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A German Horror Story: Das Fernseh-Weihnachtsprogramm, zum Beispiel im ZDF

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Oh je. "Weihnachten kann kommen", so lese ich. "Das ZDF zeigt an den Festtagen und zum Jahreswechsel unter anderem wieder festliche Shows und Konzerte, besinnliche Neuverfilmungen sowie bekannte Märchen und Spielfilme für die ganze Familie." Und es wird über uns kommen. Gewaltig gruselig. Und schlimmer denn je.

Im letzten Jahr hab ich die Crew des ZDF in der Frauenkirche in Dresden beim Aufbau der Technik für das Adventskonzert beobachtet. Da waren Profis am Werk, mit einem Plan- und Routine. Kein Grund für Aufregung. Die machten halt, was sie immer machen. In diesem Jahr war das Konzert am 4. Dezember. Same procedure as every year, James. In der öffentlich-rechtlichen Welt ändert sich nichts.

Es wird höchstens noch schlimmer. Morgen ist Heiligabend und jetzt kommen die "Highlights". So geballt war das Grauen noch nie. Auch der Fernsehgarten ist schon "auf Tour". Spätestens seit Spielbergs "Poltergeist" wissen wir es: Das ultimativ Schreckliche, es lauert in Fernsehern. Trotzdem schalten wir die gefährlichen Dinger hoffnungsfroh immer erneut wieder ein.

Schlimme Dinge in Gruselfilmen passieren auch oft im Nebel. Am Heiligabend im ZDF heißt der Nebel des Grauens dann Carmen. Die Unwetter-Warnung gilt für den ganzen Abend. Sie wissen schon. Ob Helene Nebel dabei hat, wissen wir nicht. Am ersten Weihnachtstag läuft abends die Helene Fischer-Show.

Am zweiten Weihnachtstag fährt "Das Traumschiff" nach Palau. Direkt vor der "Kreuzfahrt ins Glück". Sylvester gibt es die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Noch überraschender ist nur, was wohl danach kommt: "Silvester live"- vom Brandenburger Tor. Zu Neujahr fährt dann das Traumschiff nach Kuba. Unglaublich ist nur, was danach kommt. Ich will nicht zu viel verraten. Aber es wird eine "Kreuzfahrt ins Glück".

Was ich über solche Programme denke, darf ich aus rechtlichen Gründen nicht schreiben. Es gibt eigentlich nur drei Möglichkeiten: Am ersten Weihnachtstag kommt nachmittags im ZDF "Ausgerechnet Neuseeland". Da geht es um Auswandern. Nur noch so viel dazu: Das ist der vom Lerchenberg so ziemlich am weitesten entfernte Platz des Planeten. Es ist schön da. Meiden Sie die Häfen. Das Traumschiff- sie wissen schon.

Die zweite Möglichkeit ist die "Programmbeschwerde". Zum Formular geht es hier. "Das Programm ist ... (schlimmes Wort)" ist zu wenig. Nicht hilfreich ist auch "ich will meinen Rundfunkbeitrag zurück". Verweisen Sie auf Menschenrechte und UN-Konventionen. Die gelten auch für Zuschauer und der Tipp ist viel weniger abwegig, als sie glauben. Der Fernsehrat muss dann handeln und vielleicht gibt es sogar einen echten Brief vom Intendanten. Das macht das Programm zwar nicht besser. Aber es gibt das gute Gefühl, etwas getan zu haben. Denn nur wer nichts tut, macht sich mitschuldig und liefert so einen Beweis für Möglichkeit drei.

Die ist ganz einfach: Wir wollen das wirklich so. Same procedure as every year, James- und dafür zahlen wir gern unseren Rundfunkbeitrag. Möchten Sie in einer solchen Welt leben? Die Internet-Fluchtroute bleibt hoffentlich offen. Aufnahmewillige Länder, allerdings mit Visa-Gebühr, sind zum Beispiel Netflix und Amazon. RTL hat zu Weihnachten einen wirklich tollen neuen Winnetou. Aber sonst bleibt nicht viel.