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Verurteilter überlebt siebte Hinrichtung

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Thomas Douglas Arthur (74) sollte am 3. November 2016 durch den US-Bundesstaat Alabama hingerichtet werden, für einen Auftragsmord, den er, wie er immer wieder beteuert, nicht begangen hat. Er überlebte somit seinen 7. Exekutionstermin.
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Wie muss sich ein Mann fühlen, der nach 32 Jahren Folter im Todestrakt seinen siebten Hinrichtungstermin hat und auch diesen überlebt. Jedem dieser Termine geht ein langer, schrecklicher Prozess voraus, den der Verurteilte durchleben muss. Eine unerträgliche Qual, für die es keine Worte gibt... Die Exekution wurde für 18 Uhr am Donnerstagabend angesetzt. Kurz vor Mitternacht beschloss jedoch der Oberste Gerichtshof der USA einen Aufschub, mit dem Zweck zu prüfen, ob sein Fall noch einmal neu aufgerollt wird. Sollte diese Prüfung negativ ausfallen, kann Alabama für ihn jederzeit wieder einen neuen Hinrichtungstermin ansetzen.

Thomas Douglas Arthur musste bereits folgende Hinrichtungstermine über sich ergehen lassen:
2007 (2 Termine), 2008, 2011, 2012, 2015 nun der Termin am 3. November 2016.

Schuldfrage nicht wirklich klar
2008 gestand ein anderer Gefangener, Bobby Ray Gilbert, er habe dieses Verbrechen begangen. Da jedoch seine DNA nicht eindeutig mit dem Fall in Verbindung gebracht werden konnte, entschied ein Richter, sein Geständnis wäre falsch. Der DNA Test wurde an einer Afro-Perücke, die der Täter zur Tarnung trug, durchgeführt.
Arthur selbst beantragte ebenfalls eine Untersuchung der Perücke auf seine DNA, um seine Unschuld zu beweisen. Dies wurde jedoch abgelehnt, da der Oberste Gerichtshof entschieden hat, dass kein Recht auf DNA-Tests bestehe, die eine Unschuld beweisen können.
Sherrie Stone, die Tochter von Thomas Arthur, äußerte sich empört darüber, dass ihrem Vater diese wichtigen DNA-Tests versagt werden, denn sie glaubt an seine Unschuld: „Wenn die Hinrichtungen in diesem Land weitergehen sollen, müssen Gesetze gemacht werden, die DNA-Tests zu jeder Zeit des Prozesses erlauben. Denn es kann sein, dass wir unschuldige Menschen umbringen. Ich weiß es, weil mein Vater einer dieser Unschuldigen ist."

Grausames Wahlkampfargument
Neben der schrecklichen Situation in den US-Todestrakten, sind es gerade diese Hinrichtungstermine, die den Insassen das Leben zur Hölle machen. Für viele Staaten der USA ist dies aber nichts anderes, als die ganz normale Routine mit der sie Menschen das Menschsein absprechen und auf widerlichste Weise Quälen, über Jahre und Jahrzehnte misshandeln und missbrauchen, für ihre dreckige Politik, um sie dann irgendwann wie ein Tier auf der Schlachtbank an ein Kreuz zu fesseln und zu ermorden. Letztendlich geschehen diese grausamen Dinge aber auch, damit Gouverneure ihre Wahlen gewinnen können. Der Tod und die Misshandlung von Menschen als grausames Wahlkampfargument für ein rassistisches und rachesüchtiges Wahlvolk. Aber auch Donald Trump oder Hillary Clinton sind nicht gegen die Todesstrafe. Der Gedanke der Demokratie vorgeführt als Mittel der Unterdrückung der Schwachen und zur Legitimation von Folter.

Es ist zu hoffen, dass Thomas Douglas Arthur ein neues Verfahren bekommt und nie wieder einen solchen Hinrichtungstermin erleben muss. Aber es ist auch zu hoffen, dass sich die europäische Staatengemeinschaft, allen voran Kanzlerin Merkel, nun endlich diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die USA mit Nachdruck entgegenstellt.

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