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Florida: Wieder verfassungswidrige Hinrichtung?

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Gouverneur Rick Scott's Unterschrift des Todes

Todeskandidat beteuert seine Unschuld
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Mit seiner Unterschrift hat der Gouverneur von Florida, Rick Scott, das Schicksal von Michael Lambrix entschieden. So wie er es immer tut - fein säuberlich und ordentlich auf weißem Papier steht über seiner Unterschrift, dass Michael Lambrix am 5.10.2017 um 18 Uhr (Ortszeit) durch den US-Bundesstaat Florida ermordet werden soll. Kein Gouverneur vor ihm hat seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den 1970er Jahren so viele Todesurteile unterschrieben wie er...

Links oben das „Große Siegel des Staates Florida" mit den Worten: „Wir vertrauen auf Gott" - Das ist die Schizophrenie eines angeblich christlichen Staates, der offensichtlich die Stelle in der Bibel „Du sollst nicht töten" geschwärzt und dafür das „Auge um Auge..." dick unterstrichen hat. Wenn es eine Hölle auf Erden gibt, dann erleben eben diese Hölle die Gefangenen im Todestrakt. Die Hölle der christlichen Religion scheint dafür Gouverneur Rick Scott sicher zu sein, wenn man bedenkt wie oft er mit seiner Unterschrift das fünfte Gebot gebrochen hat.

Hier geht es zum Original Dokument

Es liegt dem Autor dieser Zeilen fern hier christliche Moral zu predigen, aber was er auf jeden Fall anprangert ist die Tatsache, dass der Staat Florida offensichtlich eine verlogene Doppelmoral lebt, indem er so tut, als wäre die Grundlage seines Handelns der christliche Glaube, dann aber die Werte eben dieses Christentums mit Füßen tritt.

Michael Lambrix (57) wurde zum Tode verurteilt, weil er den Mord an Clarence Edward Moore und Aleisha Dawn Bryant am 6. Februar 1983 begangen haben soll. Dafür wird er seit 33 Jahren mit der Todeszelle gefoltert. Michael Lambrix besteht auf seiner Unschuld, sollte er wirklich unschuldig sein, wird voraussichtlich am 5. Okt. ein Unschuldiger Mann hingerichtet. Umfangreiche weitere Details zu seinem Fall können hier bei Amnesty International eingesehen werden.

Im folgenden Video kommt Michael Lambrix persönlich zu Wort:
https://youtu.be/QMCfn-uFcS0

In beiden Verhandlungen gegen Michael Lambrix war die Jury uneins. Einmal mit 8 zu 4 und einmal mit 10 zu 2 Stimmen. Trotz dieser Uneinigkeit wurde gegen ihn die Todesstrafe verhängt. Nach den heutigen Gesetzen dürfte er unter keinen Umständen zum Tode verurteilt werden, wenn die Jury uneins ist.

Offensichtlich ist Florida so mordlustig ist, dass ihm Gesetz und Recht vollkommen egal scheint. Nachdem das Hurst-Urteil verkündet wurde, hätten eigentlich alle Gefangenen im Todestrakt, deren Todesurteil aufgrund einer nicht einstimmigen Entscheidung der Jury, quasi im Alleingang, durch den Richter beschlossen wurde, neu verhandelt werden müssen. Vollkommen willkürlich hat Florida aber entschieden, dass alle Fälle die vor dem 24. Juni 2002 entschieden wurden nicht neu verhandelt werden müssen, obwohl das Hurst-Urteil des US-Bundesgerichtes eben genau dies impliziert. Dadurch hat z.B. Lancelot Armstrong, der seit 1991 im Todestrakt von Florida gefoltert wird, tatsächlich demnächst ein neues Strafzumessungsverfahren und seine jetzige Todesstrafe ist erst einmal gekippt, da sein Verfahren vor dem 24. Juni 2002 noch nicht abgeschlossen war. (Lancelot Armstrong wird seit Jahren von der IHfL betreut). Auch das Todesurteil gegen Michael Lambrix ist nach der Hurst-Entscheidung klar Verfassungswidrig!

Wir dürfen nicht schweigen im Angesicht dieses Unrechts und dieser Unmenschlichkeit! Darum im Folgenden Möglichkeiten sich gegen diese Exekution auszusprechen.

Per Mail an den Gouverneur:
Rick.Scott@eog.myflorida.com

Textvorschlag (Unterstützer von Michael Lambrix haben uns dankenswerter Weise diesen Text zur Verfügung gestellt):
I am writing to you about the case of Cary Michael Lambrix, #482053, with the purpose to respectfully ask for a clemency hearing on his behalf. Michael Lambrix is scheduled for execution on 10/5/2017.
This case is unique enough that it should compel the State of Florida to grant a special attention to under the form of an official clemency hearing (his last clemency hearing was held over thirty years ago).
Many reasons could be given in support of such a hearing, such as:
1. The inordinate length of time already served
2. He has never been given the opportunity to present his version of events as a coherent whole. The members of the Cabinet deserve to hear the full story.
3. Lambrix's version of events (manslaughter in self-defence) remains credible. By contrast, the case against him appears in many ways legally contentious:
- The key witness changed the story she told the police several times
- The key witness admitted in court to having had a sexual affair with the State's lead investigator
- Another leading witness later retracted her evidence
- Key forensic evidence has gone missing or is unavailable for testing (namely
fingernail scrapings and the tire iron)
- The State theory of the sequential killing of the two victims appears to many questionable at best.
4. The jury verdicts were not unanimous, but 8-4 and 10-2. Should Mike Lambrix be tried today, he would NOT have been sentenced to death.
5. Mike Lambrix has twice refused offers of a plea-bargain, even though had he done so he would long since have been free.
However, there is one human picture that the courts will not be able to address:
Mike Lambrix is a man of exceptional intelligence and personal resolve who has educated himself in prison and managed to make his experience valuable to others:
He will be next year part of a major exhibition at the Nobel Peace Center in Norway, and his writings, his advice to others on how to pursue legitimate successful lives are already part of a wider, burgeoning effort to educate and encourage the public.
Sincerely,

Per Twitter an den Gouverneur:
@FLGovScott

Textvorschlag für Twitter:
Stop the Execution of Mr. Michael Lambrix! Please stay the execution so that Michael's life will be spared and his case reviewed.

Teilnehmen bei der Aktion von Amnesty International:
https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/erneut-hinrichtungstermin-festgesetzt
Dort kann mit einem Klick eine vorgefertigte Nachricht verschickt werden.

Für alle die bis hierher gelesen haben und immer noch zweifeln, ob sie etwas für Michael Lambrix tun wollen, hier ein Interview (mit deutschen Untertiteln) mit Anthony Graves. Er war 18 Jahre unschuldig im Todestrakt und berichtet im Interview von seinen Erlebnissen und seinem Fall. Heute kämpft er mit all seiner Kraft gegen die Todesstrafe:

https://youtu.be/yExLPuLCT1A

Wir danken Allen, die sich für Michael Lambrix einsetzen.

Weitere Infos zum Thema Todesstrafe: lancelotarmstrong.wordpress.com