fernsehsender unterliegen schließlich schon lĂ€nger einer solchen Verpflichtung. Und glauben Sie es ruhig- auch da wird zur Kontrolle bestimmt irgendwo gut bezahlt nachgeschaut.

Denn wo neue Regeln sind, da muss deren Einhaltung natĂŒrlich auch durch verlĂ€ssliche Menschen mit möglichst unkĂŒndbarem Beamten-Status kontrolliert werden. Ich bin Ă€ußerst verlĂ€sslich. Ich sollte unbedingt in der nĂ€chsten Zeit die EU-Ausschreibungen verfolgen. Und fĂŒr die, die solcherart Posten auf Kosten der Allgemeinheit immer noch fĂŒr unmöglich halten: Vergleichbares gibt es schon lange. "Programmkontrolle" ist zum Beispiel eine wichtige Aufgabe der deutschen Landesmedienanstalten. Glauben Sie es ruhig. Es gibt tatsĂ€chlich Menschen, die sehr gut dafĂŒr bezahlt werden, dass sie Fernsehen schauen und kontrollieren, ob die da alles richtig machen.

Okay, die Kontrollierten wĂŒrden mich und meinen tollen neuen Job nicht mögen. "Der Schwerpunkt der europĂ€ischen Medienpolitik sollte sich auf die Förderung der Produktion europĂ€ischer Inhalte und nicht auf Quoten fĂŒr Fernsehsender oder andere Anbieter richten, die diese bei der Belieferung ihrer Kunden behindern", so ließ zum Beispiel Netflix dazu von sich hören.

Und ja, der Job wĂ€re auch nicht ganz einfach. Netflix produziert gerade mit "The Crown" seine teuerste Serie ĂŒberhaupt. Es geht um "The Queen"- also natĂŒrlich in Großbritannien. Was ist, wenn die jetzt aus der EU austreten? ZĂ€hlt das noch? Keine Sonderbehandlung, so haben es Jean-Claude und Angela immer wieder betont. Sollen sie doch statt dessen lieber in Schottland noch einmal "Braveheart" mit Mel Gibson drehen. Das passt einfach besser in die heutige Zeit.

Auch Amazon ist kein leicht zu lösender Fall. Die haben Bosch. Der ermittelt in L.A. nach einem US-Bestseller. Sehr amerikanisch. Die Produktionsfirma ist aber die Red-Arrow-Tochter Fabrik Entertainment. Also ist Bosch sogar irgendwie ein wenig bayrisch. Den ewigen Streit, ob Bayern nun wirklich zu Europa gehört, das mĂŒssen aber definitiv andere klĂ€ren. Und wie zĂ€hlen Game Shows? Netflix sucht demnĂ€chst doch den "Ultimate Beastmaster". Auch sehr amerikanisch. Produzent ist aber Sylvester Stallone und damit Rocky Balboa. Also "der italienische Hengst".

Fragen ĂŒber Fragen. Ihr seht, mein mindestens fĂŒnfstelliges Monatsgehalt wird voll gerechtfertigt sein. Ganz komplizierte Fragen, wie zum Beispiel "Game of Thrones", werde ich wohl nur durch aufwendige Dienstreisen zu den Drehorten klĂ€ren können. "Game of Thrones" kann man zum Beispiel ja schließlich gegen ein kleines Zusatz-Entgelt auch bei Amazon gucken. Und die Serie kommt eigentlich direkt aus Hollywood. Zu dumm nur, dass die gern in Kroatien oder Irland drehen. Da werden intensive Recherchen und lĂ€ngere Aufenthalte in standesgemĂ€ĂŸen Hotels vor Ort erforderlich sein.

Und, hehe- wenn ich es neulich richtig gesehen habe, dann gibt es eine wichtige und fast unlösbare Frage: Luke Skywalker höchstselbst ist derzeit damit beschĂ€ftigt, auf den FĂ€röer-Inseln zu stehen und ernst ins Weite zu blicken. Die FĂ€röer gehören zur dĂ€nischen Krone, aber ausdrĂŒcklich nicht zur europĂ€ischen Union. Wie soll ich das nun wieder bewerten?

Okay, erst einmal den Job bekommen. Da werden sich bestimmt viele bewerben. Keiner wird besser geeignet sein als ich, na klar. Aber ob das alles nur nach Qualifikation ablĂ€uft? Europa ist so schön. Ich brĂ€uchte unbedingt jemanden, den ich um Hilfe bitten kann. Ihre unterstĂŒtzenden Mails, Petitionen und Eingaben fĂŒr dieses wichtige und gerechtfertigte Anliegen schicken Sie bitte zu HĂ€nden von Herrn Jean-Claude Juncker in BrĂŒssel, Belgien.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform fĂŒr alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: