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Was Dschihadisten mit Agent Smith gemein haben

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
ANSCHLAG ANSBACH
dpa
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Laut Umfragen f├╝rchten sich die meisten Deutschen vor dem Terror. Vor├╝bergehend soll die Terrorangst gar Platz eins unserer ├ängste-Rangliste eingenommen haben. Der Gro├čteil der Menschen hat dabei gewiss den islamistischen Terror im Sinn, der durch Anschl├Ąge wie jene in Paris, Br├╝ssel und andernorts das st├Ąrkste Medienecho erzeugt.

Aber ist die Angst gerechtfertigt?

Aufgrund der viel h├Âheren Wahrscheinlichkeit, am Essen zu ersticken oder durch Verkehrs- und Haushaltsunf├Ąlle zu sterben (und vermutlich sogar, vom Blitz getroffen zu werden), kann es f├╝r diese Angst auf den ersten Blick nur zwei Gr├╝nde geben: Panikmache in den Median oder geistige Beschr├Ąnktheit.

Ich vermute allerdings, dass die meisten von uns seit 9/11 von der Rolle der Medien als Angstverst├Ąrker geh├Ârt haben und halte den durchschnittlichen Deutschen auch nicht f├╝r beschr├Ąnkt, sondern eben f├╝r durchschnittlich.

Auch unser vermeintlich kurzes Ged├Ąchtnis hilft kaum auf der Suche nach einleuchtenden Erkl├Ąrungen: Zwar gab es im Kalten Krieg mehr europ├Ąische Anschlagsopfer als heute, doch d├╝rften sich gerade die ├älteren noch gut an Baader-Meinhof, Landshut, Bloody Friday usw. erinnern.

Au├čerdem sind Vergleiche mit der schlimmen Vergangenheit ziemlich wirkungslos. Zahnschmerzen werden ja auch nicht ertr├Ąglicher, nur weil der Zahnarztbesuch vor ein paar Jahrzehnten noch unangenehmer war.

Die Hauptursache f├╝r diese bisweilen ├╝berw├Ąltigende Angst liegt vielmehr in der Natur der Bedrohung selbst:

Zum einen haftet dem islamistischen Terror wegen seiner Fremdheit etwas Unheimliches an. Dar├╝ber hinaus richtet er sich nicht gegen eine bestimmte, stark begrenzte Gruppe, sondern gegen ÔÇ×uns alle", den okzidentalen S├╝ndenpfuhl. Er verfolgt auch kein realistisches politisches Ziel (mit der M├Âglichkeit einer Kompromissl├Âsung), sondern strebt die Aush├Âhlung der westlichen Moderne bzw. die islamische Weltherrschaft an.

Am wichtigsten jedoch: Die Terroristen sind wie Agent Smith

Richtig - der in seinem Anzug gefangene Agent Smith aus dem Film ÔÇ×Matrix". Darin verwandeln sich die harmlosesten Matrix-Bewohner urpl├Âtzlich in Agent Smith, um Neo und Co. das Leben schwer zu machen.

Genauso wie sich ein in der K├╝che hockendes Gro├čm├╝tterchen blitzschnell in den Messer werfenden Agenten verwandelt, st├╝rmte ein Axt-schwingender Angreifer aus der Toilette eines Regionalzugs bei W├╝rzburg. So wie das Gro├čm├╝tterchen war auch er ein ÔÇ×v├Âllig unbeschriebenes Blatt".

Andere Bl├Ątter waren beschriebener, so wie die Br├╝sseler und Ansbacher Selbstmordattent├Ąter (2016), die bereits fr├╝her durch Straftaten aufgefallen waren. Andererseits sind die wenigsten Kriminellen auch noch Terroristen - also kein zuverl├Ąssiger Anhaltspunkt f├╝r die Dschihadistenfr├╝herkennung.

Nicht nur die T├Ąter, sondern auch die Anschlagsorte kommen oft wie aus dem Nichts: Berlin, Paris, Br├╝ssel, London? Naheliegend. Aber Ansbach, ein Regionalzug bei W├╝rzburg und Saint-├ëtienne-du-Rouvray (wo ein Priester enthauptet wurde)? Oder auch in Magnanville und Oignies (bzw. im Thalys-Zug)?

Das ist die Quelle dieser gar nicht so irrationalen Angst:

Bomben in Ansbach, Hieb- und Stichwaffen im Zug und bald kommt zu Heiligabend der Weihnachtsmann mit einer Sprengstoffweste durch den Kamin. Die Dschihadisten st├╝rzen unvorhersehbar und auf absurdeste Art und Weise in unser Leben hinein - so unvorhersehbar wie Durchfall beim Vorstellungsgespr├Ąch und so absurd wie Monty Python.

Mein Fazit: Den Kamin zumauern und das Gro├čm├╝tterchen vom K├╝chenmesser fernhalten - man wei├č ja nie, was als n├Ąchstes kommt.

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