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Nächste Exekution in Texas?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DEATH PENALTY
David J Sams via Getty Images
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Robert Pruett soll sterben

Am Dienstag den 23. August 2016 soll Robert Pruett (36) durch den US-Bundesstaat Texas ermordet werden. Er war 1999 wegen des Mordes an dem Vollzugsbeamten Daniel Nagle verurteilt worden.

Seit 16 Jahren wird Robert Pruett im Todestrakt von Texas gefoltert. Nun soll er sterben. Den ihm vorgeworfenen Mord soll er während Verbüßung einer 99-jährigen Haftstrafe begangen haben.

Robert Pruett wuchs in einer armen Familie auf und sein Vater verließ die Familie in frühen Jahren. Er kehrte jedoch später wieder zu Roberts Mutter zurück. Als Jugendlicher begann Robert mit seinen Freunden in Häuser einzubrechen und Diebstähle zu begehen. Bei einem dieser Einbrüche wurde er und einer seiner Freunde von einem Nachbarn festgehalten. Sie flohen und versuchten das Diebesgut, wobei auch Waffen waren, zu verstecken.

Robert wurde verhaftet und in eine Jugendstrafanstalt eingewiesen. Er kehrte später aus diesem Gefängnis nach Hause zurück mit der strengen Bewährungsauflage, keinen Ärger mehr zu machen. Nun erfuhr Robert, dass Ray Yarborough eine der gestohlenen Waffen an sich genommen haben soll. Robert versuchte sie von Ray wiederzubekommen, was aber nicht gelang. Roberts Bruder und auch sein Vater baten ihn nichts weiter in der Angelegenheit zu tun, damit es keinen Ärger gibt.

Kurz nach Roberts 16. Geburtstag suchte der betrunkene Ray Yarborough nach seinem entlaufenen Hund und schrie nach dem Tier mit obszönen Worten. Als Robert dies hörte, dachte er Ray würde ihn so beleidigend anschreien, weil er nichts von dem verschwundenen Hund wusste. Daraufhin weckte Robert seinen Bruder und Vater auf um Ray gemeinsam zur Rede zu stellen.

Nach Darstellung Roberts begannen zunächst sein Bruder dann auch sein Vater mit Ray zu kämpfen. Roberts Vater gestand später Ray erstochen zu haben. Der Vater sagte aus, dass die beiden Jungs nicht an dem Mord beteiligt waren. Dennoch wurden alle drei vor Gericht gestellt und der Vater erhielt eine lebenslange Haftstrafe, Roberts Bruder wurde zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt und Robert erhielt eine 99-jährige Haftstrafe, wobei er wie ein Erwachsenen beurteilt wurde, obwohl er erst 16 Jahre alt war.

Nach sechs Jahren versuchte Robert Nahrungsmittel mit in den Erholungsbereich des Gefängnisses zu nehmen, weil er kein Mittagessen hatte. Der Vollzugsbeamte Nagle schrieb deswegen eine Anklage für ein Disziplinarverfahren gegen Robert, weil es sich bei dieser Handlung um eine Regelverletzung handelte. Daraufhin soll Robert auf den Wärter mit einem Metallstab mehrfach eingestochen haben. Nagle verstarb daraufhin an einem Herzinfarkt. Am Tatort wurde die Tatwaffe und das geschredderte Disziplinarschreiben gegen Robert gefunden.

Robert Pruett besteht auf seiner Unschuld. Er habe diesen Mord nicht begangen. Seine Anwälte argumentieren, dass die Gefangenen ihn belasteten indem sie aussagten, sie hätten gesehen wie Robert den Mord begangen habe, ursprünglich jedoch ausgesagt hatten, sie hätten den Mord gar nicht gesehen. Und Robert sei zum Tatzeitpunkt auf dem Gefängnishof gewesen, also fern vom Tatort. Dennoch wurde Robert zum Tode verurteilt.

Robert hatte bereits mehrere Hinrichtungstermine, die jedoch immer wieder verschoben wurden, unter anderem weil man Zeit benötigte für DNA-Tests. Die Ergebnisse dieser Tests ergaben keine klaren Resultate, dennoch entschied ein Richter dies hätte die Jury damals nicht in ihrem Urteil schwanken lassen...

Wir können die wirklichen Geschehnisse natürlich nicht beurteilen, es bleiben aber Fragen und die Fairness des Verfahrens gegen Robert scheint nicht immer garantiert gewesen zu sein. Wie dem auch sei, einen 16-jährigen Jungen zu 99 Jahren Gefängnis zu verurteilen für ein Verbrechen, dass er selbst offensichtlich nicht einmal begangen hat, ist schon allein ein staatliches Verbrechen! - Sie haben diesen Jungen quasi lebendig im Gefängnis begraben ohne jede Hoffnung oder Möglichkeit jemals wieder ein Freiheit leben zu können.

Eigentlich gehören solche Richter, solch ein System und seine Ausführenden vor Gericht gestellt. Ihn nun auch noch hinrichten zu wollen, wegen des Mordes an einem seiner Peiniger, obwohl zudem an seiner Schuld erhebliche Zweifel bestehen, grenzt an Irrsinn und hat mit Recht nichts zu tun.

Viele weiterführende Informationen sind auf der folgenden Webseite zu finden. Dort veröffentlicht Robert auch seine Biografie, aber auch viele selbst verfasste Artikel.
Friends of Robert Pruett - Sharing Love and Light
www.robert-pruett.com

Unabhängig von der Schuldfrage bitten wir unsere Leser an den Gouverneur von Texas zu schreiben und um einen Hinrichtungsstopp zu bitten:
https://gov.texas.gov/contact/
oder über Twitter: https://twitter.com/GovAbbott

Weitere Informationen zum Thema Todesstrafe: lancelotarmstrong.wordpress.com

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