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Ohio will Alva Campbell hinrichten

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Der US-Bundesstaat Ohio will am  15. November 2017 Alva Campbell (69) hinrichten. Er soll 1997 Charles Dials erschossen haben. Im Jahr 1998 wurde er dafür zum Tode verurteilt. Im Berufungsverfahren wurde dieses Urteil jedoch aufgehoben und im Jahr 2001 erhielt er jedoch wieder die Todesstrafe.

Alva Campbell hat fast sein ganzes Leben in staatlichen Einrichtungen verbracht. Schon in der Jugend wurde er fast ausnahmslos durch Einrichtungen des Staates erzogen. Dabei gab es laut Aussage eines Soziologen nie einen richtigen Betreuungsplan. Das Berufungsgericht stellte im Jahr 2012 fest, dass Cambell in seinem Elternhaus 10 Jahre schwer misshandelt wurde und die Erziehung in staatlicher Obhut für ihn "größtenteils negative" Auswirkungen hatte. Darüber wurden die Geschworenen im ursprünglichen Verfahren jedoch nicht unterrichtet, dort erhielten sie nur Informationen über die ersten zehn Jahre seiner Kindheit. Das Berufungsgericht urteilte jedoch, die staatliche Obhut hätte in seinem Fall lediglich steigernde Wirkung gehabt.

Vor dem Begnadigungsausschuss am 12. Oktober sagte der damalige Verteidiger Campells er hätte damals leider ein falsches Bild vermittelt, weil er den Fehler gemacht habe, sich auf die ersten 10 Jahre seiner Kindheit zu konzentrieren. Dadurch wäre der Eindruck erweckt worden, das Leben des Angeklagten hätte durch das Eingreifen des Staates eine positive Wendung genommen. Jedoch konnte sich der Ausschuss nicht dazu durchringen Campell zu begnadigen. Ein Mitglied des Gremiums stimmte aber für die Begnadigung. Sie meinte es sei im Interesse der Gerechtigkeit ihn zu begnadigen, da auch die staatliche Fürsorge für eine weitere Verkümmerung seiner geistigen und emotionalen Entwicklung verantwortlich sei.

Aufgrund der seit 2003 sich immer mehr verschlechternden Gesundheitssituation Campells besteht die Gefahr, dass das setzen der Giftspritze bei ihm "paradoxe Reaktionen" hervorrufen kann, wie vor kurzem in einem eingelegten Rechtsmittel beschrieben wurde. Dies wurde am 25. Oktober vom Berufungsgericht abgelehnt. Jedoch eine der Richterinnen sprach sich für das Rechtsmittel und sagte: "Es gibt Situationen, in denen es als Akt blindwütiger Vergeltung anzusehen wäre, eine Person zu töten, um deren geistige Gesundheit es sehr schlecht bestellt ist; und es gibt Situationen, in denen es als Akt blindwütiger Vergeltung anzusehen wäre, eine Person zu töten, um deren körperliche Gesundheit es zunehmend schlecht bestellt ist."
Damit hat diese Richterin ein klares Statement abgegeben!

Teilnehmen bei der Aktion von Amnesty International für Alva Campbell: https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/drohende-hinrichtung-4
Dort kann mit einem Klick eine vorgefertigte Nachricht verschickt werden.

Auf folgender Webseite gibt es eine Petition für  Alva Campbell. Dabei kann der Text problemlos verändert werden. Ohne Textveränderung hat er einen katholischen Glaubensbezug:
https://catholicsmobilizing.org/action/2017-11/stop-execution-alva-campbell-jr

Wir danken allen, die sich für Alva Campbell einsetzen.

Weitere Infos zum Thema Todesstrafe: lancelotarmstrong.wordpress.com