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Nach 34 Jahren Folter, Hinrichtung in Georgia?

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PRISON CELL
pkline via Getty Images
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Der US-Bundesstaat Georgia plant John Conner am 14. Juli 2016, mittels tödlicher Injektion, hinzurichten. 

Im Jahr 1982 geriet Conner in einen Streit mit James T. White. Conner war gemeinsam mit seiner Freundin Beverly Bates und White am 9. Januar 1982 zu deren Haus gegangen, nach einer Party. Sie hatten schon viel Alkohol getrunken und Drogen konsumiert. Gegen Mitternacht machten sich die beiden Männer auf den Weg mehr Alkohol zu besorgen.

Dabei kam es zu einem Streit, weil White wohl zu ihm sagte, er wolle mit Conners Freundin schlafen. Dies verärgerte Conner sehr und die beiden Männer gerieten in eine körperliche Auseinandersetzung. Conner äußerte sich selbst wie folgt dazu: "Ich wurde wütend und wir hatten den ganzen Weg lang einen Kampf, wobei ich ihn mit einer Flasche schlug und er mich mit einem Ast." Am nächsten Morgen wurde James T. White tot in einem Entwässerungsgraben gefunden.

Es stellte sich heraus, dass er an seinem eigenen Blut ertrunken war, aufgrund seiner schweren Verletzungen im Gesicht...

So schlimm diese Geschichte auch ist. So unverständlich ist das Urteil, welches gegen Conner ausgesprochen wurde. Vor einem Gericht, dass der Gerechtigkeit verpflichtet ist, hätte Conner niemals die Höchststrafe erhalten dürfen, denn die Tat geschah unter starkem Alkohol und Drogeneinfluss. Der Tot Whites wohl das Ergebnis einer Kurzschlusshandlung während eines Kampfes zwischen den beiden.

Conner selbst versuchte sich noch vor der Verhandlung das Leben zu nehmen. Aber auch schon vor seiner Tat fiel Conner durch seine Suizidgefährdung auf. Er stammt aus einer armen Familie und war Alkohol- und Drogensüchtig, wobei er unter schweren Depressionen litt. Als Kind wurde Conner von seinem trinkenden Vater regelmäßig geschlagen, der Vater schoss sogar auf ihn, stach mit einem Messer auf ihn ein und er erhielt sogar einmal einen Schlag mit einer Axt auf den Kopf.

Dem Gericht liegen auch Unterlagen vor aus denen hervorgeht, dass Conner geistig behindert sei. Dies alles wurde bei der Urteilsfindung und bei späteren Anträgen und Verfahren nicht berücksichtigt. Der Prozess gegen Conner dauerte nur drei Tage. Die Jury beriet sich dabei lediglich eine Stunde lang um ihr Urteil zu finden.

Der Staat der von sich behauptet das Recht schützen zu wollen und wie Obama erst vor kurzem sagte, der für "Menschwürde" stehe, hat eben diese im Fall Conner seit nun 34 Jahren mit Füßen getreten. Ihn mit dem Todestrakt misshandelt - 34 Jahre lang! Ein Todessystem, dass an geplanter Grausamkeit kaum noch zu überbieten ist. 34 Jahre Folter in einer Todeszelle - 34 Jahre Angst und Verzweiflung - 34 Jahre Isolation...

Wir wollen in keiner Weise die Tat Conners gut heißen, aber DAS was der Staat Georgia mit John Conner macht, ist ebenfalls ein schweres Verbrechen - ein staatliches Verbrechen.

Gnadengesuche können an das Georgia Board of Pardons and Paroles gerichtet werden:
Über Mail unter: clemency_info@pap.state.ga.us
Über Twitter: http://twitter.com/GA_ParoleBoard

Sowie an den Gouverneur von Georgia über Twitter:
https://twitter.com/GovernorDeal

Weitere Informationen zum Thema Todesstrafe: lancelotarmstrong.wordpress.com