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Ich verstehe unser Steuersystem nicht - Ändern wir das!

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EINKOMMENSSTEUER
dpa
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Sind wir mal ehrlich: Was wissen wir über unser Steuersystem? Nicht viel. Oder zumindest nicht viel genaues. So geht es mir zumindest. Ich bin einer dieser Menschen, der beim Gedanken an die Steuererklärung spontan seine Leidenschaft zum Häkeln entdeckt.

Ich weiß nicht mal genau, was ich wann genau wie zahlen muss und wieso ich auf Teile meines Gehalts nichts zahlen muss, auf andere voll und auf wieder andere Teile zwei Prozent. Ich bin einfach froh, dass es irgendwie funktioniert und ich bisher noch keinen Brief vom Finanzamt bekomme habe, der mir offenbart, ich müsse horrende Summen nachzahlen. Aber ich wette, jeder von uns kennt jemanden, dem das bereits passiert ist.

Ich bin, wie wahrscheinlich die meisten von uns, kein VWLer, wie man so schön sagt. Ich kenne die einfachsten Grundzüge der Volkswirtschaft, bin aber kein Experte. Ich nehme an, den meisten Deutschen wird es so gehen. Mein Anspruch an ein Steuersystem ist es, diesem Fakt Rechnung zu tragen.

Grüne fordern Vermögenssteuer für Superreiche

Ich verstehe deshalb nicht, wie wir so lange mit einem Steuersystem leben können, das ein Großteil der Menschen, die es betrifft, gar nicht durchschaut. Das fängt ja bei den Ausnahmen zur Mehrwertsteuer schon an. Oder kann mir jemand erklären, warum ich auf ein Maultier nicht den gleichen Mehrwertsteuersatz zahle, wie auf einen Esel? Bis vor kurzem dachte ich noch, das wäre ein und dasselbe Tier.

Währenddessen fordern die Grünen eine Vermögenssteuer für Superreiche. Was das bringen soll, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, wer in diesem Land superreich ist. Die Grünen wissen das aber auch nicht. Zumindest verraten sie es uns nicht. Klingt aber jedenfalls erst mal nicht schlecht. Denn niemand hält sich selbst für superreich und hohe Steuern für alle - nur für mich nicht - klingt ja erst mal nicht verkehrt.

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Nur entweder ist das eben billigste Symbolpolitik, denn die Einnahmen einer Vermögenssteuer für wirklich Super-Superreiche dürften marginal sein oder aber der normale Mittelständler gilt auch schon als superreich. Dann ist das reinste Abzocke. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass wir in Deutschland Jahr für Jahr Rekordsummen an Steuereinnahmen einfahren.

Der Staat verdient so viel Steuern wie noch nie zuvor. Wie kann man da ernsthaft auf die Idee kommen, neue Steuern zu erfinden oder bestehende zu erhöhen? Es wäre jetzt einfach die Abschaffung unbeliebter Steuern zu fordern. Aber das ist mir nicht genug: Ich will ein Steuersystem, das ich verstehe.

Jeder könnte die Steuererklärung in drei Minuten erledigen

Wie wäre es denn damit, dass Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen bis, sagen wir mal 1500 Euro gar keine Steuern zahlen? Alles was darüber verdient wird, besteuern wir mit, sagen wir mal 22 Prozent. Keine Ausnahmen, keine unzähligen Sonderregelungen. Die Steuererklärung wäre dann in drei Minuten erledigt.

Wenn wir das Ganze auch noch ausdehnen auf Körperschafts- und Mehrwertsteuer, dann könnten wir vielleicht sogar statt den oben angedachten 22 Prozent nur 15 Prozent nehmen. Oder sind wir mal realistischer: 17 Prozent.

Wir zahlen also einfach auf alles 17 Prozent Steuern. Vorbei die Zeit der Volksverwirrung. (Der Link führt euch zu Wikipedia, denn wer weiß schon auf Anhieb, was genau eine Körperschaftssteuer ist?!) Ich befinde mich hiermit natürlich auf dem oblatendünnen Eis des halben Wikipediawissens.

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Aber nach allem was ich gelesen habe, verstehe ich dieses System und es ist nicht unsozialer als das jetzige, denn Menschen mit wenig Einkommen zahlen gar keine Steuern und Menschen mit mittlerem Einkommen zahlen nur für das Einkommen Steuern, welches über den vorgeschlagenen 1500 Euro liegt. Dieses System wäre nicht nur einfach, niedrig und gerecht, sondern vor allem durchschaubar.

Und wie sieht es eigentlich damit aus: Vielverdiener bekommen die Chance, freiwillig mehr Steuern zu zahlen. Dem vernehmen nach, würde ja halb Prenzlauer Berg genau das gern tun. Aber das ist wohl ein anderes Thema...

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