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Texas will wieder morden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DEATH ROW CHAIR
Romeo Ranoco / Reuters
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Perry Williams soll am 14 Juli sterben

Am 14. Juli will der US-Bundesstaat Texas den wegen Mordes verurteilten Gefangenen Perry Williams Jr.(35) hinrichten. Er selbst bestreitet die Tat begangen zu haben.

Williams soll am 17. September 2000, den Medizin Studenten Matthew Carter erschossen haben, im Zuge eines mit weiteren Komplizen begangenen Raubüberfalls. Dabei bestreitet er nicht seine Beteiligung an dem Raubüberfall. Aber der Verurteilte besteht darauf, dass er Matthew Carter nicht erschossen hat.

Bei unseren Recherchen zu seinem Fall sind wir auf einen Text gestoßen, den offensichtlich Perry Williams, zu seiner Verteidigung, selbst verfasst hat. Interessanterweise entdeckten wir dieses Schreiben auf eine Pro-Todesstrafe-Seite.

Lassen wir ihn also hier selbst zu Wort kommen:

An alle, die mich hören wollen:

Hallo Welt! Mein Name ist Perry E. Williams Jr. und ich bin Gefangener im Todestrakt von Texas. Der Grund für mein Schreiben ist die Hoffnung auf deine Hilfe, damit meine Geschichte Gehör findet in dieser Bitte, mein Leben zu retten.

Nun Welt, ich werde nicht lügen oder um den heißen Brei herumreden. Ich muss sagen, im Todestrakt zu sitzen, ist eine ernste Sache und du hast sicher unzählige Geschichten von Todestraktinsassen gehört, die um Hilfe bitten, aber die tun das, indem sie versuchen, deine Sicht auf die Dinge zu verschleiern. Sie lügen und täuschen. Ich werde das nicht tun, weil ich darum kämpfe, mein Leben zu retten. Ja, ich habe in meinem Leben viele Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin, aber das macht mich nicht zu einem Mörder und ich denke nicht, dass ich dafür sterben sollte, einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein.

Nachdem das gesagt ist, der Anfang: im Alter von 19 Jahren beging ich den größten Fehler meines Lebens. Ich war direkt in einem Raubüberfall involviert, bei dem ein Mann sein Leben verlor. Heute, neun Jahre später, sitze ich im Todestrakt für einen Mord, den ich nicht einmal begangen habe, und kämpfe um mein Leben.

Ich erinnere mich daran, als wäre es erst gestern gewesen, dass man mich für ein Verbrechen verhaftete, in das ich direkt verwickelt war. Im Todestrakt aber sitze ich für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe. Ich wurde ungerecht behandelt durch ein ungerechtes Justizsystem und das nur aufgrund meiner sozialen Stellung in der Gesellschaft. Diese ungerechte Behandlung habe ich erfahren von dem Tag meiner Verhaftung bis heute und werde sie höchstwahrscheinlich noch weiterhin erfahren, wenn meine Geschichte kein Gehör findet.

Die wichtigsten Fakten über meinen Fall:

1/ Bei meiner Verhaftung musste ich zu einer Gegenüberstellung wegen eines erschwerenden anderen Delikts, das man mir vorwarf. Ich wurde nicht identifiziert. Doch etwa 20 Monate später sagte das Opfer während der Gerichtsverhandlung im Zeugenstand aus und identifizierte mich eindeutig als den Täter. Das zeigt ein klares Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft.

2/ Bei der Auswahl der Jury bot man mir einen Deal an, aber als ich mich bereit erklärte, ihn zu unterzeichnen, zog dasselbe System, das mir zuvor das Angebot gemacht hatte, dieses wieder zurück aufgrund meiner sozialen Stellung in der Gesellschaft (Reich gegen Arm).

3/ Als Ausgleich zu diesem ungerechten System wurde bei der Auswahl der Jury ein qualifizierter afroamerikanischer Juror ausgewählt. Dieser wurde dann aber auf unsachliche Weise von der Staatsanwaltschaft beanstandet und wieder aus der Jury entfernt. Damit hatte ich eine rein weiße Jury gegen mich. Auch das zeigt einmal mehr die Bedeutung von Rassenunterschieden und der gesellschaftlichen Stellung.

4) Während der Verhandlung ließ man Aussagen gegen mich sowohl von Mitangeklagten als auch von Nichtmitangeklagten zu. Mir und meiner Verteidigung wurde es jedoch nicht erlaubt, die Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen, was eine klare Verletzung des Confrontation Clause darstellt, weil der Inhalt ihrer Aussagen so nicht einfach unüberprüft gegen mich verwendet werden darf.

5/ Nachdem mein Fall schließlich verhandelt und ich zum Tode verurteilt worden war, hörten meine Probleme damit aber nicht auf. Als es darum ging, dass mir ein neuer Rechtsbeistand für meine Bemühungen um die weiteren Berufungsprozesse gestellt werden sollte, wurde mir ungerechterweise die Ehefrau eines meiner Anwälte im vorherigen Verfahren zugewiesen. Das bedeutete dann natürlich einen Interessenkonflikt, denn weder Ehemann noch Ehefrau reicht einen Antrag ein, der dem jeweiligen Ehepartner eine schlechte und ineffiziente Arbeit vorwirft. Viele wichtige Fakten wurden deshalb während dieser entscheidenden Phase der Berufung nie vorgebracht.

Nun Welt, nachdem alles gesagt ist, bitte ich dich, mir zu helfen, meiner Geschichte Gehör zu verschaffen. Ich möchte nicht sterben und alles worum ich bitte, ist eine faire Chance. Und damit will ich schließen. Ich werde immer ein Kämpfer bleiben. Um mehr über mich und meine Geschichte zu erfahren, können sie mich direkt oder auf der folgenden Seite kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen

Perry E. Williams Jr.
Quelle: http://off2dr.com/smf/index.php?topic=3975.0

Unabhängig von der Schuldfrage bitten wir unsere Leser an den Gouverneur von Texas zu schreiben und um einen Hinrichtungsstopp zu bitten:
https://gov.texas.gov/contact/
oder über Twitter: https://twitter.com/GovAbbott

Bitte beachtet auch die Aktion 2016 auf www.lancelot-armstrong.de

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