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In den Fängen der Mittelmäßigkeit

02/08/2017 18:14 CEST | Aktualisiert 02/08/2017 18:14 CEST
SIphotography via Getty Images

„Jetzt gibt es einen kleinen Pieks, tut auch gar nicht weh ..." Das hören weder Sie noch ich gerne. Dieses Mal musste zum Glück nicht ich dran glauben. Bei unserem Hund stand mal wieder eine Blutuntersuchung an - reine Vorsorge. Als ich am Folgetag in der Praxis anrief, bekam ich von der Tierarzthelferin als einzige Auskunft: „Das Labor konnte leider keine Analyse durchführen. Das Blut war geronnen." Auf die Frage, woran das lag, bekam ich lediglich zu hören: „Wahrscheinlich war es zu heiß draußen." Am Tag der Blutentnahme hat es bei 16 Grad geregnet ... Die Qualität ihrer Aussage? Miserabel! Leider erlebe ich diese Situationen viel zu oft ...

Qualität auf Sparflamme

Benötige ich Informationen von einem Unternehmen, stoße ich auf völlig unmotivierte Mitarbeiter. Die sich keine Mühe geben, nachzufragen oder nachzuforschen. Sie erzählen mir die Story vom Pferd, nur damit ich Ruhe gebe. Sie erledigen ihre Arbeit auf Sparflamme, denn den Meisten genügt dieses Mittelmaß. Dieses Mittelmaß, mit dem sie sich das Grab ihrer Qualität schaufeln.

Denn der Weg aus dem Mittelmaß kostet seinen Preis: Die Mitarbeiter müssen sich anstrengen. Sie müssen Energie investieren, um etwas zu verbessern.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Mag sein, dass der Chef für seine Mitarbeiter nicht motivierend ist und dieses Mittelmaß vorlebt. Mag sein, dass die ganze Firma nach dem Motto „ist mir doch egal" arbeitet und sich jeder Mitarbeiter an dieser Haltung orientiert - schließlich fällt der Apfel nicht weit vom Stamm.

Alles ein Nest der guten Ausreden. Da ist es natürlich bequem, sich in diesem Nest gemütlich einzurichten. Gleichzeitig ist es jedoch auch eine Form der Selbstaufgabe. Die Menschen machen sich selbst zum Opfer der äußeren Umstände - und versumpfen in der Trägheit des Mittelmaßes. Aber das sind alles keine Gründe dafür, schlechte Qualität abzuliefern.

Denn die wahre Ursache dafür liegt ganz unten im Fundament: Der Anspruch, den Sie an sich selbst richten.

In Ihnen steckt ein Schmied

Natürlich ist es schwieriger, ein bestimmtes Qualitäts-Level zu halten, wenn Menschen die Arbeit verrichten - und keine Maschinen. Der Mensch ist nun mal ein Naturprodukt, das emotionalen, physischen und psychischen Schwankungen unterliegt.

Eine Maschine im Gegensatz verrichtet die Arbeit schneller, präziser und ausdauernder. Sie müssen nur einmal den Prozess programmieren - dann macht die Maschine stoisch immer wieder dieselben Bewegungen. Exakt und akkurat.

Deshalb bin ich der Meinung, dass sich jeder von Ihnen fragen muss: Wie sehr wollen Sie selbst Spitzenleistung bringen? Und zwar unabhängig davon, was das Umfeld - der Chef, die Kollegen, Kunden, Wettbewerber, Freunde - von Ihnen erwartet bzw. selbst vorlebt. Unabhängig davon, wie Sie sich gerade fühlen oder was Ihnen gerade widerfahren ist. Wenn Sie sich hohe Ziele setzen. Wenn Sie mit dem Status quo nicht zufrieden sind und etwas noch besser machen wollen, dann entsteht Qualität auf höchstem Niveau. Dann sind Sie nämlich selbst Ihr härtester Kritiker und Ihr eigener Schmied der Qualität.

Person vs. Position

Für diesen Qualitätsanspruch ist die innere Haltung entscheidend - davon bin ich fest überzeugt. Die Grenze zwischen Ihrer Person und Ihrer Position muss Ihnen klar sein.

Die Person sind Sie als Mensch - Ihre private Seite mit all Ihren Emotionen, Hochs und Tiefs, die zum Menschsein dazugehören. Ihre Position hingegen ist Ihr professioneller Auftritt. Eine Rolle, in die Sie hineinschlüpfen. Hier leben Sie das vor, was man von Ihnen als Profi erwartet.

Selbstverständlich kommt es vor, dass Sie sich als Person mal nicht gut fühlen. Aber das interessiert Ihren Kunden nicht. Er erwartet von Ihnen Ihre Position - professionell, freundlich, interessiert, fokussiert - auch wenn Ihnen eigentlich nicht danach zumute ist.

Dieses Gefühl kenne ich nur zu gut. Aber ich ziehe es durch. Sobald der Kunde weg ist, kann ich meine Laune ja wieder raushängen lassen. Ist der Termin mit meinem Kunden jedoch gut verlaufen, nehme ich die positive Stimmung und das Hochgefühl einfach mit in mein Büro - dann sieht die Welt gleich viel freundlicher aus und meine schlechte Laune ist auch verflogen.

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