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Adieu, HbbTV: Warum ich jetzt abschalte.

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Nein, ich bin keiner dieser Datenschutz-Panikmacher. Sollnse doch Daten sammeln. Ich kannte die digitale Welt schon, als Computer noch Lochkarten aus Pappe hatten. Das war der Beruf meines Vaters. Deshalb kann ich hier glaubwürdig versichern: Das Gerede von der "künstlichen Intelligenz" ist einfach nur Quatsch. In Wahrheit sind Computer heute genau null Prozent schlauer als ihre Urahnen mit diesen eigenartigen Datenspeichern. Sie sind nur millionenfach schneller. Deshalb gibt es entsprechend mehr Daten. Damit kann aber niemand wirklich was anfangen. Denn die Computer sind ja weiterhin doof. Und auf Grund der schieren Menge an Daten fällt jetzt auch der Mensch als intelligente Nutzungsoption weitgehend aus.

Solch anscheinend ewig gültige Erkenntnisse muss man natürlich immer wieder aktuell überprüfen. Vielleicht erfindet ja wirklich mal einer was und der Terminator ist da. Aber bisher ist da nichts. Wie groß und intelligent zum Beispiel Amazon ist, kann man überall lesen. Gigantische Cloud, mystisch blinkende riesige Rechner, das unheimliche "Echo"- alles da. Meine Frau und ich nutzen "Prime" seit Jahren zusammen. So viele Daten. Der künstlich intelligente "Prime Video"-Computer errechnet daraus eine imaginäre dritte Person und "Filmvorschläge", die zuverlässig keinem von uns beiden gefallen. So lange das so ist, ist alles in Ordnung. Darum schalte ich normalerweise am Smart-TV nichts ab. Erst an dem Tag, an dem die Cloud uns einen für beide passenden Film empfiehlt, gehe ich Vorräte in Dosen kaufen und dann in den Keller. Denn erst dann hat das Ding begonnen, zu denken. Bis dahin ist alles okay.

Nein, nach anfänglichen Vorbehalten fand ich HbbTV und den "Red Button" sogar manchmal ganz nützlich. Zum Beispiel als Wegweiser zu alternativen Sportarten zur Olympiade. Oder der verpassten Serienfolge von gestern. Oder dem Dokumentarfilm mit "Sende"-Termin spät in der Nacht.

Aber jetzt reicht es mir und ich schalte den "Service" im Menü meines Smart-TV erst einmal ab. Das geht ganz einfach- und das "andere" Internetfernsehen von Amazon bis Netflix wird gar nicht gestört. Man hätte es ja von Anfang an ahnen können. HbbTV war kaum da, und schon kamen die Werber. Wir kennen das vom Internet. Da grassieren ja deren Seuchen wie PopUp, PopUnder und Overlay praktisch von Anfang an auch.

Die Beschränktheit des Denkens von Werbemachern zeigt sich besonders schön an der Werbeidee "Banner". Das entwickelt sich bei HbbTV seit seiner Erfindung in genau die falsche Richtung wie im Internet auch. Weil die Werber sich mit ihren tollen Bannern vom Publikum missachtet fühlen (dabei verachten wir sie nur), werden Banner nahezu gesetzmäßig größer. Bunter. Beweglicher. Und immer mehr. Irgendwann reicht es auch dem geduldigsten Zuschauer. Bei mir war das letzte Woche der Fall.

Da hatte ich das erste Mal beim Smart-TV das Gleiche, was wir bei Rechner und Smartphone längst alle kennen. Ein HbbTV-Werbebanner für französische Autos brachte den Prozessor zum Stillstand. Ob es für ihn zu groß oder nur kaputt war- egal. Das Banner fror ein und ging selbst beim Umschalten auf andere Sender nicht mehr vom Schirm weg. Erst nach der vom Computer bekannten Notwehr Ausschalten und Neustart war alles wieder okay. Trotzdem setzte ich mein Häkchen im Menü bei "HbbTV" auf aus und wartete ab.

Und was soll ich sagen: Ich bin sehr zufrieden. Ich habe mein ganzes Fernsehbild zurück. Das macht das Zuschauen deutlich ruhiger. Selbst auf Privatsendern ploppen jetzt nirgends mehr grellrote Banner in ruhige, dunkle und spannende Szenen. Wunderbar. So muss das. Vermisst habe ich bisher: Rein gar nichts. Und zur nächsten Olympiade schalte ich HbbTV vielleicht wieder ein.